Einsamkeit, Isolation

Einsamkeit und Isolation: Studie verbindet beides mit sechs verlorenen Lebensjahren

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 18:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Langzeitbeobachtung verbindet Einsamkeit und soziale Isolation mit weniger gesunden Lebensjahren; ein gesunder Lebensstil mildert Isolation teilweise.

Studie: Einsamkeit und Isolation verkürzen gesunde Lebenszeit
Ein einsamer, leerer Parkbank-Sitz auf einem herbstlichen Weg im Nebel, der die Stimmung von Einsamkeit und Isolation symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Eine im September 2026 in Nature Communications veröffentlichte Studie von Forschenden der Tulane University und der Fudan University liefert neue Anhaltspunkte dafür, wie stark sich Einsamkeit und soziale Isolation auf die Gesundheit im Lauf des Lebens auswirken.

Die Untersuchung, an der 277.489 Teilnehmende im Alter von 40 bis 69 Jahren mitwirkten, kommt zu dem Schluss, dass betroffene Menschen im Schnitt sechs gesunde Lebensjahre verlieren. Alle Teilnehmenden waren zu Beginn der Beobachtung frei von Diabetes, Herzkrankheiten, Lungenkrankheiten, Demenz, Krebs, Depression und Angststörungen.

Zahlreiche neue Krankheits- und Todesfälle im Beobachtungszeitraum

Über den durchschnittlichen Beobachtungszeitraum von 13,8 Jahren registrierten die Forschenden 78.829 neue Krankheitsfälle und 16.356 Todesfälle. Diese Größenordnung verdeutlicht, wie relevant die untersuchten Zusammenhänge für die öffentliche Gesundheit sein könnten, auch wenn die Studie als Beobachtungsstudie angelegt war und damit lediglich Zusammenhänge, keine kausalen Wirkungen belegt.

Zudem wurden die relevanten Faktoren wie Einsamkeit, soziale Isolation und Lebensstil nur zu Studienbeginn erfasst, spätere Veränderungen im Leben der Teilnehmenden blieben unberücksichtigt.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die Auswertung zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer, die von Einsamkeit und sozialer Isolation betroffen waren, verloren im Schnitt 2,4 gesunde Jahre ohne körperliche Erkrankungen und 5,8 Jahre ohne psychische Leiden.

Bei Frauen fielen die Effekte mit 1,7 beziehungsweise 3,7 Jahren geringer aus. Auffällig ist dabei, dass die Effekte bei psychischen Erkrankungen wie Depression und Angststörungen in beiden Gruppen deutlich stärker ausgeprägt waren als bei körperlichen Leiden.

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Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass Einsamkeit und soziale Isolation unterschiedliche Konzepte darstellen: Während Einsamkeit das subjektive Gefühl des Alleinseins beschreibt, bezeichnet soziale Isolation den objektiven Mangel an sozialen Kontakten.

Gesunder Lebensstil kann nur teilweise gegensteuern

Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, ausgewogener Ernährung, gutem Schlaf und Verzicht auf das Rauchen kann die gesundheitlichen Folgen sozialer Isolation den Ergebnissen zufolge teilweise ausgleichen.

Gegen die Auswirkungen von Einsamkeit selbst zeigte ein gesunder Lebensstil hingegen keine vergleichbare Schutzwirkung. Diese Differenzierung dürfte für Präventionsstrategien von Bedeutung sein, da sie darauf hindeutet, dass rein körperliche Gesundheitsmaßnahmen das subjektive Erleben von Einsamkeit nicht kompensieren können.

Der Hauptautor der Studie, Lu Qi, wies darauf hin, dass Isolation und Einsamkeit die krankheitsfreie Lebenserwartung erheblich beeinflussen können. Die Publikation erfolgte in Nature Communications über die Celia Scott Weatherhead School of Public and Tropical Medicine der Tulane University, in Zusammenarbeit mit Xuan Wang von der Fudan University in China.

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Einordnung: Einsamkeit als gesellschaftliches Thema

Die Ergebnisse fügen sich in eine Reihe von Erhebungen ein, die das Ausmaß von Einsamkeit in westlichen Gesellschaften dokumentieren. So verzeichnete das Einsamkeitsbarometer für Deutschland im Jahr 2021 je nach Altersgruppe zwischen 9,8 und 14,1 Prozent Betroffene, wobei die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen am stärksten belastet war.

Diese Zahlen zeigen, dass das Phänomen keineswegs auf ältere Menschen beschränkt ist, auch wenn die gesundheitlichen Langzeitfolgen besonders bei mittelalten und älteren Erwachsenen ins Gewicht fallen dürften.

Angesichts der methodischen Grenzen der Studie – insbesondere der einmaligen Erfassung der Ausgangsbedingungen – lassen sich keine kausalen Schlüsse ziehen. Die Größenordnung der beobachteten Effekte legt jedoch nahe, dass soziale Bindungen als Gesundheitsfaktor stärker in den Blick genommen werden sollten.

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