E-Government: Deutschland rutscht auf Platz 22, BundID scheitert bei Nutzern
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 22:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat im Rahmen einer aktuellen Erhebung zur Leistungsfähigkeit der digitalen Verwaltung ein kritisches Zeugnis für Deutschland ausgestellt.
Im E-Government-Vergleich der 27 EU-Staaten belegt die Bundesrepublik für das Jahr 2026 den 22. Platz. Damit verschlechterte sich das Land im Vergleich zum Vorjahr um eine Position. Die EU-Kommission führt dieses Ergebnis insbesondere auf die mangelhafte Nutzererfahrung bei digitalen Identitätssystemen wie der BundID zurück.
Probleme bei der Nutzerakzeptanz der BundID
Analysen von NExT verdeutlichen die Hürden bei der Anwendung digitaler Behördengänge. Von insgesamt 940.000 Nutzern, die versuchten, die Online-Kfz-Zulassung in Anspruch zu nehmen, schlossen lediglich 15 % den notwendigen Anmeldungsprozess über die BundID erfolgreich ab.
Ein Praxistest des DigitalService unterstreicht diese Schwierigkeiten: Von sechs Probanden gelang es lediglich zwei Personen, innerhalb einer Stunde ein BundID-Konto einzurichten.
In der Praxis weichen Bürger häufig auf alternative Identifizierungsverfahren aus, sofern diese zur Verfügung stehen. Daten aus der Stadt Wiesbaden belegen diesen Trend.
Bei der Online-Eheschließung nutzten 9.000 Personen das Video-Ident-Verfahren, während lediglich 600 Nutzer den elektronischen Personalausweis (e-Perso) verwendeten. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Wohnsitzummeldung: Hier standen 3.500 Identifizierungen per Video-Ident 2.000 Nutzungen des e-Perso gegenüber.
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Start der nationalen EUDI-Wallet d-you für 2027 angekündigt
Um die Digitalisierung der Identitätsnachweise voranzutreiben, stellte Digitalminister Karsten Wildberger Anfang September 2026 die App „d-you“ vor. Dabei handelt es sich um die deutsche Umsetzung der sogenannten EUDI-Wallet. Die Anwendung soll laut Planungen zum 2. Januar 2027 in Deutschland starten. Die Nutzung der App ist als freiwilliges und kostenloses Angebot konzipiert.
Zum Start soll die Wallet Funktionen wie den Altersnachweis, digitale Vertragsabschlüsse und die Eröffnung von Bankkonten unterstützen. Zudem ist vorgesehen, Dokumente wie den Personalausweis, den Führerschein, Gesundheitskarten und Mitgliedsausweise verschlüsselt auf dem Smartphone zu speichern.
Auch Zahlungen sollen über die App möglich sein. Zu den rund 40 Launch-Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung gehören unter anderem die Deutsche Post, Vodafone, Rossmann, die Bundesagentur für Arbeit, die Deutsche Rentenversicherung sowie mehrere Sparkassen und Universitäten.
Rechtliche Rahmenbedingungen und technische Bedenken
Die Entwicklung der d-you Wallet erfolgt innerhalb des POTENTIAL-Konsortiums, an dem 20 Länder beteiligt sind. Deutschland hat für entsprechende Projekte bis zum Jahr 2026 rund 79,3 Millionen Euro bereitgestellt.
Flankierend hat das Bundeskabinett das Digitale Identitätengesetz (DIdG) auf den Weg gebracht. Dieses sieht unter anderem vor, dass der Personalausweis bei einer Beantragung ab dem 70. Lebensjahr künftig unbegrenzt gültig bleibt. Zudem entfällt die Pflicht, den Wohnort im Reisepass nach einem Umzug zwingend zu aktualisieren.
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Trotz der geplanten Einführung gibt es fachliche Kritik an der technischen Architektur. IT-Forscher, Datenschützer und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bewerten die Nutzung signierter Daten (Signed Credentials) als riskant.
Die verantwortliche Entwicklerfirma, Common Codes GmbH, suchte bereits Monate vor dem geplanten Start nach externem Fachpersonal. Sollten verbleibende Restrisiken nicht ausgeräumt werden können, gilt eine Verschiebung des Starttermins als möglich.
Parallel dazu drängt die Europäische Union auf eine zeitnahe Umsetzung digitaler Identitäten. Eine entsprechende Richtlinie verlangt nationale Lösungen bis Weihnachten 2026. In Österreich muss beispielsweise das System ID Austria bis zum 24. Dezember 2026 an die Anforderungen von eIDAS 2.0 angepasst werden. Bis zum Jahr 2030 soll die EU-Digital-ID flächendeckend auf Smartphones verfügbar sein.
