Einsamkeit, Psychische

Einsamkeit: Psychische Erkrankungen verdrängen Atemwegsinfekte

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 04:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychische Leiden verdrängen Atemwegsinfekte als häufigsten Krankschreibungsgrund. Einsamkeit gilt als Risikofaktor vergleichbar mit Rauchen.

Einsamkeit als Gesundheitsrisiko: Psychische Erkrankungen auf Rekordhoch
Eine nachdenkliche junge Person sitzt in einem modernen Büro allein an einem Fenster. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Einsamkeit ist längst mehr als nur ein subjektives Gefühl – sie wird zur ernsthaften Belastung für Gesundheit und Arbeitswelt. Ein aktueller Bericht der DAK zeigt: Psychische Erkrankungen haben erstmals Atemwegsinfekte als häufigsten Grund für Krankschreibungen abgelöst. Die Fehlzeiten stiegen um 9 Prozent, während Ausfälle durch Atemwegserkrankungen um 21 Prozent sanken. Der Krankenstand lag im ersten Halbjahr 2026 bei 5,3 Prozent – das sind durchschnittlich 9,6 Fehltage pro versicherter Person.

Junge Erwachsene besonders betroffen

Entgegen der Annahme, Einsamkeit sei vor allem ein Problem des Alters, zeigt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB): 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen fühlen sich stark einsam. Bei den 31- bis 54-Jährigen sind es nur 14 Prozent. Die Forscher führen das auf die vulnerable Lebensphase junger Erwachsener zurück – geprägt von Umbrüchen und einer Digitalisierung, die echte Nähe oft nicht ersetzen kann.

83 Prozent der Befragten gaben im Juni 2026 an: Kommunikation über Messenger oder soziale Medien kann physische Nähe nicht ersetzen. Eine Umfrage Mitte Juni zeigt zudem: Rund 70 Prozent der Menschen fühlten sich im vergangenen Jahr zumindest selten einsam. 13 Prozent berichten von mehrmaligen Einsamkeitsgefühlen pro Woche. Mehr als die Hälfte sieht Einsamkeit als direkte Belastung für ihre psychische oder körperliche Gesundheit.

Einsamkeit schadet dem Körper massiv

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Die klinische Forschung ordnet Einsamkeit inzwischen als Risiko ein – vergleichbar mit Fettleibigkeit oder Rauchen. Meta-Analysen aus den Jahren 2015 und 2017 zeigen: Soziale Isolation erhöht das Sterberisiko um 29 Prozent, Einsamkeit um 26 Prozent. Starke soziale Verbindungen steigern die Überlebenswahrscheinlichkeit dagegen um etwa 50 Prozent.

Chronische Einsamkeit führt zu dauerhaft erhöhtem Cortisolspiegel. Das schädigt das Herz-Kreislauf-System und schwächt die Immunabwehr. Eine Studie aus dem Jahr 2020 bringt soziale Isolation zudem mit einem 26 Prozent höheren Risiko für Demenzerkrankungen in Verbindung. Auch Angststörungen, Depressionen und Typ-2-Diabetes treten häufiger auf.

Was gegen Einsamkeit hilft

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21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen fühlen sich stark einsam – Tendenz steigend. Dabei senken bereits ein oder zwei enge Beziehungen das Risiko effektiver als viele oberflächliche Kontakte. Erfahren Sie, wie Sie echte Nähe aufbauen und von den positiven Effekten sozialer Verbindungen profitieren. Praxis-Tipps für mehr Nähe sichern

Die Bundesregierung beschloss bereits 2023 eine Strategie gegen Einsamkeit. Regionale Initiativen setzen das nun um. In Bochum unterzeichneten am 9. Juli 30 Institutionen eine Selbstverpflichtung – die „Bochumer Verabredung“. Der Kreis Ostholstein trat im Juni der „Allianz gegen Einsamkeit“ bei und setzt auf mobile Beratungsbusse und offene Treffpunkte auf dem Land.

Auch kirchliche Angebote wie Pfarrcafés und Besuchsdienste sollen soziale Interaktion fördern. Fachleute betonen: Bereits ein oder zwei enge Beziehungen senken das Einsamkeitsrisiko effektiver als viele oberflächliche Kontakte. Und: Geteilte Aktivitäten in Gruppen helfen mehr als reine Einzelberatung.

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