Einsamkeit, Gesundheitsrisiko

Einsamkeit: Gesundheitsrisiko wie 15 Zigaretten pro Tag

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine europäische Untersuchung mit 51.532 älteren Menschen zeigt höhere Einsamkeitswerte und stärkere Zunahmen bei Rauchern über zwei Jahre.

ERS-Studie: Raucher berichten häufiger von Einsamkeit
Eine leere Parkbank auf einem nebligen Weg in einem herbstlichen Park, die Einsamkeit und soziale Isolation symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse, die im Rahmen des ERS-Kongresses 2026 in Barcelona vorgestellt wurden, liefern neue Erkenntnisse über die Verbindung zwischen dem Rauchen und dem Erleben von Einsamkeit. Eine großangelegte europäische Studie untersuchte dabei die sozialen und psychologischen Auswirkungen des Tabakkonsums auf eine alternde Bevölkerung.

Einsamkeitswerte und Rauchverhalten im Fokus

Die Untersuchung stützt sich auf einen Datensatz von 51.532 Teilnehmern aus 15 Ländern mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren. Unter den Probanden befanden sich 54 Prozent Frauen und 22 Prozent Raucher. Die Analyse der Daten ergab, dass Raucher auf einer Skala von 3 bis 9 einen um 0,092 Punkte höheren Einsamkeitswert aufwiesen als Nichtraucher.

Besonders signifikant erwies sich die Entwicklung über einen Zeitraum von zwei Jahren. Hier verzeichneten Raucher einen um 0,049 Punkte stärkeren Anstieg des Einsamkeitsgefühls im Vergleich zur Kontrollgruppe der Nichtraucher.

Die Studienautoren ordnen die Untersuchung als Beobachtungsstudie ein. Damit ist ein statistischer Zusammenhang belegt, eine direkte Kausalität zwischen dem Rauchen und der Entstehung von Einsamkeit wurde jedoch nicht explizit nachgewiesen. Es wird jedoch deutlich, dass Gefühle der Isolation bei Rauchern im Zeitverlauf tendenziell zunehmen.

Gesundheitliche Risiken im Vergleich

Die Relevanz dieser Ergebnisse wird durch weitere wissenschaftliche Langzeituntersuchungen unterstrichen. Die bereits seit 1938 laufende Harvard Study of Adult Development hebt hervor, dass stabile soziale Beziehungen eine essenzielle Säule für die körperliche und geistige Gesundheit darstellen. Einsamkeit wird in diesem Kontext als ein Gesundheitsrisiko eingestuft, das in seiner Schwere mit dem Rauchen vergleichbar ist.

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Diese Einschätzung deckt sich mit einer im Jahr 2023 in Nature Human Behaviour veröffentlichten Metaanalyse, die Daten von über 2,2 Millionen Erwachsenen auswertete. Demnach ist soziale Isolation mit einem um 32 Prozent erhöhten Sterberisiko verbunden, während Einsamkeit das Risiko um 14 Prozent steigert.

Die Forscher zogen dabei den Vergleich, dass die gesundheitlichen Schäden durch Einsamkeit dem Konsum von 15 Zigaretten pro Tag entsprechen könnten. Zudem erhöht soziale Isolation laut wissenschaftlichen Erkenntnissen die Wahrscheinlichkeit für Depressionen, Angststörungen und Demenz.

Digitale Einflüsse und gefährdete Bevölkerungsgruppen

Neben der älteren Generation rücken zunehmend junge Erwachsene in das Zentrum der Aufmerksamkeit. Laut Erhebungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist weltweit eine von sechs Personen von Einsamkeit betroffen, wobei Jugendliche im Alter von 13 bis 29 Jahren mit Werten zwischen 17 und 21 Prozent überdurchschnittlich oft betroffen sind.

Eine Studie von YouGov und der Hochschule Macromedia aus dem Sommer 2026 zeigt zudem eine drastische Veränderung im Nutzungsverhalten digitaler Medien. Demnach weisen 51 Prozent der Generation Z (18 bis 28 Jahre) eine problematische Social-Media-Nutzung auf – ein deutlicher Anstieg gegenüber 25 Prozent im Vorjahr. Bei jungen Männern liegt dieser Wert sogar bei 58 Prozent.

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Während digitale Kontakte laut Experten tiefgehende Bindungen nicht ersetzen können, warnen Fachleute zudem vor den Risiken von Selbstdiagnosen im Internet. Eine Expertin der Universitätsmedizin Frankfurt wies darauf hin, dass die sozialen Medien psychische Störungen verstärken können und beispielsweise bei Autismus-Selbsttests eine hohe Fehlerquote besteht.

Präventionsansätze und Förderprogramme

Um den negativen Auswirkungen von Einsamkeit und Isolation entgegenzuwirken, wurden verschiedene Programme initiiert. In der Schweiz bietet das Peer-Projekt Ansprechbar seit Mitte August 2026 kostenfreie Gespräche für 15- bis 25-Jährige an, um frühzeitig Unterstützung bei mentalen Belastungen zu leisten.

In Deutschland hat der Bund das ESF-Plus-Programm „Zusammenhalt stärken – Menschen verbinden“ auf die Altersgruppe der 14- bis 27-Jährigen erweitert. Projekte können hierbei jährliche Förderungen zwischen 20.000 und 200.000 Euro erhalten.

Ergänzend dazu setzen Bildungseinrichtungen auf akademische Qualifizierung. Die Hochschule Coburg bietet ab dem Wintersemester 2026/27 spezialisierte Studiengänge wie Gesundheitsförderung und Prävention an, um Fachkräfte für die Bewältigung dieser gesellschaftlichen Herausforderungen auszubilden.

Experten für Medienkompetenz raten zudem zu klaren Regeln im Alltag, wie bildschirmfreien Zeiten und dem Verzicht auf Endgeräte während der Mahlzeiten, um die Qualität persönlicher Begegnungen zu sichern.

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