Dinosaurier, Paläontologie

Einzigartige T.-rex-Spurfolge in Hell-Creek-Formation entdeckt

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 13:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

In der Hell-Creek-Formation im heutigen Nordamerika haben Forschende eine einzigartige Spurfolge eines ausgewachsenen Tyrannosaurus rex beschrieben. Die vier versteinerten Abdrücke liefern seltene Einblicke in Größe, Gangart und Geschwindigkeit des Raubsauriers.

  • Fast einen Meter lang ist jeder der Fußabdrücke gewesen. (Handout) - Bild: Kent Hups/Denver Museum of Nature and Science/dpa
    Fast einen Meter lang ist jeder der Fußabdrücke gewesen. (Handout) - Bild: Kent Hups/Denver Museum of Nature and Science/dpa
  • Forscher haben ihre Ergebnisse nun veröffentlicht. (Handout) - Bild: Natalie Toth/Denver Museum of Nature and Science/dpa
    Forscher haben ihre Ergebnisse nun veröffentlicht. (Handout) - Bild: Natalie Toth/Denver Museum of Nature and Science/dpa
Fast einen Meter lang ist jeder der Fußabdrücke gewesen. (Handout) - Bild: Kent Hups/Denver Museum of Nature and Science/dpa Forscher haben ihre Ergebnisse nun veröffentlicht. (Handout) - Bild: Natalie Toth/Denver Museum of Nature and Science/dpa

In der Hell-Creek-Formation nahe der Ortschaft Marmarth im heutigen Nordamerika haben Forschende eine rund 66,5 Millionen Jahre alte Spurfolge eines ausgewachsenen Tyrannosaurus rex beschrieben.

Einzigartige Spurfolge eines ausgewachsenen T. rex

Die im Fachmagazin "Journal of Vertebrate Paleontology" vorgestellten Fußabdrücke sind nach den Analysen des Teams fast einen Meter lang und zwischen 60 und 80 Zentimeter breit. Insgesamt vier Abdrücke – zwei linke und zwei rechte – reihen sich in der Gesteinsschicht aneinander und bilden damit nach Angaben der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die erste bekannte Abfolge mehrerer Schrittspuren eines erwachsenen T. rex.

Die Abdrücke zeigen die jeweils drei Zehen an den Hinterfüßen des Raubsauriers und sind stark verwittert, aber noch deutlich erkennbar. Aus Größe und Abstand der Spuren errechnete das Team eine Hüfthöhe des Tieres von etwa vier Metern und schätzt, dass der Dinosaurier mit 5 bis 7 Kilometern pro Stunde unterwegs war – vergleichbar mit einem flotten menschlichen Gehtempo.

Spur als Momentaufnahme des Verhaltens

Mitautor Tyler Lyson vom Denver Museum of Nature & Science betonte, Knochen lieferten zwar sehr viele Informationen über die Tiere, doch Fußabdrücke hielten einen Moment ihres Verhaltens fest. Die Spurfolge macht damit nachvollziehbar, wie sich der T. rex durch seine damalige Umgebung bewegte und ergänzt die bisherigen Erkenntnisse aus Knochenfunden um konkrete Hinweise zur Fortbewegung.

Dass die Spuren höchstwahrscheinlich einem ausgewachsenen T. rex zuzuordnen sind, führen die Forschenden neben der Größe und Form der Abdrücke auch auf die Fundlage zurück: In der Region der Hell-Creek-Formation wurden bereits zahlreiche Knochen und vollständige Skelette dieser Art entdeckt. Andere große Dinosaurier wie etwa Hadrosaurier hinterließen zwar ebenfalls große, dreizehige Fußabdrücke, deren Zehen seien jedoch deutlich breiter gewesen als bei dem nun beschriebenen Fund.

Komplexer Entstehungsprozess sichert Erhaltung

Ermöglicht wurde die außergewöhnlich gute Erhaltung der Spuren durch einen speziellen geologischen Prozess. Der Tyrannosaurus lief demnach über einen damals weichen Untergrund und hinterließ Vertiefungen, die sich später mit sandigem Material füllten. Kalkhaltiges Grundwasser verfestigte über lange Zeit den Inhalt der Abdrücke sowie deren Ränder.

