Einsamkeit, Erwachsene

Einsamkeit: Jeder dritte Erwachsene leidet regelmäßig darunter

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 17:32 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt: Männer haben ähnlich viele Freunde wie Frauen, aber die Bindungen sind emotional flacher. Dies erhöht das Risiko für Einsamkeit und gesundheitliche Folgen.

Männerfreundschaften: Emotionale Distanz trotz vieler Kontakte
Zwei Männer sitzen auf einer Parkbank, schauen in verschiedene Richtungen, symbolisieren emotionale Distanz und Einsamkeit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das macht sie besonders anfällig für Einsamkeit.

Untersuchungen der Universität Wien zeigen: Männer gehen seltener enge, emotional stützende Bindungen ein. Eine Studie vom Januar 2025 belegte, dass die Anzahl der Freundschaften zwischen den Geschlechtern weitgehend identisch ist. Die Psychologin Iris Wahring beschreibt eine Diskrepanz zwischen sozialen Kontakten und gefühlter Verbundenheit.

Aktivitäten statt Emotionen

Männerfreundschaften basieren häufig auf gemeinsamen Aktivitäten, nicht auf Austausch über Gefühle. Traditionelle Rollenbilder erschweren laut Wahring weiterhin die emotionale Offenheit. Viele Männer fühlen sich einsam, obwohl sie in ein soziales Umfeld eingebettet sind. Dieser Zustand der funktionalen, aber emotional distanzierten Freundschaft gilt als wesentlicher Faktor für Einsamkeit.

Die Folgen sind gravierend. Daten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (2005 bis 2022) zeigen: Jeder dritte Erwachsene zwischen 18 und 53 Jahren in Deutschland leidet zeitweise unter Einsamkeit. Sozial benachteiligte Gruppen sind überproportional betroffen.

Einsamkeit macht krank

Chronische Einsamkeit begünstigt Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie korreliert mit geringerer Lebenserwartung und erhöhtem Risiko für einen frühen Tod. Studien aus dem Jahr 2023 legen nahe: Anhaltende soziale Isolation kann auch die Anfälligkeit für politische Radikalisierung erhöhen.

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Neue Bündnisse gegen die Einsamkeit

Am 9. Juli 2026 unterzeichneten rund 30 Institutionen, darunter die Ruhr-Universität Bochum, die sogenannte Bochumer Verabredung. Ziel der Initiative des Vereins Vereint Bochum e.V. ist es, Einsamkeit als gesamtgesellschaftliches Thema zu adressieren. Die Einsamkeitsforscherin Maike Luhmann betont: Einsamkeit sei kein individuelles Versagen.

Praktische Ansätze gibt es auch regional. In Thüringen läuft seit 2020 das Programm AGATHE mit einem Budget von 3,8 Millionen Euro für einsame ältere Menschen – bereits in 14 von 22 Landkreisen etabliert. In der Steiermark starteten die Stadt Graz und die Caritas Mitte Juli das Pilotprojekt „Plauderbankerl“. Bänke im öffentlichen Raum sollen dort niederschwellige Gespräche ermöglichen.

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Immer mehr Betroffene suchen technologische Lösungen. KI-Chatbots wie Replika verzeichnen rund 42 Millionen Nutzer – viele nutzen sie als Ersatz für zwischenmenschliche Beziehungen. Psychologin Jessica Szczuka von der Universität Duisburg-Essen beobachtet: Die für eine künstliche Intelligenz empfundenen Gefühle können durchaus real sein. Forscher der TU Berlin stellen fest, dass Nutzer die Bots oft wie menschliche Partner behandeln. Sie mahnen jedoch vor Abhängigkeiten von Technologiekonzernen und fordern politische Regulierung.

Ein weiteres Problem männlicher Sozialisation zeigt sich in Statistiken der DLRG vom Juni 2026: Über 80 Prozent der Opfer von Badeunfällen sind männlich. Psychologen führen das auf Selbstüberschätzung und Risikobereitschaft zurück – Verhaltensmuster, die auch die Suche nach Hilfe bei psychischen Belastungen erschweren.

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