E-Rechnungspflicht, Firmen

E-Rechnungspflicht 2027: 92 Prozent der Firmen bereits bereit

16.06.2026 - 21:25:02 | boerse-global.de

Studien zeigen starkes Wachstum bei Digital Organizing und Managed Workplace Services, während die öffentliche Verwaltung bei der Digitalisierung zurückbleibt.

Digitalisierung in Deutschland: Privatwirtschaft wächst, Verwaltung hinkt
E-Rechnungspflicht - An abstract visual representing digital data organization and growth, with glowing lines connecting file icons in a modern office. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleich mehrere Studien und Marktanalysen vom Juni 2026 zeichnen ein differenziertes Bild: Während private Unternehmen und Dienstleister kräftig wachsen, hinkt die öffentliche Verwaltung weiter hinterher.

Digital Organizing: Nischenmarkt mit 9,2 Prozent Wachstum

Der Markt für professionelle digitale Ordnungsdienste in Deutschland wächst stetig. Zwischen 2026 und 2033 rechnen Analysten mit einer jährlichen Wachstumsrate von 9,2 Prozent. Treiber sind die zunehmende Komplexität von Remote-Arbeitsplätzen und der Einzug von Künstlicher Intelligenz in alltägliche Arbeitsabläufe.

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Das Angebot umfasst die professionelle Verwaltung von Dateien, E-Mail-Systemen und Fotobibliotheken – inklusive Backup-Lösungen für Papierdokumente. Zu den führenden Anbietern zählen EverPresent, O.C.D. Experience und ilios Digital Organizing.

Interessant: Der gesamteuropäische Markt wächst mit prognostizierten 12,7 Prozent noch schneller. EverPresent erzielt hier rund 10 Millionen Euro Umsatz, gefolgt von Get Organized mit 6 Millionen und O.C.D. Experience mit 5 Millionen Euro.

Managed Workplace Services: Mittelstand als Wachstumstreiber

Eng verknüpft mit dem Digital-Organizing-Markt ist der Bereich der Managed Workplace Services. Dieser Sektor wurde 2025 in Deutschland auf umgerechnet rund 5,5 Milliarden Euro geschätzt. Bis 2035 soll er auf knapp 14 Milliarden Euro anwachsen – ein jährliches Plus von 10,1 Prozent.

Den Löwenanteil halten mit 37,5 Prozent die Managed Device Services. Besonders mittelständische Unternehmen treiben die Nachfrage: Sie wachsen mit 11,2 Prozent am schnellsten. Zu den großen Playern gehören Deutsche Telekom, Bechtle, Atos und Fujitsu.

Der gesamte deutsche ICT-Markt (Informations- und Kommunikationstechnologie) soll von umgerechnet 212 Milliarden Euro (2025) auf 620 Milliarden Euro (2035) klettern.

IT-Dienstleister: Erholung nach schwachem 2025

Nach einem durchwachsenen Jahr 2025 mit nur 2,9 Prozent Wachstum zeichnet sich für die IT-Dienstleister eine Erholung ab. Für 2026 prognostizieren die Marktforscher von Lünendonk eine Wachstumsrate von 7,5 Prozent.

Marktführer Accenture hielt sich mit Erlösen von 3,6 Milliarden Euro stabil. Ein grundlegender Wandel zeichnet sich am Arbeitsmarkt ab: Mehr als die Hälfte der IT-Dienstleister erwartet bis 2028 einen sinkenden Bedarf an klassischen Softwareentwicklern. Automatisierung und KI ersetzen zunehmend traditionelle Programmierarbeit.

Gefragt bleiben dagegen Cloud-Migrationen und der Einsatz von KI-Agenten zur Produktivitätssteigerung – besonders in kleinen und mittleren Unternehmen.

E-Rechnung: Fast alle Unternehmen sind bereit

Die gesetzliche Pflicht zur E-Rechnung wirkt als Digitalisierungsbeschleuniger. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen elektronische Rechnungen empfangen können. Rund 92 Prozent der 3,5 Millionen deutschen Firmen erfüllen diese Vorgabe inzwischen.

Im B2B-Bereich dominiert das ZUGFeRD-Format mit einem Anteil von 73 Prozent. Die nächsten Meilensteine stehen bereits fest:
- 1. Januar 2027: Pflicht zur Ausstellung von E-Rechnungen für Firmen mit über 800.000 Euro Umsatz
- 1. Januar 2028: Pflicht für alle Unternehmen, Rechnungen müssen dann dem EN-16931-Standard entsprechen

Hinzu kommen neue Compliance-Anforderungen durch den EU AI Act und die DSGVO. Unternehmen müssen künftig dokumentieren, welche Verantwortlichkeiten sie beim Einsatz von KI-Tools Dritter übernehmen.

Öffentliche Verwaltung: Digitalisierung auf Sparflamme

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Während die Privatwirtschaft voranschreitet, stockt die Digitalisierung der öffentlichen Hand. Die Mittel für das Onlinezugangsgesetz (OZG) sind drastisch gekürzt worden: von 377 Millionen Euro (2023) auf gerade einmal 3,3 Millionen Euro.

Das hat Folgen: Zwar wünschen sich 70 Prozent der Bürger digitale Behördendienste, doch nur 19 Prozent empfinden die Verwaltung als effizient. Hinzu kommt eine drohende Personalkrise: Bis 2030 könnten schätzungsweise 730.000 Stellen unbesetzt bleiben, weil rund ein Drittel der Behördenmitarbeiter in den Ruhestand geht.

Einige Kommunen testen bereits KI-Tools wie ChatGPT oder Gemini unter strengen Datenschutzauflagen. Doch föderale Strukturen und fehlende einheitliche Systeme bremsen den Fortschritt. Die digitale Verwaltung bleibt damit die größte Baustelle der deutschen Digitalisierung.

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