Einkommen, Glück

Einkommen und Glück: Neue Studie kippt alte Sättigungsgrenzen

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 05:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien widerlegen die alte Sättigungsgrenze: Für die meisten Menschen wächst das Glück bis zu einem Jahreseinkommen von 500.000 Dollar.

Glücksforschung: Einkommensgrenze für Wohlbefinden steigt deutlich
Ein minimalistischer, moderner Arbeitsplatz mit einer verschwommenen Skyline im Hintergrund bei warmem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die ökonomische Glücksforschung hat in den vergangenen Jahren wesentliche neue Erkenntnisse über das Verhältnis von Wohlstand und psychischem Wohlbefinden gewonnen. Während ältere Analysen oft von einer Sättigungsgrenze ausgingen, zeichnen aktuellere Datenauswertungen ein differenzierteres Bild, das die individuellen Lebensumstände stärker in den Fokus rückt.

Die Entwicklung der Einkommensgrenzen in der Forschung

Lange Zeit galt eine Untersuchung aus dem Jahr 2010 als Referenzpunkt, in der die Forscher Kahneman und Deaton ein Plateau des Wohlbefindens bei einem Jahreseinkommen von etwa 75.000 US-Dollar (ca. 56.000 Euro) annahmen. Neuere Studien, unter anderem von Killingsworth aus dem Jahr 2021, korrigierten diese Einschätzung und belegten, dass das Glücksempfinden auch über diese Grenze hinaus ansteigen kann.

Eine gemeinsame Auswertung der Forschergruppe aus dem Jahr 2023 verdeutlichte zudem, dass für die deutliche Mehrheit der Bevölkerung das Wohlbefinden bis zu einem Einkommen von 200.000 bis 500.000 US-Dollar (ca. 460.000 Euro) pro Jahr weiter zunimmt. Lediglich bei einer Minderheit von etwa 15 bis 20 Prozent, die bereits zuvor als unglücklich eingestuft wurde, flache der positive Effekt des Geldes ab einer Schwelle von 100.000 US-Dollar (92.000 Euro) ab.

Regionale Kosten für die Lebenszufriedenheit

Untersuchungen aus dem Jahr 2026 zu 23 Städten im Vereinigten Königreich zeigen, dass die Kosten für ein als glücklich empfundenes Leben stark vom Wohnort abhängen. In London wird hierfür ein Jahreseinkommen von 116.097 Pfund benötigt, was 14,8 Prozent über dem Wert von Oxford (101.104 Pfund) liegt. Edinburgh belegt in diesem Ranking den sechsten Platz mit 96.858 Pfund. Deutlich günstiger stellt sich die Situation in Sheffield dar, wo 83.723 Pfund als ausreichend gelten – ein Wert, der 38,7 Prozent unter dem Londoner Niveau liegt. In Städten wie Coventry, Nottingham, Belfast und Liverpool bewegen sich die notwendigen Beträge zwischen 85.978 und 87.703 Pfund.

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Die alte Faustregel, dass mehr Geld ab einem bestimmten Einkommen nicht mehr glücklich macht, ist überholt. Aktuelle Studien zeigen: Für die meisten Menschen steigt das Wohlbefinden bis zu einem Jahreseinkommen von 200.000 bis 500.000 US-Dollar weiter – aber die Kosten für ein glückliches Leben variieren stark je nach Wohnort. Jetzt kostenlosen Report sichern

Gesundheitliche Folgen und additive Risiken

Eine dänische Registerstudie, die Daten von 5,3 Millionen Personen aus dem Zeitraum von 2000 bis 2021 auswertete, untersuchte den Zusammenhang zwischen niedrigem Einkommen, psychischen Erkrankungen und körperlicher Gesundheit. Die Forscher stellten fest, dass finanzielle Not und psychische Belastungen unabhängig voneinander, aber additiv auf die Gesundheit wirken.

In der Gruppe mit dem niedrigsten Einkommen und gleichzeitiger psychischer Erkrankung traten pro 100.000 Personenjahre 716 zusätzliche Fälle von COPD auf (im Vergleich zu 337 in der höchsten Einkommensgruppe). Bei chronischen Schmerzen lag der Wert bei 1.529 Fällen (gegenüber .1345) und bei chronischen Lebererkrankungen bei 243 Fällen (gegenüber 110). Die Wissenschaftler betonten, dass diese Risiken additiv und nicht multiplikativ wirken, was eine integrierte Versorgung notwendig mache.

Genetische Faktoren und soziale Bindungen

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Nicht nur das Einkommen, sondern auch Ihre sozialen Beziehungen und Ihre Gesundheit spielen eine entscheidende Rolle für Ihr Wohlbefinden. Eine dänische Registerstudie zeigt, dass niedriges Einkommen und psychische Belastungen additiv Ihre körperliche Gesundheit beeinträchtigen können. Mehr dazu im kostenlosen Report

Trotz der Bedeutung des Einkommens spielen laut Forschungsergebnissen von Lykken und Tellegen aus dem Jahr 1996 auch genetische Voraussetzungen eine zentrale Rolle; sie schätzten den Anteil der Erbanlagen an der Variation des Wohlbefindens auf 44 bis 52 Prozent. Faktoren wie Einkommen, Bildung oder Familienstand machten jeweils weniger als 3 Prozent aus. Eine Studie aus dem Jahr 2020 von Brown und Rohrer stellte zudem die Annahme infrage, dass 40 Prozent des Wohlbefindens durch vorsätzliche Aktivitäten beeinflusst werden könnten.

Neben der materiellen Absicherung bleibt die soziale Komponente ein wesentlicher Faktor. Eine Harvard-Studie sowie Untersuchungen von Dunn aus dem Jahr 2008 deuten darauf hin, dass Geld, das für andere ausgegeben wird, das Glücksempfinden steigert. Zudem zeigten Daten aus dem Journal of Social and Personal Relationships, dass eine zufriedenstellende romantische Beziehung die Gesundheit unabhängig von Einkommen und Bildung verbessern kann. In Ländern wie Spanien, die über eine universelle Gesundheitsversorgung verfügen, sei der Einfluss von Bildung und Einkommen auf die Gesundheit zudem weniger stark ausgeprägt als in den USA.

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