Eisenmangel, Häufigste

Eisenmangel: Häufigste Ursache für niedrige Hämoglobin-Werte im Blut

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 15:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen beleuchten Eisenmangel bei verschiedenen Altersgruppen, diagnostische Grenzen und regionale Angebote zur Ferritinmessung.

Eisenmangel: Studien zeigen Risiken für Sportler und Kinder
Nahaufnahme menschlicher Fingernägel vor einem unscharfen, neutralen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Studienberichte weisen darauf hin, dass Eisenmangel die häufigste Ursache für zu niedrige Hämoglobin-Werte im Blut darstellt. Dieser Mangelzustand gewinnt in der medizinischen Forschung zunehmend an Bedeutung, da unzureichende Hämoglobin-Spiegel wiederum die Sterberate beeinflussen können.

Weltweit untersuchen Fachleute daher verstärkt, wie sich Defizite in der Eisenversorgung auf unterschiedliche Alters- und Bevölkerungsgruppen auswirken und welche diagnostischen Hürden bestehen.

Symptome und diagnostische Herausforderungen

Ein Mangel an Eisen kann bereits im Körper vorliegen, bevor sich eine voll ausgeprägte Anämie manifestiert und die Hämoglobin-Werte absinken. Zur frühzeitigen Abklärung sind daher Laborparameter wie Ferritin und gegebenenfalls die Transferrinsättigung heranzuziehen.

Typische Symptome eines Mangels umfassen Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Frieren, eine erhöhte Infektanfälligkeit, Leistungsabfall, Kopfschmerzen, Atemnot sowie Herzrasen. Zudem können schwere Beine unter anderem durch Eisenmangel hervorgerufen werden, wenngleich dafür auch Schilddrüsenunterfunktionen, Medikamente, ein Lipödem oder Thrombosen als Ursache infrage kommen.

Auch äußerliche Anzeichen stehen oft im Zusammenhang mit der Nährstoffversorgung. Dermatologen verweisen darauf, dass etwa 20 Prozent der Bevölkerung an brüchigen Nägeln leiden, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind.

Ein gesunder Nagel wächst rund 3 Millimeter pro Monat. Als Ursachen gelten unter anderem ein Mangel an Biotin, Eisen, Zink sowie den Vitaminen A, C und E; eine schwere Eisenmangelanämie kann sich zudem als sogenannte Koilonychie äußern.

Brüchige Nägel bieten zwar Hinweise auf Versorgungsdefizite bei Eisen, Zink, Selen, Biotin oder Eiweiß, stellen jedoch keinen eindeutigen Beweis dar. Auch Kälte, Pflegefehler, Reinigungsmittel, hormonelle Einflüsse oder Medikamente spielen eine Rolle, während Besserungen oft erst nach Wochen bis Monaten eintreten.

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Betroffene Gruppen im Leistungssport und in der Pädiatrie

Wie stark bestimmte Gruppen gefährdet sind, veranschaulichte eine Studie aus dem Jahr 2024 mit 1.190 Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern. Darin wiesen knapp 20 Prozent einen Eisenmangel auf. Das weibliche Geschlecht trug ein mehr als vierfach erhöhtes Risiko, zudem war der Eisenmangel direkt mit einer geringeren maximalen Sauerstoffaufnahme verbunden.

Im Bereich der frühkindlichen Entwicklung legte eine IDAI-Studie vom 6. Oktober 2026 Daten zu Säuglingen in Jakarta und Bekasi vor. Dort lag die Anämierate bereits ab einem Alter von vier Monaten bei 20 bis 30 Prozent und stieg bei neun bis zwölf Monate alten Kindern auf rund 40 Prozent an.

Ein Eisenmangel ohne Anämie betraf durchschnittlich 30 Prozent der Kinder, während eine manifeste Eisenmangelanämie bei 20 bis 25 Prozent festgestellt wurde. Bei neun Monaten kletterte dieser Anteil auf 30 bis 40 Prozent und erreichte mit zwölf Monaten etwa 40 Prozent.

Unter Schulkindern betrug die Anämierate 14 Prozent bei den Sechs- bis Zwölfjährigen, 13,1 Prozent bei den Sechs- bis 18-Jährigen und 10 Prozent in der Altersgruppe von zehn bis 21 Jahren. Ein Eisenmangel fand sich entsprechend bei 14,8 Prozent, 18,8 Prozent und 20 Prozent.

Als wesentliche Ursachen nannte die Organisation vor allem Armut und eine fehlende Zufuhr tierischer Proteine. Laut IDAI trägt Eisenmangel zu 30 bis 50 Prozent zur Gesamtanämie bei, während die WHO die Prävalenz der Eisenmangelanämie in Südasien mit 22,1 Prozent beziffert.

Ergänzend dazu untersuchte die Meiji-Studie, die am 10. Juli 2026 in der Fachzeitschrift BMC Pediatrics erschien, 12.714 japanische Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren.

Die nicht-invasiv per Rad-67 ermittelte mittlere SpHb-Konzentration lag bei 13,2 Gramm pro Deziliter, der Anämieverdacht bei 4,1 Prozent (Subgruppen 2,3 bis 6,6 Prozent). Dies lag etwa 1,3- bis 2-fach höher als Vergleichswerte aus den USA mit 3,2 Prozent und Australien mit 2,0 Prozent.

Bei 2.500 Kindern im Alter von 12 bis 23 Monaten zeigte sich eine signifikante positive Korrelation zwischen der täglichen Folgemilch-Aufnahme und dem SpHb-Wert (p=0,02, Bestimmtheitsmaß 0,012). Die Untersuchung basierte auf einem Gesamtdatensatz von 13.642 Kindern aus dem Zeitraum von November 2022 bis August 2024.

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Debatten in der Praxis und regionale Initiativen

Die zunehmende Sensibilisierung schlägt sich auch in Arztpraxen nieder. In der niederländischen Region Utrecht berichten Hausärztinnen über einen deutlichen Anstieg von Patientinnen, die ihren Ferritinwert bestimmen lassen möchten. Während eine Hausärztin vor zehn Jahren noch etwa einen solchen Fall pro Jahr verzeichnete, treten entsprechende Anfragen heute täglich auf.

Gleichzeitig herrscht unter Internisten und Medizinern Uneinigkeit, da die wissenschaftliche Datenlage zum Zusammenhang zwischen Ferritin und unspezifischer Müdigkeit als dünn gilt und unklar bleibt, welche Schwellenwerte die Erschöpfung erklären.

Das NHG überarbeitet derzeit seinen Standard zu Blutarmut inklusive Hb- und Ferritinwerten, wobei die Fertigstellung für Mitte 2028 erwartet wird. Landesweite Auswertungen durch das Institut Nivel liegen noch nicht vor.

Um Defizite früher sichtbar zu machen, starten auch regionale Vorsorgeprojekte. In Österreich führt das Gesundheitsnetz Goldenes Kreuz vom 19. bis zum 24. Oktober 2026 eine Aktionswoche durch, in deren Rahmen kostenlose Ferritintests in 36 Partnerapotheken angeboten werden.

Mehr zum Thema bei FOCUS online: „Zu niedrige Hämoglobin-Werte verkürzen das Leben“

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