El Niño 2026, Pazifiktemperaturen

El Niño: Pazifik erreicht Rekordtemperatur – stärkstes Ereignis seit 1950 möglich

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Meeresoberfläche in der Niño-3.4-Region hat erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen die Marke von 30 Grad überschritten. Die Weltwetterorganisation erwartet, dass sich das außergewöhnlich starke El-Niño-Ereignis bis Dezember weiter verstärkt und bis Februar 2027 anhält.

Wenn die Meere so warm sind wie derzeit, zieht das mit großer Wahrscheinlichkeit heftige Extremwetterereignisse nach sich. - Bild: Jens Büttner/dpa
Wenn die Meere so warm sind wie derzeit, zieht das mit großer Wahrscheinlichkeit heftige Extremwetterereignisse nach sich. - Bild: Jens Büttner/dpa

Die für das Wetterphänomen El Niño entscheidende Niño-3.4-Region im Pazifik ist so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

30 Grad im zentralen Pazifik

Nach Daten der Plattform Climate Reanalyzer der University of Maine lag die durchschnittliche Meeresoberflächen-Temperatur dort am 5. Oktober erstmals über 30 Grad. Sie übertraf damit den Durchschnitt des Referenzzeitraums von 1991 bis 2020 um 3,39 Grad.

Die Temperaturkurve stieg in den vergangenen Wochen nahezu kontinuierlich und lag deutlich über den Werten der Vorjahre. Die Niño-3.4-Region umfasst einen Bereich im zentralen und östlichen Pazifik und dient als wichtiger Index zur Messung von El Niño.

Außergewöhnlich starkes Ereignis

Der Klimaphysiker Helge Gößling vom Alfred-Wegener-Institut erklärte, eine solche Temperatur habe es seit Beginn der Messungen und wahrscheinlich auch weit davor nicht gegeben. Die starken El Niños von 1997 und 2015 seien zu dieser Jahreszeit in der Region mehr als ein Grad kühler gewesen.

Auch die durchschnittliche Meeresoberflächen-Temperatur der Ozeane zwischen dem 60. südlichen und dem 60. nördlichen Breitengrad lag zuletzt mit 21,08 Grad deutlich über den Vorjahreswerten. Die Polarregionen sind in dieser Berechnung nicht enthalten.

Höhepunkt im Dezember erwartet

Die Weltwetterorganisation geht davon aus, dass die Oberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik zwischen Oktober und Dezember weiter steigen. El Niño werde sich voraussichtlich bis Dezember verstärken und danach wahrscheinlich bis Februar 2027 anhalten.

Nach Einschätzung der WMO könnte das Ereignis damit zu den stärksten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950 zählen. WMO-Chefin Celeste Saulo erklärte, El Niño sei angekommen und gewinne rasch an Stärke.

Risiken für Landwirtschaft und Unwetter

Die WMO erwartet weltweit überdurchschnittliche Temperaturen und veränderte Niederschlagsmuster. In Indonesien, weiteren Teilen Südostasiens, im nördlichen Südamerika und im südlichen Afrika steigt demnach das Risiko ausgeprägter Trockenheit.

An der Westküste Südamerikas und in Teilen Ostafrikas können dagegen Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutsche wahrscheinlicher werden. Im östlichen und zentralen Pazifik nimmt zudem das Hurrikanrisiko zu.

Wärme aus dem Ozean

El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Es wird nicht durch den Klimawandel verursacht, kann dessen Folgen aber verschärfen, weil sich warme, feuchte Luft und globale Wind- und Luftströmungen verändern.

Nach Darstellung der WMO setzt El Niño Wärme frei, die der Ozean zuvor unter der Oberfläche gespeichert hat. Der bereits außergewöhnlich warme Ozean stelle deshalb besonders viel Energie für die Atmosphäre bereit.

Der AWI-Klimaphysiker Gößling hält es für möglich, dass 2027 den bisherigen globalen Jahresrekord übertrifft. Langfristig entscheidend für neue Hitzerekorde bleibe jedoch die menschengemachte Erwärmung.

Ein natürliches Phänomen auf höherem Grundniveau

El Niño entsteht durch Veränderungen im tropischen Pazifik und tritt typischerweise alle zwei bis sieben Jahre auf. Das aktuelle Ereignis wird nicht durch den Klimawandel verursacht; die menschengemachte Erwärmung hebt jedoch das Temperaturniveau an, auf dem sich die natürliche Schwankung abspielt. Dadurch kann dieselbe El-Niño-Ausprägung heute größere Auswirkungen auf globale Temperaturrekorde haben.

Für die Weltmitteltemperatur ist besonders relevant, dass El Niño Wärme aus tieferen Ozeanschichten an die Oberfläche transportiert. Nach starken Ereignissen folgten bereits mehrfach außergewöhnlich warme Jahre. Die in der Meldung genannte Aussicht auf einen möglichen neuen Jahresrekord 2027 betrifft deshalb nicht nur den Pazifik, sondern das globale Klimasystem.

Folgen für Wetter und Versorgung

Die regionalen Folgen unterscheiden sich stark: In Teilen Südostasiens, des nördlichen Südamerikas und im südlichen Afrika kann Trockenheit Ernten und Wasserreserven belasten. Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutsche drohen dagegen unter anderem an der Westküste Südamerikas und in Teilen Ostafrikas. Solche gleichzeitigen Schocks können Handelsströme, Lebensmittelpreise und humanitäre Hilfsbedarfe beeinflussen.

Für Deutschland liefert El Niño keine verlässliche Einzelprognose für den kommenden Winter. Klimatische Fernwirkungen können die Wahrscheinlichkeit bestimmter Zirkulationsmuster verändern, entscheiden aber nicht allein über Temperatur und Niederschlag vor Ort. Für Verbraucher bleiben daher vor allem die globalen Folgen für Ernährung, Preise und Lieferketten von Bedeutung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Berliner Zeitung: „Plus 3,9 Grad, Tendenz steigend: Am Donnerstag kommt die Rekord-Prognose für den Monster-El-Niño“ (06.10.2026)

Der Bericht hebe hervor, der Pazifik habe sich vor Ecuador und Peru weiter erwärmt und die US-Klimabehörde NOAA werde eine neue Prognose vorlegen. Anders als die dpa-Meldung richte der Artikel den Schwerpunkt auf den möglichen Einfluss auf Deutschland und betone, dass ein Rekordereignis erst anhand eines längerfristigen Dreimonatsindex feststehe.

Frankfurter Rundschau: „Super-El-Niño und Getreidekrise: Wadephul warnt vor Massenmigration durch Klimawandel“ (06.10.2026)

Der Artikel berichte, Außenminister Johann Wadephul ordne den Super-El-Niño als mögliches Sicherheitsrisiko ein und verknüpfe Klimarisiken mit Hunger, Konflikten und Migration. Er bestätige die erwartete außergewöhnliche Stärke und mögliche Dauer des Ereignisses, setze den Schwerpunkt jedoch auf politische und humanitäre Folgen statt auf Messwerte und Klimarekorde.

Beide Berichte stellten die außergewöhnliche Stärke und die möglichen weltweiten Auswirkungen heraus; während der erste Beitrag die Prognoseunsicherheit für Europa betone, rücke der zweite die sicherheitspolitische Bedeutung und die Folgen für besonders verletzliche Regionen in den Mittelpunkt.

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