Elektroakupunktur, Tinnitus

Elektroakupunktur bei Tinnitus: Lautstärke sinkt nach zehn Wochen um 2 Punkte

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Beide Elektroakupunktur-Varianten verringerten in einer Studie Lautstärke und Alltagsbelastung; schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.
Ein ruhiger, minimalistischer Behandlungsraum mit einer hölzernen Liege in sanftem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Eine multizentrische, randomisierte und kontrollierte Studie liefert neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Behandlung von Tinnitus bei älteren Erwachsenen.

Die Untersuchung, die von den Chinese Medicine Services des Pok Oi Hospital gemeinsam mit der School of Chinese Medicine der Chinese University of Hong Kong (CUHK) durchgeführt und im Fachjournal „Complementary Therapies in Medicine“ veröffentlicht wurde, belegt signifikante Effekte von Akupunkturverfahren.

Demnach können sowohl die klassische Elektroakupunktur als auch die Elektro-Wärme-Akupunktur bei Patienten im Alter von 50 bis 70 Jahren die wahrgenommene Lautstärke der Ohrgeräusche deutlich senken und den damit verbundenen Leidensdruck im Alltag reduzieren.

Signifikante Reduktion von Lautstärke und Belastung

Das Behandlungsprotokoll der Studie umfasste insgesamt 10 Sitzungen, die über einen Zeitraum von fünf Wochen mit jeweils zwei Anwendungen pro Woche stattfanden. Bereits nach Abschluss dieser fünfwöchigen Interventionsphase verzeichneten die Probanden spürbare Verbesserungen. Gegenüber der Kontrollgruppe sank die Tinnitus-Lautstärke bei der Elektroakupunktur um 1,91 Punkte und bei der Elektro-Wärme-Akupunktur um 1,81 Punkte.

Bis zur zehnten Woche vertieften sich diese Effekte weiter: Die Lautstärke verringerte sich in diesem Zeitraum um 2,03 Punkte in der Gruppe mit Elektroakupunktur sowie um 1,98 Punkte bei der Elektro-Wärme-Akupunktur. Bereits in Woche 5 hatten 46% der Patienten eine Besserung gezeigt.

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Laut Chan Kam-leung, Dozent an der CUHK School of Chinese Medicine, gilt eine Verringerung um 2 oder mehr Punkte international als klinisch signifikant. Diesen Schwellenwert erreichten 40% der teilnehmenden Personen nach der Behandlung.

Auch die Belastung im Alltag verbesserte sich maßgeblich. In Woche 10 wiesen 55% der Teilnehmenden beider Behandlungsgruppen eine klinisch signifikante Besserung im THI-1-Gesamtwert auf. Der Schweregrad der Beschwerden verschob sich dadurch im Schnitt von „moderat“ auf „leicht“.

Bei den THI-Scores verbesserte sich über die Hälfte der Patienten in beiden Akupunkturgruppen um 7 Punkte oder mehr. Im Gegensatz dazu verschlechterte sich der Zustand in der Kontrollgruppe ohne Akupunktur über die zehn Wochen hinweg.

Verträglichkeit, Kontraindikationen und praktischer Nutzen

Hinsichtlich der Therapiesicherheit wurden keine schweren Nebenwirkungen verzeichnet. Die beobachteten Reaktionen beschränkten sich auf lokale Schmerzen sowie Hämatome an den Einstichstellen. Die Therapietreue fiel mit einer Compliance von über 90% in beiden Behandlungsgruppen hoch aus.

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Die praktische Relevanz veranschaulicht unter anderem ein Fallbericht: Eine 66-jährige Patientin konnte ihre Tinnitus-Episoden infolge der Elektro-Wärme-Akupunktur von drei auf ein bis zwei Vorkommnisse pro Woche verringern.

Gleichzeitig verweist die CUHK auf differenzierte Anwendungsgrenzen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Personen mit ausgeprägter Yin-Leere und innerer Hitze seien für Elektroakupunktur und Elektro-Wärme-Akupunktur nicht geeignet.

Die Forscher stufen das Verfahren als mögliche ergänzende Behandlungsoption für ältere Erwachsene mit Tinnitus ein. Der medizinische Bedarf ist erheblich: Nach Angaben des Forschungsteams haben weltweit rund 14,4% der Erwachsenen mindestens einmal im Leben mit Tinnitus zu tun. Für Hongkong beziffert die CUHK die Zahl der Betroffenen mit mittelschwerem bis schwerem Tinnitus auf etwa 200.000 Menschen.

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