E-ID-Verschiebung, Schweiz

E-ID-Verschiebung: Schweiz stoppt Start wegen KI-Sicherheitsrisiken

30.06.2026 - 19:34:40 | boerse-global.de

Die Schweiz verschiebt den Start der nationalen digitalen Identität aufgrund neuer Bedrohungen durch Deepfakes und KI-gestützte Angriffe.

Schweiz stoppt E-ID-Einführung wegen KI-Sicherheitsrisiken
E-ID-Verschiebung - Leuchtendes digitales Vorhängeschloss-Symbol mit Schweizer Kreuz, überlagert von abstrakten Datenströmen und Binärcode, symbolisiert digitale Sicherheit. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Grund sind wachsende Sicherheitsrisiken durch Künstliche Intelligenz.

Das Bundesamt für Justiz (BJ) gab heute bekannt, dass der für die zweite Jahreshälfte 2026 geplante Start der E-ID auf unbestimmte Zeit verschoben wird. Neue Bedrohungen durch Deepfakes und hochentwickelte Schadsoftware hätten eine umfassende Sicherheitsüberprüfung erzwungen, so die Behörde. Ein konkretes neues Datum für den Launch steht noch nicht fest.

Sicherheit vor Zeitplan

Die Entscheidung fiel nach einer Risikobewertung, die die rasanten Fortschritte im Bereich der KI-Technologie berücksichtigt. Eine interdepartementale Arbeitsgruppe arbeitet derzeit an technischen Lösungen, um die digitale Identität gegen diese neuartigen Formen der Cyberkriminalität zu wappnen.

„Der Schutz der Daten und die Integrität des Systems haben absoluten Vorrang vor dem ursprünglichen Zeitplan“, betont das BJ. Während die eigentliche E-ID auf sich warten lässt, bleibt die Entwicklung der zugrunde liegenden Vertrauensinfrastruktur im Plan. Dieses technische Fundament, das später auch andere digitale Ausweise wie den Führerschein unterstützen soll, wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 betriebsbereit sein.

Anzeige

Viele Schweizer Unternehmen verstoßen unwissentlich gegen das neue Datenschutzgesetz. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, welche revDSG-Vorgaben Sie sofort umsetzen müssen – bevor es teuer wird. revDSG-Vorgaben jetzt rechtssicher umsetzen

Technologische Unabhängigkeit von US-Konzernen

Die Schweiz geht bei der digitalen Identität einen eigenen Weg und setzt auf technologische Souveränität. Anders als Italien und die Niederlande, die auf die Google Play Integrity API oder Apples Managed Device Attestation setzen, lehnt die Schweiz diese proprietären Lösungen ab. Die Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen will man vermeiden.

Stattdessen nutzen die Schweizer Entwickler die Hardware Attestation API von Android. Branchenbeobachter hatten zuvor darauf hingewiesen, dass die Abhängigkeit von Big-Tech-Schnittstellen Nutzer von „entgoogelten“ oder alternativen Betriebssystemen ausschließen könnte – ein Risiko, das das Schweizer Modell nun umgehen will.

Europäische Entwicklungen und Datenschutzbedenken

Die Entwicklungen in der Schweiz fallen in eine Zeit des Umbruchs in der gesamten europäischen Digital-Identitätslandschaft. Rumänien kündigte kürzlich an, das deutsche Open-Source-Modell für die EU Digital Identity (EUDI) Wallet zu übernehmen. Die technische Infrastruktur für das rumänische Projekt stellt die youniqx Identity bereit, eine Tochter der Österreichischen Staatsdruckerei.

Doch der ausbau digitaler Identitätssysteme stößt auf Widerstand. Zehn Nichtregierungsorganisationen, darunter der Chaos Computer Club (CCC) und European Digital Rights (EDRi), warnen vor einer Aushöhlung des Datenschutzes. Kritiker bemängeln, dass die jüngsten Durchführungsrechtsakte für die EUDI Wallet die Privatsphäre schwächen. Konkret geht es um die Einführung verpflichtender biometrischer Gesichtsbilder und die Abschwächung der „Unlinkability“-Anforderungen. Die Maßnahmen könnten digitale Brieftaschen zu Werkzeugen der staatlichen Überwachung machen, befürchten die Organisationen.

Anzeige

Während staatliche Systeme verzögert werden, müssen Organisationen das revidierte Datenschutzgesetz bereits heute meistern. Dieser kostenlose Leitfaden für nationale und internationale Organisationen in der Schweiz bietet bewährte Selbstchecks und Auditing-Tipps für die Praxis. Gratis-Leitfaden zum Schweizer revDSG sichern

Technische Hürden und Betrugsprävention

Die technischen Anforderungen für digitale ID-Projekte werden immer strenger. Aktuelle EUDI-Wallet-Versionen für iOS und Android setzen Geräte mit den neuesten Sicherheitsupdates voraus und nutzen Nahfeldkommunikation (NFC), um physische Ausweise zu scannen.

Um das Risiko eines durch Deepfakes unterstützten Identitätsdiebstahls zu minimieren, setzen die Entwickler auf eine sechsstellige Sicherheits-PIN statt auf biometrische Entsperrung. Diese Vorsichtsmaßnahme spiegelt einen wachsenden Konsens unter europäischen Regulierungsbehörden wider: Die biometrische Verifizierung auf persönlichen Geräten gilt angesichts KI-generierter Manipulationen derzeit als zu anfällig.

de | wissenschaft | 69663009 |