Einbeinstand: Eine Minute setzt laut Orthopäde Reize wie 53 Minuten Gehen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gesundheitseinrichtungen und spezialisierte Reha-Zentren widmen den Füßen zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Um den gesamten Bewegungsapparat langfristig zu stabilisieren und Fehlhaltungen vorzubeugen, rückt gezielte Fußgymnastik als präventiver Ansatz immer weiter in den Mittelpunkt therapeutischer Konzepte.
Fachkreise verweisen darauf, dass die Stärkung der Fußmuskulatur eine grundlegende Voraussetzung darstellt, um Gelenke zu entlasten und Gangunsicherheiten im Alter zu verringern.
Strukturierte Trainingsprogramme in medizinischen Einrichtungen
Ein Beispiel für diesen Ansatz zeigt sich im Bereich spezialisierter Beherbergungs- und Gesundheitseinrichtungen. Das im Dezember 2024 eröffnete Mount Med Resort, das über 60 Zimmer sowie ein Medical Spa mit einer Fläche von 3.500 Quadratmetern verfügt, führte Ende September 2026 ein wissenschaftlich fundiertes Fußgymnastikprogramm ein.
Die von Trainingsleiter Wolfgang Peer konzipierte Einheit dauert 40 Minuten und zielt auf die Fußmuskulatur, die Beweglichkeit sowie die Stabilität ab.
Nach Einschätzung des Orthopäden Dr. Stephan Papp lassen sich durch solche gezielten Übungen typische orthopädische Beschwerden wie ein beginnender Hallux valgus, Spreiz- oder Plattfüße sowie Krallenzehen und Fersensporn vorbeugen oder in ihrem Verlauf positiv beeinflussen. Durch die Stärkung des Fußgewölbes und der tiefer liegenden Muskelstrukturen wird das Fundament für eine physiologische Kraftübertragung bis hinauf zu Knien und Hüfte gelegt.
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Balance, Propriozeption und Reize für die Knochendichte
Ergänzend zu isolierten Kräftigungsübungen gewinnen propriozeptive Elemente an Bedeutung, um die neuromuskuläre Kontrolle zu schulen. Empfohlen werden hierbei Übungen wie der Einbeinstand, Einheiten auf dem Balance-Board oder der sogenannte Tandemgang, bei dem ein Fuß exakt vor den anderen gesetzt wird.
Typische Trainingsprogramme setzen auf strukturierte Wiederholungen:
- Einbeinstand über 30 Sekunden je Bein in drei Sätzen
- Balance-Board-Training über jeweils 60 Sekunden in drei Sätzen
- Tandemgang über zehn Schritte in drei Sätzen
- Kontrollierte kreisende Armbewegungen mit zehn Wiederholungen je Arm in drei Sätzen
Wie stark bereits einfache statische Belastungen wirken können, betont auch der Orthopäde Junichi Nakayama. Er rät dazu, täglich eine Minute auf einem Bein zu stehen, idealerweise in unmittelbarer Nähe einer stabilen Stütze.
Nakayama verweist auf eine japanische Untersuchung zur sogenannten dynamischen Flamingo-Therapie: Für die Knochengesundheit könne eine Minute Einbeinstand einen ähnlichen mechanischen Reiz setzen wie 53 Minuten Gehen, da hierbei etwa das 2,75-Fache des Körpergewichts auf den Hüftkopf einwirke.
Dieser Effekt beziehe sich allerdings rein auf die Knochenstruktur und ersetze kein Ausdauertraining für das Herz-Kreislauf-System. Zudem weise Nakayama darauf hin, dass die Muskelmasse ab einem Alter von etwa 50 Jahren ohne gezielte Gegenmaßnahmen jährlich um rund 2 Prozent abnehme.
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Präventive Maßnahmen vom Kindesalter an
Die Vermeidung von Fußfehlstellungen beginnt bereits im Entwicklungsstadium bei Kindern. Fachleute weisen darauf hin, dass schlecht sitzendes Schuhwerk frühzeitig Beschwerden begünstigen kann. Beim Kauf von Kindergartenhausschuhen wird geraten, stets beide Kinderfüße im Stehen auszumessen und sich nach dem größeren Fuß zu richten.
Als Wachstumsspielraum gelten etwa 10 bis 12 Millimeter vor der längsten Zehe, während bei der direkten Anprobe eine Zehenfreiheit von 1 bis 1,5 Zentimetern empfohlen wird. Wichtige Merkmale funktionaler Schuhe sind flexible, griffige Sohlen, ein sicherer Fersenhalt sowie eine ausreichend breite Zehenbox, um ein Einengen der Zehen zu verhindern.
