Einsamkeit, Städten

Einsamkeit in Städten: Delphi-Studie nennt Begegnungsräume als größten Hebel

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei Liegen im BernePark bieten Audioübungen; weitere Ruhepunkte und Begegnungsräume ergänzen das regionale Gesundheitsvorhaben.

Emschergenossenschaft und KNAPPSCHAFT schaffen Ruheorte in Bottrop
Eine ergonomisch geformte Holzliege auf einer grünen Wiese am Ufer eines ruhig fließenden Flusses bei Sonnenuntergang. Illustration mit AI erstellt.

Die Integration von Ruhe- und Reflexionsräumen in das urbane Umfeld gewinnt im Rahmen der Gesundheitsvorsorge zunehmend an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist die Zusammenarbeit der Emschergenossenschaft mit der KNAPPSCHAFT.

Im Rahmen der Kooperation „Gesund an der Emscher!“ wurden im Bottroper BernePark zwei sogenannte Chillingpoints installiert. Dabei handelt es sich um eine Herzliege und eine Himmelsliege, die speziell darauf ausgelegt sind, Passanten Momente der Entspannung im öffentlichen Raum zu ermöglichen.

Digitale Unterstützung für mentale Gesundheit

Das Konzept der Chillingpoints beschränkt sich nicht nur auf die physische Bereitstellung von Sitzgelegenheiten. Einem Bericht vom September 2026 zufolge sind an den Liegen QR-Codes angebracht, die den Zugang zu digitalen Inhalten ermöglichen. Nutzer können darüber rund dreiminütige Audio-Achtsamkeitsübungen abrufen, die sie bei der Entspannung vor Ort anleiten sollen.

Dieses Angebot ist Teil eines überregionalen Vorhabens. Neben dem Standort in Bottrop wurden weitere Chillingpoints an markanten Punkten der Region realisiert.

Dazu gehören der Emscherquellhof in Holzwickede, der Hof Emscher-Auen an der Stadtgrenze zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel sowie das Areal Emscherland zwischen Castrop-Rauxel und Recklinghausen. Ziel der Initiative ist es, gesundheitsfördernde Strukturen direkt in die Lebensumwelt der Menschen zu integrieren.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema Stressprävention befasst, erkennt schnell, wie wichtig das gezielte Herunterfahren des Nervensystems ist. Ein kostenloser Report enthüllt, wie Sie Ihren körpereigenen „Gesundheitsschalter“ ganz einfach selbst aktivieren können. Vagus-Therapie Report und Trainingsvideo kostenlos anfordern

Psychologische Grundlagen der Erholung

Die Relevanz solcher Angebote lässt sich durch aktuelle Erkenntnisse aus der Arbeits- und Organisationspsychologie untermauern. Wie Fachleute unter Verweis auf das sogenannte DRAMMA-Modell erläutern, stützt sich eine wirksame Erholung in der Freizeit auf sechs zentrale Faktoren: Abschalten, Entspannen, Selbstbestimmung, Kompetenzerleben, Sinn und soziale Verbundenheit. Initiativen wie die Chillingpoints adressieren insbesondere die Aspekte des Abschaltens und Entspannens.

Analysen verdeutlichen zudem, dass Erholungseffekte gemindert werden, wenn die Gedanken während der Freizeitaktivitäten weiter bei der beruflichen Belastung verweilen.

Methoden zur Förderung der Achtsamkeit, wie sie etwa bei der Zentangle-Technik durch das konzentrierte Zeichnen einfacher Formen angewandt werden, zielen darauf ab, innere Ruhe und Konzentration zu stärken. Die an den Emscher-Standorten angebotenen Audio-Übungen verfolgen einen ähnlichen Ansatz, um die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment zu lenken.

Anzeige

Dauerstress und Erschöpfung sind oft Anzeichen dafür, dass das Nervensystem aus dem Gleichgewicht geraten ist. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, wie Sie mit nur wenigen Minuten täglicher Übung Ihre Selbstheilungskräfte fördern und die Lebensqualität steigern. Kostenlosen Ratgeber zur Vagusnerv-Aktivierung herunterladen

Kommunale Hebel gegen Einsamkeit und Stress

Die Bedeutung solcher niederschwelligen Angebote im öffentlichen Raum wird auch durch wissenschaftliche Erhebungen gestützt. Eine im September 2026 veröffentlichte Delphi-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Marlen Niederberger von der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd identifizierte Begegnungsräume als den wichtigsten kommunalen Hebel gegen Einsamkeit.

In einem zugehörigen Policy Brief werden 25 Handlungsfelder benannt, wobei informelle und kostenfreie Orte ohne Konsumzwang priorisiert werden. Dazu zählen ausdrücklich auch Sitzbereiche und öffentliche Plätze, die als soziale Ankerpunkte fungieren können.

Die Umsetzung solcher Konzepte, wie sie die Emschergenossenschaft und die KNAPPSCHAFT verfolgen, erfordert laut Expertenberichten jedoch oft eine langfristige Finanzierung sowie eine professionelle Koordination auf hauptamtlicher Ebene, um eine dauerhafte Wirksamkeit im öffentlichen Raum zu gewährleisten.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70183222 |