Eisenmangel, ASH

Eisenmangel: ASH hebt Ferritin-Grenzwert für Erwachsene auf 30 ng/ ml an

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 15:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die American Society of Hematology hebt diagnostische Ferritin-Schwellen an, um Eisenmangel früher zu erkennen und zu behandeln.
Ein steriler, heller Laborarbeitsplatz mit medizinischen Teströhrchen und einer Zentrifuge in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Diagnostik von Eisenmangel steht vor einer grundlegenden Neuausrichtung. Die American Society of Hematology hat aktualisierte Leitlinien vorgelegt, die deutliche Anhebungen bei den Serum-Ferritin-Schwellenwerten vorsehen.

Ziel der in der Fachzeitschrift Blood Advances veröffentlichten Empfehlungen ist es, Mangelzustände künftig früher zu erkennen und rechtzeitig zu therapieren. Bislang blieben viele Betroffene unentdeckt, da herkömmliche Richtwerte zu niedrig angesetzt waren.

Angehobene Schwellenwerte für Ferritin

Im Zentrum der Neuausrichtung steht eine spürbare Heraufsetzung der diagnostischen Grenzwerte. Für Kinder im Alter von 9 Monaten bis 4 Jahre empfiehlt die American Society of Hematology nun einen Schwellenwert von höchstens 20 ng/ml, nachdem dieser zuvor bei höchstens 12 ng/ml lag. Bei Erwachsenen sowie menstruierenden oder schwangeren Personen wurde der Grenzwert von bisher höchstens 15 ng/ml auf höchstens 30 ng/ml angehoben.

Für Hochrisikogruppen, zu denen Personen mit starker Menstruationsblutung sowie Schwangere mit Anämie zählen, wird der Schwellenwert auf höchstens 50 ng/ml festgelegt.

Bei erwachsenen Patienten mit entzündlichen Begleiterkrankungen wie Krebs, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Infektionskrankheiten gilt ein Eisenmangel künftig ab einem Serumferritinwert von unter 100 ng/ml oder einer Transferrinsättigung von unter 20 Prozent. Die Leitlinienvorsitzende Jacquelyn M. Powers betonte, dass diese höheren Schwellenwerte eine klare Orientierung in der klinischen Praxis böten.

Ausmaß von Unterdiagnostik und Testgrenzen

Weltweit sind schätzungsweise 2 Milliarden Menschen und in den USA rund 10 Millionen Erwachsene von Eisenmangel betroffen. Eine Studie von Tawfik ergab zudem, dass 14 Prozent der US-Erwachsenen an absolutem und weitere 15 Prozent an funktionellem Eisenmangel leiden.

Nach Einschätzung der Fachgesellschaft bleiben in Hochrisikogruppen bis zu 70 Prozent der Fälle unentdeckt. ASH-Präsident Robert S. Negrin verwies darauf, dass Betroffene oft monate- bis jahrelang unter Symptomen litten, bevor die Diagnose gestellt werde.

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Co-Autorin Angela C. Weyand von der University of Michigan hob hervor, dass Eisenmangel chronisch unterdiagnostiziert und unterbehandelt sei. Ein einfaches Blutbild verfehle laut Untersuchungen mehr als 80 Prozent der Fälle.

Auch Dr. Stephen Cozzentino von Empire Medical Training wies darauf hin, dass äußere Symptome wie Blässe oder dunkle Augenringe keine verlässlichen Indikatoren darstellten, weshalb labordiagnostische Werte entscheidend seien.

Pierre Brissot von der Université de Rennes und der Académie nationale de médecine unterstrich, dass eine isolierte chronische Asthenie sowohl auf Eisenmangel als auch auf Eisenüberladung zurückgehen könne. Zur Vermeidung von Diagnoseverzögerungen sei eine klinische Untersuchung in Kombination mit der Trias aus Blutbild, Serumferritin und Transferrinsättigung unerlässlich.

Ursachen, Risikofaktoren und Behandlungsdauer

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Zu den primären Ursachen für einen Mangel gehören Blutverluste durch die Menstruation, Magen-Darm-Erkrankungen wie Zöliakie sowie intensive sportliche Betätigung.

Der Internist Alexander Rennings vom Radboudumc erklärte, dass bei einem Menstruationsblutverlust von etwa 60 ml grob 25 mg Eisen verloren gingen, während über die normale Ernährung täglich nur rund 1 bis 2 mg Eisen aufgenommen werden könnten. Die Internistin Hilde Roijen bezifferte den Anteil menstruierender Frauen mit Eisenmangel auf 30 Prozent.

Die Internistin Hilde Roijen-Weghorst merkte an, dass die niederländische NHG-Untergrenze von 15 zu niedrig sei, mindestens 30 und bei starken Blutungen mindestens 50 betragen sollte, da bei einem Wert von 30 bereits keine Eisenspeicher mehr vorhanden seien.

Rennings hob zudem hervor, dass Therapien häufig vorzeitig beendet würden, sobald der Hämoglobinwert wieder im Normbereich liege, obwohl das Ferritin weiterhin niedrig bleibe.

Unbehandelte Anämien bergen Risiken; so erhöht sich in der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit für Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht. Als weitere Risikogruppen gelten Vegetarier, ältere Menschen und Ausdauersportler. Fachbeiträge empfehlen eine tägliche Zufuhr von 16 mg Eisen für menstruierende Frauen und 11 mg für Männer.

Da Polyphenole in Kaffee und Tee – nicht das Koffein – Nicht-Häm-Eisen binden, wird ein zeitlicher Abstand von etwa 1 bis 2 Stunden zwischen Mahlzeiten oder Eisenpräparaten und dem Kaffeekonsum empfohlen; Vitamin C könne die Resorption hingegen fördern.

In den Niederlanden wird eine formelle Erhöhung der Grenzwerte geprüft, ein offizielles Ergebnis wird jedoch erst für 2028 erwartet, wenngleich einzelne Kliniken die Untergrenze von 30 ng/ml bereits anwenden.

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