Einsamkeit: 21 Prozent der jungen Erwachsenen stark betroffen
23.06.2026 - 13:04:28 | boerse-global.de
Besonders alarmierend: 13 Prozent leiden mehrmals wöchentlich unter Isolation, 11 Prozent sogar wöchentlich. Das belegt eine aktuelle YouGov-Umfrage von Mitte Juni 2026.
Generation Z besonders betroffen
Junge Erwachsene tragen die Hauptlast. Eine Auswertung der FReDA-Studie durch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt: 21 Prozent der 21- bis 30-Jährigen fühlen sich stark einsam. Bei den 31- bis 54-Jährigen sind es nur 14 Prozent.
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Die Forscher erklären das mit der vulnerablen Lebensphase junger Erwachsener. Multiple Krisen und prekäre Lebensverhältnisse verstärken die Belastung. Eine Rückkehr zum Einsamkeitsniveau vor der Pandemie sei bisher kaum zu beobachten.
Chronische Einsamkeit macht krank
Psychologie-Professorin Maike Luhmann warnt vor den gesundheitlichen Folgen. Chronische Einsamkeit erhöht das Risiko für Depressionen, Angststörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Demenz. 53 Prozent der Befragten geben an, dass Einsamkeit ihre Gesundheit bereits belastet hat.
Entscheidend ist die Qualität der Kontakte: 23 Prozent fühlen sich selbst in Gesellschaft einsam. Digitale Kommunikation kann den Mangel nicht ausgleichen – 83 Prozent sind überzeugt, dass Messenger und soziale Medien echte Nähe nicht ersetzen. Hinzu kommt: Über ein Fünftel empfindet es als unangenehm, über die eigene Einsamkeit zu sprechen.
Einsamkeit am Arbeitsplatz
Auch die Arbeitswelt ist betroffen. Daten des BKK Dachverbands vom Juni 2026 zeigen: 18 Prozent der Erwerbsfähigen leiden unter Einsamkeit. Für Unternehmen bedeutet das höhere Fluktuation und schwächere Bindung. Spezielle Informationsmaterialien sollen Betriebe für das Thema sensibilisieren.
Im Privaten spielt die Partnerschaft eine Schlüsselrolle. Eine Studie der Universität Zürich belegt: Bei jungen Erwachsenen sinkt die Zufriedenheit nach zwei Jahren ohne Partnerschaft messbar. Ab Mitte 20 können depressive Symptome zunehmen. Expertin Sabine Diabaté vom BiB betont jedoch: Entscheidend ist, ob das Single-Dasein freiwillig oder unfreiwillig ist.
Was gegen Einsamkeit hilft
Die Bundesregierung verabschiedete bereits 2023 eine Strategie gegen Einsamkeit. Das Kompetenznetz Einsamkeit bündelt Forschung und entwickelt Handlungsangebote. Empfohlen werden:
- Soziale Kontakte pflegen: Aktiver Aufbau von Freundschaften und Nachbarschaftshilfe
- Struktur und Bewegung: Feste Tagesabläufe und körperliche Aktivität
- Niedrigschwellige Hilfe: Telefonseelsorge oder Online-Beratungen der Caritas
- Kommunale Angebote: Lokale Initiativen und aktives Ansprechen von Mitmenschen
Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) belegt die Wirksamkeit einfacher Mittel: Bereits 20-minütige Telefongespräche reduzieren das Einsamkeitsgefühl bei älteren Menschen signifikant. BiB und DZA sind der Allianz gegen Einsamkeit beigetreten, um die Vernetzung weiter zu stärken.
