Drohnen-Boom, Taiwan

Drohnen-Boom: Taiwan investiert 5,8 Milliarden Euro bis 2030

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 19:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Taiwan entwickelt eigene Roboter-Hunde und baut Drohnenindustrie massiv aus, um Lieferketten zu sichern und neue Exportmärkte zu erschließen.

Taiwan baut eigene Roboter-Hunde und Drohnen für Unabhängigkeit
Fortschrittlicher industrieller vierbeiniger Roboter in einer modernen High-Tech-Fabrik in Taiwan. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Taiwan will mit eigenen Roboter-Hunden und Drohnen die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten reduzieren.

Das Wirtschaftsministerium (MOEA) und das staatliche Forschungsinstitut ITRI haben einen 18-monatigen Entwicklungszyklus für eine neue, offene Roboter-Plattform abgeschlossen. Ziel ist ein komplett eigenständiges Ökosystem für vierbeinige Roboter und unbemannte Systeme.

Zwei Prototypen für unterschiedliche Einsätze

Die Zusammenarbeit zwischen ITRI und einem Konsortium taiwanesischer Elektronikhersteller – darunter Solomon Technology, Compal Electronics, Inventec, Nexcom und Teco – hat zwei verschiedene Roboter-Hunde-Prototypen hervorgebracht. Ein Modell ist für schwere Aufgaben ausgelegt und trägt bis zu 20 Kilogramm Nutzlast. Es soll bei Feuerwehreinsätzen und Industrietunnel-Inspektionen zum Einsatz kommen. Ein zweites, kleineres Modell konzentriert sich auf Beweglichkeit und autonome Navigation in komplexen Umgebungen.

Entwickelt wurden die Systeme mit Hochleistungsrechnern, darunter Nvidias Taipei-1-Supercomputer. Taiwans Industrie setzt bewusst auf „nicht-menschliche" Designs für industrielle und militärische Anwendungen – nicht auf Spielzeug für Verbraucher. Durch die Konzentration auf kritische Komponenten und lokale Fertigung wollen die Unternehmen Produkte anbieten, die den Sicherheitsanforderungen globaler Partner gerecht werden, die nach Alternativen zu chinesischer Hardware suchen.

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Milliarden-Investitionen in Drohnen-Industrie

Der Vorstoß bei den Roboter-Hunden fällt mit einem massiven Ausbau der taiwanesischen Drohnenindustrie zusammen. Die Regierung will im Rahmen eines Sechs-Jahres-Plans umgerechnet rund 5,8 Milliarden Euro in den Sektor investieren. Die Strategie zeigt bereits kommerzielle Erfolge: Im ersten Quartal 2026 übertrafen Taiwans Drohnenexporte bereits den gesamten Exportwert des Jahres 2025.

Die aktuelle Produktionskapazität von rund 15.000 Drohnen pro Monat soll sich bis 2030 versiebenfachen. Die Hälfte der Produktion ist für den Export bestimmt. Die „Taiwan Excellence Drone Alliance" ist inzwischen auf über 200 Mitglieder angewachsen. Auf der Verteidigungsseite haben aktuelle Prüfungen des Rechnungshofs einen erhöhten Bedarf an Abwehrmaßnahmen gegen KI-gesteuerte und Hochfrequenz-Drohnen aufgezeigt. Der Exekutiv-Yuan hat daraufhin die Entwicklung lokaler Abwehrsysteme priorisiert.

Europäische Expansion: Kooperation mit Polen

Taiwan sucht auch aktiv internationale Märkte für seine Robotertechnologie. Vom 19. bis 23. Juli 2026 reiste Tainans Bürgermeister Huang Wei-che mit einer Delegation von sechs Spezialunternehmen nach Polen. Dort wurde eine Absichtserklärung mit der Stadt Danzig zur Zusammenarbeit bei intelligenter Fertigung und unbemannten Systemen unterzeichnet.

Zu den teilnehmenden Firmen gehörte Jiandong Precision, das ein intelligentes Fahrgestell speziell für Feuerwehrroboter vorstellte. Tainan organisiert seine Robotikindustrie derzeit in drei Clustern: Shalun für Forschung, Liujia für Prüfung und Liuying für die Produktion. Die Massenproduktion in Liuying soll 2027 beginnen – mit Fokus auf die Industrie- und Sicherheitsmärkte in Osteuropa.

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Roboter gegen Fachkräftemangel

Der Nationale Wissenschafts- und Technologierat (NSTC) hebt die Rolle intelligenter Robotik bei der Bekämpfung regionaler Arbeitskräfteknappheit hervor. Minister Wu Cheng-wen erklärte kürzlich, dass fortschrittliche Service- und Pflegeroboter innerhalb von zwei Jahren auf den kommerziellen Markt kommen sollen.

Der Umsatz in der Seniorentechnologie-Branche, zu der auch KI-gestützte Pflegesysteme gehören, erreichte 2025 umgerechnet rund 9,6 Milliarden Euro. Für 2026 ist ein Ziel von rund 10 Milliarden Euro gesetzt. Erste Implementierungen zeigen deutliche Effizienzgewinne: Einige KI-Pflegesysteme reduzieren den täglichen Verwaltungsaufwand um bis zu 7,5 Stunden – bei hoher Zufriedenheit der Nutzer.

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