Echinacea, Meta-Analyse

Echinacea: Meta-Analyse sieht 32 Prozent weniger Atemwegsinfektionen

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Echinacea zeigt Hinweise auf Effekte bei Atemwegsinfekten, während die Befunde zu Chanca Piedra je nach Anwendungsgebiet variieren.
Nahaufnahme einer blühenden Sonnenhut-Pflanze in einem sonnigen Garten mit Fokus auf die Blütenblätter und den Blütenkorb. Illustration mit AI erstellt.

Traditionelle Heilpflanzen gewinnen in der naturheilkundlichen und medizinischen Forschung kontinuierlich an Aufmerksamkeit. Aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen widmen sich insbesondere zwei Gewächsen mit langer Anwendungsgeschichte: dem Sonnenhut (Echinacea), der vor allem zur Unterstützung der Abwehrkräfte in der kalten Jahreszeit erforscht wird, sowie Chanca Piedra (Phyllanthus niruri), das traditionell bei Beschwerden der Harnwege, der Galle und der Leber zum Einsatz kommt. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern dazu differenzierte Ergebnisse über Wirkungsmechanismen, Einsatzgebiete und Wirksamkeitsgrenzen.

Sonnenhut in der Erkältungsforschung: Von Laborbefunden zu klinischen Daten

Der Sonnenhut gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und stammt ursprünglich aus Nordamerika. Die Pflanze umfasst neun Arten und erreicht Wuchshöhen zwischen 60 und 120 Zentimetern. In der medizinischen Betrachtung stehen vor allem die Arten Echinacea purpurea, Echinacea angustifolia und Echinacea pallida im Mittelpunkt.

Zu ihren wesentlichen Inhaltsstoffen zählen Alkamide, die unter anderem mit dem Cannabinoid-Rezeptor CB2 interagieren, sowie Kaffeesäurederivate wie Chicorsäure und Echinacosid, Polysaccharide und Glykoproteine.

Der Gehalt dieser Substanzen schwankt je nach Art, verwendetem Pflanzenteil, Wachstumsbedingungen und Zubereitungsform erheblich. Traditionell werden beispielsweise Aufgüsse mit ein bis zwei Gramm getrockneten Blüten oder Blättern auf 200 Milliliter Wasser bei einer Ziehzeit von 10 bis 15 Minuten zubereitet.

Klinische Studien zur Prävention und Behandlung von Atemwegsinfekten zeichnen ein facettenreiches Bild. Bereits eine randomisierte, kontrollierte Studie aus dem Jahr 2012 mit 755 gesunden Erwachsenen über vier Monate zeigte unter Verwendung oberirdischer Teile von Echinacea purpurea 149 Erkältungsepisoden gegenüber 188 in der Vergleichsgruppe sowie eine Reduktion der Krankheitstage um rund 21 Prozent von 850 auf 672 Tage.

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2014, die 24 randomisierte Doppelblindstudien mit insgesamt 4.631 Teilnehmenden auswertete, ergab in einer explorativen Analyse der Präventionsstudien Hinweise auf eine relative Verringerung des Erkältungsrisikos um etwa 10 bis 20 Prozent, wenngleich einzelne Vergleiche keine statistische Signifikanz erreichten.

Eine Meta-Analyse aus dem April 2024, die zahlreiche klinische Studien zusammenfasste, ermittelte eine Verringerung des Auftretens von Atemwegsinfektionen um rund 32 Prozent und des Risikos wiederkehrender Infektionen um circa 40 Prozent.

Die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen sank um etwa 56 Prozent, während der Bedarf an Antibiotikatherapien um 40 Prozent und die Therapietage um 70 Prozent zurückgingen; bei alkoholischen Extrakten aus frischer Echinacea purpurea betrug der Rückgang der Antibiotikatage sogar 80 Prozent.

