E-Bikes, Hälfte

E-Bikes ab 65: Fast die Hälfte der schwer verletzten Fahrer ist über 75

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute empfehlen passende Ausstattung und regelmäßige Wartung; Ulm begrenzt das Abstellen von Leih-Pedelecs und E-Tretrollern.

E-Bikes im Alter: Sicherheit, Technik und kommunale Regeln im Fokus
Ein sonniger, asphaltierter Radweg in einem ruhigen Stadtpark mit herbstlichen Bäumen. Illustration mit AI erstellt.

Die Nachfrage nach elektrischer Unterstützung auf zwei Rädern wächst kontinuierlich, rückt jedoch gleichzeitig spezifische Zielgruppen in den Fokus von Fachleuten und Kommunen.

Wie aktuelle Kaufberatungen und Auswertungen zeigen, spielen bei älteren Menschen ab 65 Jahren technische Anpassungen am Rad sowie Sicherheitsvorkehrungen eine zentrale Rolle. Parallel dazu reagieren Städte und Gemeinden mit veränderten Verkehrs- und Abstellregeln auf die wachsende Zahl motorisierter Zweiräder.

Technische Kriterien für die Generation 65+

Bei der Anschaffung eines Pedelecs stehen für ältere Fahrerinnen und Fahrer ergonomische und fahrdynamische Merkmale im Vordergrund. Laut Berichten von Ende September 2026 erleichtert insbesondere ein Tiefeinsteiger-Rahmen das Auf- und Absteigen im Alltag deutlich. Da E-Bikes typischerweise zwischen 20 und 28 kg wiegen, raten Fachberater zu hydraulischen Scheibenbremsen, um das höhere Gewicht zuverlässig zu verzögern.

Für den alltäglichen Einsatz reicht in den meisten Fällen ein Akku mit einer Kapazität von 400 Wh aus. Zwar besteht für Pedelecs mit einer Motorunterstützung bis 25 km/h in Deutschland rechtlich keine Helmpflicht, das Tragen eines Helms wird jedoch dringend empfohlen.

Neben Neufahrzeugen wie dem Kalkhoff Endeavour, dem Bergamont E-Horizon oder dem Riese & Müller Swing bieten zunehmend auch wiederaufbereitete Refurbished-Modelle wirtschaftliches Sparpotenzial.

Gesundheitliche Chancen und steigende Unfallrisiken

Aus sportmedizinischer Sicht bietet die motorisierte Mobilität erhebliche gesundheitliche Vorteile. Sportmediziner Dr. Manfred Achten betont, dass das Fahren mit dem E-Bike gelenkschonend wirkt sowie Herz und Kreislauf stärkt. Es eignet sich besonders für Übergewichtige, Herz-Kreislauf-Geschwächte, Diabetiker, Ältere und Untrainierte.

Da der Motor bei 25 km/h abriegelt, verlangt ein höheres Tempo eigene Muskelkraft, was einen spürbaren Trainingseffekt ermöglicht. Empfohlen werden hierbei 30 Minuten moderate Bewegung täglich.

Gleichzeitig verweist Achten auf ein deutlich erhöhtes Unfallrisiko. Bereits 2021 zeigte sich trotz eines Corona-bedingt geringeren Verkehrsaufkommens ein signifikanter Anstieg tödlich verunglückter E-Bike-Fahrer.

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Besonders alarmierend ist die Statistik bei älteren Jahrgängen: Der Anteil der über 75-Jährigen an den Schwerverletzten liegt bei fast 50 Prozent, obwohl sie diesen Anteil unter den Nutzern nicht abbilden.

E-Bike-Fahrende verletzen sich im Schnitt schwerer als Nutzer klassischer Räder, wobei die Mehrzahl der Stürze ohne Unfallgegner geschieht und die Ursachen häufig beim Fahrenden selbst liegen. Angesichts dieser Lage fordert der Sportmediziner eine Helmpflicht sowie verpflichtende Fahrradtrainings oder einen Führerschein für motorunterstützte Zweiräder.

Akkupflege und Wartungsintervalle

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Instandhaltung der Technik. Der TÜV-Verband rät über seinen Referenten für nachhaltige Mobilität, Robin Zalwert, Lithium-Ionen-Akkus optimal bei einem Ladestand von 20 bis 80 Prozent und bei Raumtemperatur zu lagern.

Eine Tiefentladung führe zu irreversiblen Schäden; geladen werden sollte zudem stets auf einer nicht brennbaren Unterlage mit dem Originalgerät. Wegen des höheren Tempos und Gewichts verschleißen Bremsbeläge an E-Bikes schneller, weshalb die Prüforganisation eine Inspektion einmal im Jahr oder alle 1.000 bis 1.500 km empfiehlt.

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Die Stiftung Warentest ergänzt in Ausgabe 9/26, dass E-Bikes oft 25 kg und mehr wiegen, was Bremswege verlängert. Für die Akkulagerung empfiehlt das Institut einen Ladestand von 40 bis 60 Prozent bei 10 bis 20 Grad Celsius.

Kalte Batterien sollten vor dem Laden auf über 0 Grad, besser auf 10 bis 15 Grad aufgewärmt werden. Hersteller nennen in der Regel 500 bis 1.000 Ladezyklen. Nach etwa fünf Jahren kann ein neuer Akku fällig werden, dessen Nachkauf je nach Modell rund 600 bis 1.200 Euro kostet.

Kommunale Initiativen für mehr Fußgängersicherheit

Mit der Zunahme elektrisch unterstützter Zweiräder und Scooter passen auch Kommunen ihre Vorgaben an. So hat die Stadt Ulm für gemietete Pedelecs und E-Tretroller feste Parkinseln in der Innenstadt eingeführt, außerhalb derer sich ein Leihvorgang digital nicht mehr beenden lässt, um Gehwege und Zugänge für Zufußgehende freizuhalten.

Auch in Wolfenbüttel thematisierte die Politik zuletzt vermehrt das Risikopotenzial im Bereich der Fußgängerzonen, insbesondere mit Blick auf Senioren und in der Mobilität eingeschränkte Passanten.

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