Einsamkeit, Person

Einsamkeit im Alter: Jede dritte Person über 85 Jahren betroffen

22.06.2026 - 06:31:27 | boerse-global.de

KI-Chatbots wie ChatGPT werden zunehmend als Überbrückung zu Therapieplätzen genutzt. Experten sehen Potenzial bei leichten Fällen, warnen aber vor Datenschutz- und Diagnoserisiken.

KI-Chatbots als Therapiehelfer: Chancen und Risiken
Einsamkeit - Hände berühren eine leuchtende, abstrakte digitale Schnittstelle, die KI-Unterstützung bei psychischen Problemen symbolisiert. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr Menschen weichen deshalb auf KI-Chatbots wie Gemini, Claude oder ChatGPT aus – besonders bei psychischen Belastungen. Die ständige Verfügbarkeit und die vermeintliche Vorurteilsfreiheit der Algorithmen machen sie attraktiv.

Digitale Helfer gegen die Versorgungskrise

Christiane Eichenberg von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien sieht Potenzial: Speziell evaluierte digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) seien wissenschaftlich fundiert. Nach vier bis acht Wochen Nutzung zeigten sich Effekte, die mit klassischer Psychotherapie vergleichbar sind. Kevin Hilbert von der HMU Erfurt ergänzt: Bei Ängsten, Stress und beginnenden Depressionen liefern erste Forschungsergebnisse positive Resultate. Bei leichten Belastungen sind diese Anwendungen wirksamer als gar kein Behandlungsangebot.

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Besonders jüngere Menschen nutzen die KI-Chatbots. Die Hemmschwelle sinkt, weil Algorithmen als vorurteilsfrei wahrgenommen werden – das erleichtert vielen die Selbstöffnung.

„Elderbot" und „Willi“ gegen Einsamkeit im Alter

Ein weiteres zentrales Anwendungsfeld: die Gerontopsychologie. Laut Schweizer Altersmonitor leidet jede vierte Person über 55 Jahren an Einsamkeit, bei den über 85-Jährigen ist es bereits jede dritte. Das erhöht das Risiko für Depressionen, Demenz und Bluthochdruck.

Das UKE Hamburg entwickelte den „Elderbot“ – einen KI-Gesprächspartner für ältere Menschen. In Berlin testet ein Seniorenheim den sozialen Roboter „Willi", angeschafft für rund 28.000 Euro. Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover beobachtete bei Demenzkranken nach sechswöchiger Interaktion mit solchen Systemen gesteigerte Aufmerksamkeit und kognitive Aktivität. Claude Toussaint, Gründer von Navel Robotics, beziffert die Zahl der im Einsatz befindlichen Roboter auf etwa 70 – zwei Drittel davon in der Pflege.

Forschung und Förderung: KI in der Chirurgie

Die Wissenschaft institutionalisiert das Thema zunehmend. In Dresden forscht das Else Kröner Fresenius Zentrum seit 2019 an digitaler Gesundheit. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, betont: KI prägt die Medizin bereits in Onkologie und Psychiatrie. Seit 2022 gibt es eine Professur für Medical Device Regulatory Science – bundesweit einzigartig.

Im Juni erhielt Fiona Kolbinger den Jung-Karriere-Förderpreis für ihre Arbeit an KI-gestützten Systemen in der Krebschirurgie. Die Förderung ist mit 210.000 Euro dotiert. Troost warnt jedoch: Trotz technologischem Fortschritt müssen Verantwortung und Kommunikation mit Patienten Kernaufgaben der Ärzteschaft bleiben.

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Datenschutz und medizinische Risiken

Die Kritik an KI-Chatbots wächst. Meredith Whittaker, Präsidentin des Messenger-Dienstes Signal, warnt vor emotionaler Abhängigkeit: Wer Chatbots als Freunde betrachte, gehe ein Risiko ein. Zudem gefährdeten tief integrierte Systeme den Datenschutz und unterliefen die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Fachleute weisen auf medizinische Gefahren hin. KI-Systeme ersetzen keine professionelle Therapie und taugen nicht zur Diagnostik. Fehlantworten drohen besonders in Krisensituationen wie Suizidalität. Algorithmen könnten wahnhafte Gedanken bestätigen, statt sie therapeutisch einzuordnen. Und der Schutz sensibler Gesundheitsdaten bleibt bei kommerziellen Sprachmodellen eine ungelöste Herausforderung.

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