EBV und MS: T-Zellen bei Patienten doppelt so aktiv wie bei Gesunden
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 00:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Forscher haben jetzt den zellulären Mechanismus entschlüsselt.
Eine Studie im Fachjournal Science Translational Medicine vom 15. Juli 2026 zeigt: Das Virus aktiviert spezifische CD4+ T-Zellen. Diese greifen in der Folge die Myelinscheiden der Nerven an. Bei MS-Patienten war die Aktivität dieser T-Zellen doppelt so hoch wie bei Gesunden.
Die Immunantwort richtet sich vor allem gegen lytische Proteine des Virus. Das erklärt, warum eine EBV-Infektion oft Jahre vor dem MS-Ausbruch liegt.
Therapieansätze: Alte Wirkstoffe, neue Erkenntnisse
Die Forschung analysierte auch die Wirkung etablierter Behandlungen. Eine Anti-CD20-Therapie senkt die CD4+ T-Zell-Antwort um den Faktor 2,5. Gleichzeitig reduzierte sich die EBV-Ausscheidung im Speichel – oder verschwand ganz.
Ein neuer Wirkstoff namens Frexalimab rückt in den Fokus. Er blockiert gezielt die Aktivität der CD4+ T-Zellen und unterbricht so die entzündliche Kaskade.
Die Entschlüsselung dieser Mechanismen ebnet den Weg für EBV-spezifische Antivirika und Impfstoffe. Diese könnten künftig die herkömmliche Immunsuppression ergänzen oder ersetzen.
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Virus allgegenwärtig – aber kaum einer erkrankt
Das Epstein-Barr-Virus ist weltweit verbreitet: Rund 90 Prozent der Menschen tragen es in sich. Trotzdem erkranken nur wenige an Multipler Sklerose – weltweit etwa 2,9 Millionen Menschen, davon eine Million in den USA.
Eine wegweisende Untersuchung aus dem Jahr 2022 zeigte: Eine EBV-Infektion steigert das MS-Risiko um das 32-fache.
Eine weitere Studie in Cell Genomics vom 15. Juli 2026 liefert ergänzende Erkenntnisse. Das Virus beeinflusst die menschliche Genregulation massiv. Virale Proteine binden sich an spezifische Regionen des Genoms und steuern Gene. Das betrifft nicht nur MS, sondern auch andere Autoimmunerkrankungen und bestimmte Krebsarten.
Nächste Herausforderung: Prävention
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Die Forschung hat die mechanistischen Details der T-Zell-Aktivierung geklärt. Die nächste große Herausforderung bleibt die Entwicklung präventiver Maßnahmen.
Die Identifizierung der exakten Proteine, die die Immunattacke auslösen, ermöglicht eine präzisere Zielsetzung für künftige Impfstoffe. Wissenschaftler sehen darin den Schlüssel, um die Entstehung von Multipler Sklerose künftig zu verhindern.
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