Ökosysteme, UNEP

Ökosysteme: UN sieht 252 Millionen Hektar in Regeneration

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 07:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein UNEP-Bericht sieht weltweit Fortschritte bei der Wiederherstellung geschädigter Natur. Für das Ziel bis 2030 fehlen jedoch erhebliche Flächen und Finanzmittel, besonders bei Meeren und Binnengewässern.

UN-Ziel für eine Milliarde Hektar

  • UNEP erfasst Regenerierungsmaßnahmen in 149 Ländern auf 252 Millionen Hektar.
  • Die Vereinbarung von Montreal sieht bis 2030 die Wiederherstellung von rund einer Milliarde Hektar vor.
  • Für die Umsetzung sollen die jährlichen Investitionen von 64 auf knapp 300 Milliarden US-Dollar steigen.
  • Jaguare in Brasilien sind laut UN ein Beispiel für eine Erfolgsgeschichte beim Schutz und Wiederaufbau von Ökosystemen. - Bild: Andre Penner/AP
  • Auch bei den Meeren sollen 30 Prozent der Fläche unter Schutz gestellt werden. - Bild: Claudia Rosel/AP/dpa
Jaguare in Brasilien sind laut UN ein Beispiel für eine Erfolgsgeschichte beim Schutz und Wiederaufbau von Ökosystemen. - Bild: Andre Penner/AP Auch bei den Meeren sollen 30 Prozent der Fläche unter Schutz gestellt werden.  - Bild: Claudia Rosel/AP/dpa

UNEP zieht Halbzeitbilanz zur Renaturierung

In 149 Ländern werden nach Angaben des UN-Umweltprogramms UNEP Ökosysteme auf 252 Millionen Hektar wiederhergestellt. Dabei sind dem Bericht zufolge mehr als eine Million grüne Arbeitsplätze entstanden.

Die Fläche entspricht etwa einem Viertel des Ziels von rund einer Milliarde Hektar bis 2030, auf das sich die Weltgemeinschaft bei der Weltnaturkonferenz in Montreal verständigt hatte.

Landprojekte liegen deutlich vorn

Gut 90 Prozent der bisher erfassten Maßnahmen entfallen auf Landökosysteme. Dazu zählen unter anderem Wiederaufforstung und die Wiedervernässung von Mooren.

Nach Einschätzung der Berichtautoren ist die Welt bei der Wiederherstellung an Land annähernd auf Kurs. Die Hälfte des für 2030 gesetzten Ziels sei fast erreicht.

Meere und Süßwasser mit geringeren Fortschritten

Bei Meeres- und Küstenökosystemen werden dem Bericht zufolge bislang rund zwei Prozent der Flächen regeneriert. Bei Süßwasserökosystemen sind es rund vier Prozent.

Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass Überwachung und Dokumentation in diesen Bereichen schwächer ausgeprägt sind. Deshalb könnten die tatsächlich laufenden Maßnahmen umfangreicher sein als ausgewiesen.

UNEP fordert deutlich mehr Geld

Bis 2030 müssten jährlich knapp 300 Milliarden US-Dollar in die Wiederherstellung von Ökosystemen fließen. Bislang seien es 64 Milliarden US-Dollar.

Nach UNEP-Berechnungen könnten durch die zusätzlichen Investitionen weltweit schätzungsweise 32 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. UNEP-Direktorin Inger Andersen sprach von den Anfängen einer der größten Anstrengungen für die Natur, warnte aber zugleich, das bisherige Tempo reiche nicht aus.

Beratungen in Eriwan

In der armenischen Hauptstadt Eriwan beraten die Staaten derzeit über die Umsetzung des Abkommens. Der Schutz und Wiederaufbau von Ökosystemen soll nach Angaben der Vereinten Nationen die Wasser- und Lebensmittelversorgung sichern und die Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel stärken.

Die Zwischenbilanz fällt zugleich ermutigend und ernüchternd aus. 252 Millionen Hektar in Regeneration zeigen, dass Renaturierung weltweit nicht nur in Einzelprojekten stattfindet. Die Fläche umfasst jedoch erst etwa ein Viertel des Ziels, das die Staatengemeinschaft bis 2030 erreichen will.

Besonders deutlich ist die Schieflage zwischen Land und Meer. An Land konzentrieren sich die meisten Projekte, etwa auf Wiederaufforstung und die Wiedervernässung von Mooren. Moore speichern Kohlenstoff und können Wasser zurückhalten; intakte Wälder, Böden und Feuchtgebiete stabilisieren zudem regionale Wasserkreisläufe und die Landwirtschaft.

Meere bleiben die größte Lücke

Die geringen ausgewiesenen Fortschritte bei Meeres-, Küsten- und Süßwasserökosystemen sind deshalb politisch besonders relevant. Diese Lebensräume stehen unter Druck durch Erwärmung, Verschmutzung, Überfischung und die Zerstörung von Küsten. Zugleich ist die Datenerfassung dort schwächer, sodass die gemeldeten Flächen den tatsächlichen Umfang laufender Maßnahmen unterschätzen können.

Der entscheidende Engpass liegt bei der Finanzierung. Eine Steigerung von 64 auf knapp 300 Milliarden US-Dollar jährlich würde Renaturierung von einer Reihe geförderter Projekte zu einer dauerhaft getragenen Infrastrukturaufgabe machen. Die erwarteten 32 Millionen zusätzlichen Arbeitsplätze verbinden Naturschutz mit regionaler Entwicklung, setzen aber langfristige Investitionen, qualifizierte Arbeitskräfte und klare Zuständigkeiten voraus.

Umsetzung bis 2030

Die Beratungen in Eriwan stehen damit vor einer konkreten Aufgabe: Die Staaten müssen Fortschritte messbarer machen, den Schutz von Meeren und Binnengewässern stärker berücksichtigen und die Finanzierung ausweiten. Für die Bevölkerung sind die Ziele vor allem dort spürbar, wo Renaturierung Hochwasserrisiken mindert, Wasser verfügbar hält oder lokale Beschäftigung schafft.

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