Drohnenlogistik: Irland stoppt Manna-Hub wegen 216 Einwände
16.06.2026 - 22:50:38 | boerse-global.de
Die kommerzielle Drohnenlogistik steckt in einem Dilemma: Während Investoren Milliarden in die Zukunft der Luftfracht pumpen, bremsen lokale Behörden und Anwohner das Tempo der neuen Technologie aus.
Irland: Planungsstopp für Manna-Drohnen
Am heutigen Dienstag hat der Dún Laoghaire-Rathdown County Council die Baugenehmigung für ein Drohnen-Hub von Manna Drones im Dubliner Stadtteil Dundrum verweigert. Die Begründung der Behörde: unzureichende Nachweise zu Lärmbelastung und möglichen Auswirkungen auf die lokale Artenvielfalt. Besonders bemerkenswert: 216 formelle Einwände gingen gegen das Projekt ein. Anwohner und Gemeindevertreter wie Monsignore Paul Callan von der Holy Cross Church hatten Bedenken wegen Privatsphäre, Sicherheit und der akustischen Belastung geäußert.
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Manna plante am Standort 288 Flüge pro Tag. Das Unternehmen betonte, interne Prüfungen hätten keine erheblichen negativen Auswirkungen ergeben – doch der Rat sah die eingereichten Gutachten als unzureichend an. Erst am Montag hatte der Fingal County Council die nachträgliche Genehmigung für ein bestehendes Manna-Hub im Industriegebiet Coolmine verweigert. Auch dort waren Lärmbeschwerden ausschlaggebend – obwohl die Anlage seit Anfang 2024 über 82.000 Lieferungen im Großraum Dublin abgewickelt hatte.
Milliardenschwere Investitionen, tiefrote Zahlen
Trotz dieser Rückschläge fließt weiterhin Kapital in die Branche. Manna sicherte sich kürzlich eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro und kündigte 400 neue Stellen an. Doch die Bilanz zeigt die Kehrseite: Im Geschäftsjahr 2024 verbuchte das Unternehmen einen Vorsteuerverlust von 16,9 Millionen Euro – ein Anstieg um 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Umsätze stiegen zwar von mageren 20.439 Euro (2023) auf 136.004 Euro (2024), doch die kumulierten Verluste belaufen sich inzwischen auf 50 Millionen Euro. Allein für Forschung und Entwicklung gab Manna 2024 rund 2,37 Millionen Euro aus.
Der globale Markt spiegelt diesen trend wider: 2025 erreichten die Investitionen in die Drohnenindustrie mit 3,86 Milliarden Euro einen Rekordwert. In den ersten zwei Monaten 2026 kamen weitere 1,7 Milliarden Euro hinzu. Analysten erwarten ein jährliches Wachstum von sieben bis zehn Prozent – bis 2050 soll die weltweite Drohnenflotte auf über 5,6 Millionen Einheiten anwachsen.
Neue Regeln für den Luftraum
International arbeiten Aufsichtsbehörden an klaren Rahmenbedingungen für BVLOS-Flüge – also Einsätze außerhalb der Sichtweite des Piloten. Sie gelten als entscheidend für die wirtschaftliche Rentabilität der Drohnenlogistik. In den USA finalisiert die Luftfahrtbehörde FAA derzeit die sogenannten „Part 108"-Regeln, die noch in diesem Jahr in Kraft treten sollen. Anfang 2026 waren in den USA bereits mehr als 800.000 Drohnen registriert.
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Am heutigen Dienstag unterzeichneten zudem EY und Lalamove eine Absichtserklärung zur Entwicklung von Drohnenlogistik-Lösungen in Hongkong und der Greater Bay Area. Ziel ist die Kombination von Luft- und Bodentransport für Geschäftskunden. Einen Tag zuvor hatte Indonesiens Luftfahrtbehörde die weltweit erste eVTOL-Typenzulassung im Ausland an den Schwerlasttransporter AutoFlight V2000CG CarryAll vergeben – ein Präzedenzfall für die Region.
Industrie rüstet auf – trotz lokaler Widerstände
Die Hersteller und Händler bereiten sich trotz der aktuellen Gegenwinde auf den Massenbetrieb vor:
Walmart kündigte an, 2027 in Phoenix einen Drohnen-Lieferdienst unter dem Namen „Wing" zu starten. Das Unternehmen verspricht eine Verkürzung der Lieferzeiten um 40 Prozent für Bestellungen über 35 Euro. Aktuell arbeiten die Drohnenlieferungen des Einzelhandelsriesen allerdings noch mit einem geschätzten Nettoverlust von 1,20 Euro pro Transaktion.
Rheinmetall und ERC System gaben am Montag eine Partnerschaft mit Nordrhein-Westfalen bekannt. Gemeinsam entsteht ein deutscher Produktionsstandort für die Schwerlastdrohne Victor U250. Das Fluggerät soll 250 Kilogramm Nutzlast über 300 Kilometer transportieren können – erste Auslieferungen sind für 2028 geplant.
Amazon meldet positive Kundenrückmeldungen für seine Drohnenlieferungen. Doch in Richardson, Texas, beschwerten sich Anwohner am Montag über Flughöhen und permanenten Lärm. Der Konzern reagierte und passte die Flugrouten an.
Branche sucht den Drahtseilakt
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Von 540 Pilotprojekten, die 2025 weltweit starteten, erlitten rund 43 Prozent erhebliche Verzögerungen durch Genehmigungs- und Zertifizierungsverfahren. Die größte Herausforderung für die Branche bleibt die Quadratur des Kreises: wirtschaftliche Effizienz und gesellschaftliche Akzeptanz unter einen Hut zu bringen.