Im Zuge nachfolgender Verwitterung und Erosion wurde das umgebende, weichere Gestein abgetragen, während die verfestigten Spuren erhalten blieben und schließlich freigelegt wurden. So wurden die fossilen Abdrücke des Raubsauriers in der Landschaft sichtbar und konnten nun wissenschaftlich beschrieben werden.

Seltene Momentaufnahme aus der Zeit der Dinosaurier

Die nun beschriebenen Abdrücke eines Tyrannosaurus rex liefern eine seltene Momentaufnahme aus der Endphase der Kreidezeit, kurz vor dem Massenaussterben vor rund 66 Millionen Jahren. Die Hell-Creek-Formation im Grenzgebiet der heutigen US-Bundesstaaten North Dakota, South Dakota, Montana und Wyoming gilt seit Langem als eines der wichtigsten Fossilgebiete für T. rex und andere Dinosaurier. Funde aus dieser Schichtenfolge haben wesentlich dazu beigetragen, Größe, Körperbau und Lebensweise des Raubsauriers zu rekonstruieren.

Dass es sich bei den Spuren um die erste bekannte Abfolge mehrerer Schrittspuren eines ausgewachsenen T. rex handelt, erhöht ihren wissenschaftlichen Wert deutlich. Während einzelne Fußabdrücke bereits Hinweise auf Präsenz und Größe eines Tieres liefern, erlauben aufeinanderfolgende Spuren Rückschlüsse auf Gangart, Geschwindigkeit und Körperhaltung. Die errechnete Hüfthöhe von etwa vier Metern bestätigt die bislang angenommene Dimension erwachsener T.-rex-Individuen und verankert sie zusätzlich in einem konkreten Bewegungsablauf.

Neue Daten für die Debatte um Fortbewegung und Verhalten

Die aus den Abständen der Schritte abgeleitete Geschwindigkeit von rund 5 bis 7 Kilometern pro Stunde ordnet den Lauf des T. rex als zügiges Gehen ein. Für die Forschung zur Fortbewegung des Raubsauriers ist dies bedeutsam, weil seit Jahren diskutiert wird, wie schnell und agil der große Fleischfresser tatsächlich unterwegs war. Belastbare Spurendaten liefern hier eine Ergänzung zu anatomischen Modellen und Computersimulationen, die auf Knochen und Gelenken basieren.

Zugleich verweist der Fund auf die besondere Rolle von Spurenfossilien für das Verständnis urzeitlicher Ökosysteme. Sie dokumentieren Verhalten und Interaktion im Moment des Geschehens – etwa Wege durch eine Landschaft oder typische Bewegungsabläufe – und ergänzen damit die Informationen, die aus isolierten Skeletten gewonnen werden. Für Leserinnen und Leser macht der Fund anschaulich, wie nahe wissenschaftliche Rekonstruktionen der Lebenswelt der Dinosaurier der Realität kommen können, wenn solche Momentaufnahmen mit anatomischen Daten zusammengeführt werden.

Geologischer Zufall als Voraussetzung für den Fund

Der Beschreibungsprozess der Spurfolge zeigt zudem, wie stark spektakuläre Fossilfunde von spezifischen geologischen Bedingungen abhängen. Nur durch das Zusammenspiel von weichem Untergrund, nachträglicher Auffüllung mit sandigem Material, Verfestigung durch kalkhaltiges Grundwasser und späterer Erosion konnten die Abdrücke über mehr als 66 Millionen Jahre erhalten bleiben. Ähnliche Situationen dürften sich auch an anderen Orten ereignet haben, ohne dass dort Spuren bis heute überdauerten. Dies unterstreicht, dass jedes erhaltene Beispiel ein Zufallsfenster in eine ansonsten verlorene Vergangenheit darstellt.

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