Auf zellulärer Ebene belegte eine randomisierte Studie vom März 2024, dass die tägliche Gabe von 200 Milligramm Echinacea-purpurea-Extrakt über acht Wochen die Zytotoxizität von natürlichen Killerzellen sowie die Zytokine IL-2, IFN-? und TNF-? bei gesunden Probanden steigerte.

Zudem zeigte das Alkamid Dodeca-2E,4E-Diensäureisobutylamid antivirale Aktivität gegen Rhinoviren und Influenzaviren. Eine Meta-Analyse vom August 2025 hielt dagegen fest, dass Echinacea keine Leistungssteigerung im sportlichen Bereich bewirkt.

Trotz dieser Datenlage existieren in der Europäischen Union und der Türkei keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben für Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel.

Bewertungen der Europäischen Arzneimittel-Agentur verweisen auf die traditionelle Verwendung bestimmter Zubereitungen bei Erkältungen, während die Studienlage insgesamt als uneinheitlich gilt und ein abschließender wissenschaftlicher Beleg für die Vorbeugung oder Heilung von Krankheiten fehlt.

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Materialanalysen der Kemerovo State University an Echinacea purpurea aus der westsibirischen Region Kemerovo wiesen mittels chromatographischer und spektroskopischer Verfahren entzündungshemmende, antioxidative und immunmodulierende Inhaltsstoffe in Blättern, Wurzeln und Blüten nach. Die Forscher verwiesen auf das Potenzial für funktionelle Lebensmittel, an denen pflanzliche Wirkstoffe einen Marktanteil von 60 bis 65 Prozent halten.

Chanca Piedra: Heterogene Befunde zu Harnwegen und Organfunktionen

Parallel zu Echinacea steht die tropische Heilpflanze Phyllanthus niruri, bekannt als Chanca Piedra, im Fokus pharmakologischer Analysen. Das in Südamerika, Indien, Südostasien und Afrika heimische Gewächs wird im peruanischen Volksmund als Steinbrecher, im Ayurveda als Bhumyamalaki und im westafrikanischen Raum als Eyen toro wore bezeichnet.

Die globale Distribution erfolgt heute zunehmend über den internationalen Handel, gestützt auf Wildsammlungen sowie kontrollierten Anbau mit standardisierter Rückverfolgbarkeit.

Die klinische Evidenz zur Wirksamkeit bei Nieren- und Gallensteinen wird in der Fachliteratur weiterhin als unklar eingestuft. Zwar existieren 15 Humanstudien, deren Ergebnisse jedoch variieren: Eine Untersuchung mit Pflanzenextrakten dokumentierte eine höhere Steinfreiheit nach einer Stoßwellentherapie, und eine Meta-Analyse beobachtete eine Verringerung von Größe und Anzahl der Steine.

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Eine Studie mit Kapselpräparaten konnte hingegen keinen signifikanten Unterschied zu Placebo hinsichtlich des Steinabgangs oder des Schmerzempfindens feststellen.

Ähnlich differenziert stellt sich die Lage bei weiteren Indikationen dar. Zu Leber- und Galleerkrankungen liegen fünf Studien vor. Bei Fettleberpatienten besserte die Anwendung zwar den Fibrosewert, nicht jedoch die Organverfettung oder die Leberenzymwerte; bei chronischer Hepatitis B blieb die Viruslast unbeeinflusst, und bei alkoholischer Hepatitis zeigte sich kein Unterschied zu Placebo.

Bei Infektionen deuten zwei Studien auf Linderungseffekte hin, etwa durch ein Mischpräparat aus Schwarzkümmel und Chanca Piedra, das bei Mandelentzündungen Schluckbeschwerden linderte und den Bedarf an Schmerzmitteln verringerte.

Zu Blutzucker- und Stoffwechselparametern existieren drei Studien mit ersten Anhaltspunkten. Die wissenschaftliche Beweiskraft wird für Phyllanthus niruri insgesamt als gering bis mittel eingestuft, wenngleich die Verträglichkeit in den Erhebungen überwiegend gut war und keine schwerwiegenden Ereignisse auftraten.

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