Einsamkeit: 871.000 Todesfälle jährlich – WHO warnt vor Isolation
20.06.2026 - 23:50:12 | boerse-global.de
Aktuelle Studien zeigen: Sie kann krank machen, das Gehirn schwächen und sogar die Lebenserwartung verkürzen. Doch es gibt auch einen positiven Aspekt des Alleinseins.
Tausende Todesfälle jährlich durch soziale Isolation
Der WHO Social Report 2025 beziffert die Zahl der jährlichen Todesfälle infolge von Einsamkeit weltweit auf rund 871.000. Die gesundheitliche Schädlichkeit wird dabei mit dem Konsum von 15 Zigaretten pro Tag verglichen. Besonders alarmierend: Eine am 15. Juni im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichte Studie der UC Davis zeigt einen direkten Zusammenhang mit der mentalen Leistungsfähigkeit.
An der Untersuchung nahmen 175.000 Personen über 50 Jahre aus 18 Ländern teil. Ergebnis: Steigt die empfundene Einsamkeit um 10 Prozent, erhöht sich das Risiko für schwere kognitive Beeinträchtigungen um 8 bis 9 Prozent.
Vergesslichkeit im Alter kann viele Ursachen haben – ein erhöhtes Risiko für kognitive Beeinträchtigungen ist jedoch ein ernstzunehmendes Signal. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Konzentration stärken und das Gedächtnis durch einfache Alltagsübungen nachhaltig schützen können. 11 Übungen für geistige Fitness jetzt kostenlos sichern
Die Psychotherapeutin Constanze Scholz betont, dass Einsamkeit nicht zwangsläufig aus einem Mangel an Kontakten resultiert. Oft sei sie Ausdruck eines inneren Ungleichgewichts und fehlender Verbundenheit. Laut einer Untersuchung von Wooga fühlen sich 41 Prozent der Befragten gelegentlich einsam, zehn Prozent sogar häufig.
Homeoffice und digitale Gewohnheiten als Risikofaktoren
Auch die Arbeitswelt trägt zur psychischen Belastung bei. Eine am 19. Juni in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie der Ökonomen Emanuel, Harrington und Pallais zeigt: Homeoffice kann das Risiko für Depressionen erhöhen. Bis zu ein Drittel des Anstiegs psychischer Erkrankungen seit der Corona-Pandemie lasse sich auf Remote-Arbeit zurückführen.
Besonders gefährdet sind Alleinlebende. Durch die vollständige Verlagerung der Arbeit in den privaten Raum verbringen sie oft ganze Tage ohne direkten menschlichen Kontakt.
Eine weitere Studie der Universität Breslau vom 18. Juni untersuchte, welche digitalen Gewohnheiten soziale Isolation vorhersagen können. Die Forscher Marta Bloch und Blazej Misiak stellten fest: Exzessives Gaming und intensive Online-Gesundheitsrecherchen dienen als Vorboten für künftige soziale Isolation. Bei den 1.400 Probanden im Alter von 18 bis 40 Jahren zeigte sich zudem ein Zusammenhang zwischen bestehender Einsamkeit und zwanghaftem Online-Pornokonsum.
Introvertierte im Alter zufriedener
Doch Alleinsein hat auch eine positive Seite – sofern es auf Freiwilligkeit und Selbstakzeptanz beruht. Eine Studie vom 19. Juni belegt: Introvertierte in ihren 50ern und 60ern erreichen eine höhere Lebenszufriedenheit, wenn sie ihr Bedürfnis nach Einsamkeit akzeptieren und nicht mehr rechtfertigen.
Das deckt sich mit Erkenntnissen aus dem Jahr 2024 in der Fachzeitschrift Psychology and Aging. Demnach empfinden ältere Erwachsene Phasen der Einsamkeit als erholsamer als jüngere Generationen.
Wer im Alter aktiv gegen die negativen Folgen von Isolation vorgehen möchte, sollte nicht nur die mentale, sondern auch die körperliche Fitness im Blick behalten. Erfahren Sie in diesem Experten-Ratgeber, wie Sie mit minimalem Zeitaufwand Beschwerden vorbeugen und Ihre Lebensqualität steigern können. Kostenlose 3-Minuten Wunderübungen hier herunterladen
Entscheidend für das Wohlbefinden ist die psychologische Flexibilität und Autonomie. Dr. Bella DePaulo betont, dass Menschen, die bewusst allein leben, oft ein erfülltes Leben führen. Laut Pew Research waren 2021 rund 25 Prozent der 40-Jährigen in den USA nie verheiratet. Eine Studie aus dem Jahr 2025 in Personal Relationships bestätigt: Singles mit klaren Vorstellungen von ihren zwischenmenschlichen Beziehungen leiden seltener unter Einsamkeit.
Was hilft: Natur, Solo-Reisen und Gelassenheit
Die Psychologie identifiziert spezifische Gewohnheiten, die Menschen helfen, die Zeit mit sich selbst produktiv zu nutzen. Dazu gehören Naturkontakte, Solo-Aktivitäten wie Reisen und die Fähigkeit, soziale Anforderungen abzulehnen.
Laut Daten des GESIS Panels 2023 steigern ein erlebnisreicher Alltag und ein ruhiger Lebensstil die Lebenszufriedenheit deutlicher als beruflicher Erfolg. Während junge Erwachsene oft unter hohen Ansprüchen leiden, setzen Menschen ab 65 Jahren verstärkt auf Gelassenheit.
Um der negativen Dynamik von Einsamkeit entgegenzuwirken, starten Städte vermehrt kommunale Initiativen. Die Stadt Wiesbaden plant vom 22. bis 26. Juni eine Aktionswoche unter dem Motto „Du gehörst dazu“. Das Programm umfasst Erzählcafés, Spaziergänge und Frühstücksrunden – niederschwellige Angebote, um die soziale Verbundenheit im städtischen Raum zu fördern.
