KI-Chatb 68 Prozent teilen intime Themen trotz Datenschutz-Sorgen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 12:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Viele Nutzer in Deutschland sprechen mit KI-Chatbots über intime Themen, obwohl sie den Unternehmen beim Schutz ihrer persönlichen Daten misstrauen.
Psychische Gesundheit häufigster Anlass
Das geht aus einer repräsentativen Untersuchung des Schweizer Softwaredienstleisters Proton hervor. Danach haben 68 Prozent der befragten Chatbot-Nutzer in Deutschland bereits mindestens ein sensibles Thema mit einem KI-System besprochen.
Am häufigsten ging es um Fragen zur psychischen Gesundheit. Auch Finanzen, Partnerschaft, Arbeit, Sexualität, Geheimnisse und familiäre Konflikte wurden den digitalen Assistenten regelmäßig anvertraut.
Verfügbarkeit und fehlende Verlegenheit
Freunde und Familie bleiben nach Angaben der Studienautoren bei sensiblen Themen die wichtigste Anlaufstelle. Für Chatbots sprächen jedoch ihre ständige Verfügbarkeit und der Eindruck, sie reagierten ohne persönliche Vorurteile oder soziale Verlegenheit.
Sorge vor Werbeprofilen
Gleichzeitig haben 40,5 Prozent der Befragten wenig oder gar kein Vertrauen darin, dass die Betreiber vertrauliche Daten ausreichend schützen. 51 Prozent befürchten, dass aus ihren Dialogen individuelle Marketing- oder Werbeprofile erstellt werden könnten.
43 Prozent sorgen sich außerdem, dass ihre Aussagen zum Training neuer KI-Modelle verwendet werden. Die Skepsis richtet sich damit sowohl gegen eine mögliche kommerzielle Auswertung als auch gegen die weitere Nutzung der Inhalte durch die Anbieter.
Wunsch nach stärkerem Datenschutz
Striktere Sicherheitsgarantien könnten die Bereitschaft zur Nutzung erhöhen. 71 Prozent würden nach eigenen Angaben bevorzugt einen besonders datenschutzorientierten Chatbot verwenden. Knapp 44 Prozent wären eher bereit, intime Details zu teilen, wenn ausgeschlossen wäre, dass die Inhalte für das Modelltraining genutzt werden.
Für die Erhebung befragte Proton vom 22. Juli bis zum 2. August 2026 insgesamt 4.014 aktive Nutzer von KI-Chatbots in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA.
Zwischen Vertraulichkeit und Bequemlichkeit
Die Ergebnisse beschreiben ein Spannungsfeld, das für viele Nutzer im Alltag entscheidend ist: Ein Chatbot ist jederzeit verfügbar und reagiert ohne erkennbare soziale Verlegenheit. Gerade bei psychischer Gesundheit oder familiären Konflikten kann diese niedrige Zugangsschwelle erklären, warum Menschen zunächst einen digitalen Gesprächspartner wählen, obwohl Freunde und Familie insgesamt wichtiger bleiben.
Die genannten Sorgen betreffen mehrere Ebenen. Aus einem Gespräch können persönliche Angaben zu Gesundheit, Geld, Beziehungen oder Arbeit hervorgehen. Für Nutzer ist häufig schwer einzuschätzen, welche Daten gespeichert werden, wer darauf zugreifen kann, wie lange sie vorgehalten werden und ob sie zur Verbesserung eines Modells dienen. Die Befürchtung kommerzieller Profilbildung zeigt, dass Datenschutz nicht nur als technische Sicherheitsfrage verstanden wird, sondern auch als Frage der späteren Verwendung.
Besondere Verantwortung bei sensiblen Themen
Bei psychischen Problemen kann ein Chatbot niedrigschwellige Orientierung geben, ersetzt aber keine professionelle Behandlung und ist nicht für akute Krisen zuständig. Seine Antworten können überzeugend klingen, obwohl sie fehlerhaft, unvollständig oder unangemessen sein können. Für Nutzer bedeutet das: Persönliche Details sollten sparsam eingegeben werden; Namen, Adressen, Kontonummern und andere unmittelbar identifizierende Angaben gehören nicht in einen Chat.
Die Umfrage deutet zugleich auf eine konkrete Erwartung an Anbieter hin: Datenschutzfreundliche Voreinstellungen, verständliche Löschmöglichkeiten und eine klare Entscheidung gegen die Nutzung von Gesprächen für das Modelltraining könnten Vertrauen schaffen. Je stärker Chatbots in intime Lebensbereiche vordringen, desto wichtiger werden nachvollziehbare Regeln und eine verständliche Kontrolle durch die Nutzer.
