E-Zigaretten: Umstieg erhöht Lungenkrebsrisiko um 56 Prozent
21.06.2026 - 17:43:45 | boerse-global.de
Aktuelle Studien belegen: Wer von Zigaretten auf E-Zigaretten umsteigt, senkt sein Lungenkrebsrisiko nicht – sondern erhöht es deutlich.
Lungenkrebsrisiko steigt rapide
Eine groß angelegte Untersuchung der Seoul National University und der Hallym University wertete Daten von rund 4,5 Millionen Personen aus. Das Ergebnis: Der Wechsel vom Rauchen auf E-Zigaretten erhöht das Lungenkrebsrisiko um 56 Prozent im Vergleich zu einem vollständigen Rauchstopp.
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Das allgemeine Sterberisiko liegt bei E-Zigaretten-Nutzern sogar doppelt so hoch wie bei Menschen, die komplett mit Nikotin aufgehört haben. Besonders alarmierend: Bei Personen mit ohnehin erhöhtem Risiko stieg die Krebsgefahr um 91 Prozent, die Sterblichkeit um 92 Prozent.
Eine am 19. Juni in Nature Medicine veröffentlichte Analyse bestätigt diese Zahlen. „Das Lungenkrebsrisiko nach einem Umstieg verschwindet nicht“, betonen die Autoren. Der vollständige Verzicht bleibe die einzig sichere Option.
Noch gefährlicher ist der sogenannte Doppelkonsum – die gleichzeitige Nutzung von E-Zigaretten und herkömmlichem Tabak. Laut Prof. Freddy Sitas kann dieser das Lungenkrebsrisiko sogar vervierfachen.
Giftcocktail für Herz und Organe
Die Gefahren beschränken sich nicht auf Krebs. Dr. Ha Anh Duc vom vietnamesischen Gesundheitsministerium warnt vor der systemischen Toxizität der Inhaltsstoffe. Nikotin mache nicht nur stark süchtig – es sei giftig für Herz, Atemwege, Immunsystem, Nieren und Fortpflanzungsorgane.
Der Nikotingehalt in E-Zigaretten liegt oft über dem von herkömmlichen Zigaretten. Synthetische Nikotinsalze werden besonders schnell vom Körper aufgenommen.
Eine aktuelle Studie belegt zudem: Menthol und synthetische Kühlmittel in E-Zigaretten stören die elektrische Herzaktivität. Die Folge: erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern. Während viele Aromen bereits reguliert sind, bleiben synthetische Kühlmittel oft unkontrolliert.
Neue Suchtgefahr bei Jugendlichen
Suchtexperten schlagen Alarm: Snus und Nikotinbeutel werden bei Jugendlichen immer beliebter. Christoph Simbeck von der Suchtberatungsstelle neon in Rosenheim beobachtet einen paradoxen Trend.
Der klassische Zigarettenkonsum bei jungen Menschen hat einen historischen Tiefstand erreicht. Doch Ersatzprodukte boomen.
Der Verkauf dieser Beutel ist in Deutschland verboten – über Online-Kanäle sind sie dennoch leicht zugänglich. Da der Konsum diskret erfolgt, bleibt er oft unerkannt.
Die hohe Nikotindosis führt bei Erstkonsumenten häufig zu Kreislaufzusammenbrüchen. Martina Löwe, Geschäftsführerin der Krebshilfe, warnt vor einer neuen Generation von Abhängigen.
Steuererhöhung geplant – Widerstand in der Union
Die gesundheitlichen Folgen haben auch handfeste ökonomische Konsequenzen. Tabakbedingte Erkrankungen verursachen jährlich Kosten von rund 30 Milliarden Euro.
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Der Suchtbeauftragte Hendrik Streeck fordert gemeinsam mit der Bundesärztekammer höhere Steuern auf Tabak und Alkohol. Höhere Preise sollen besonders Jugendliche schützen.
Ein Entwurf des Bundesfinanzministeriums sieht eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer bis 2030 vor. Der Preis für eine Standardpackung mit 20 Zigaretten soll von 8,80 Euro (2027) auf 11,40 Euro (2030) steigen. Die erwarteten Mehreinnahmen: 756 Millionen Euro im Jahr 2027, bis zu 3,6 Milliarden Euro im Jahr 2030.
Doch innerhalb der Unionsfraktion regt sich Widerstand gegen die Pläne.
