Drogentote: 23,2% der 2.150 Fälle 2025 betreffen unter 30-Jährige
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Landeshauptstadt Wiesbaden verfolgt mit der Gesamtstrategie „Suchthilfe und Prävention statt Verdrängung“ einen konzeptionellen Ansatz, der auf einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Dezember 2025 basiert.
Eine im August 2026 vorgelegte Zwischenbilanz gibt Aufschluss über die bisherigen Ergebnisse sowie die geplanten Erweiterungen des städtischen Hilfsangebots. Im Fokus stehen dabei neue Methoden der Schadensminimierung und der Ausbau der sozialen Infrastruktur für Abhängige.
Positive Evaluation des Cannabis-Checking-Pilotprojekts
Ein wesentlicher Bestandteil der bisherigen Umsetzung war ein Pilotprojekt zum sogenannten Cannabis-Checking, das im Zeitraum von Oktober 2025 bis März 2026 durchgeführt wurde. Es handelte sich dabei um das erste Projekt dieser Art im Bundesland Hessen. Ziel des Vorhabens war es, durch Analysen von Substanzen und begleitende Aufklärung die Gesundheitsrisiken für Konsumenten zu senken.
Die Bilanz des Testlaufs weist insgesamt 48 Cannabis-Tests aus, die im Rahmen von neun Veranstaltungen in zwei Clubs vorgenommen wurden. Die begleitende Präventionsarbeit umfasste 520 dokumentierte Gespräche mit Konsumenten.
Den vorliegenden Daten zufolge gab es in keinem der untersuchten Fälle einen Anlass, aus dringenden gesundheitlichen Gründen explizit vom Konsum abzuraten. Während das Projekt für Cannabis erfolgreich evaluiert wurde, zeigt sich in der Praxis ein Bedarf an erweiterten Testmöglichkeiten: Es wurden vermehrt Analysen für Substanzen wie Ecstasy, Amphetamin oder Ketamin nachgefragt.
Derartige Tests sind jedoch nach der aktuellen Rechtslage in Hessen nicht zulässig. Die Fortführung des Hasch-Checks wird mit jährlichen Kosten von etwa 50.000 Euro veranschlagt.
Ausbau der Straßensozialarbeit und Drogenkonsumräume
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Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie liegt auf der Intensivierung der direkten Betreuung im öffentlichen Raum. Derzeit findet die Straßensozialarbeit in Wiesbaden lediglich in einem Umfang von zwei Stunden pro Woche statt. Fachliche Forderungen zielen auf einen massiven Ausbau auf zehn Wochenstunden ab, was mit jährlichen Mehrkosten in Höhe von 132.000 Euro verbunden wäre.
Zusätzlich prüft das Gesundheitsdezernat die Einrichtung eines Drogenkonsumraums. Hierbei stehen zwei Modelle zur Diskussion:
- Eine mobile Variante mit zwei Fahrzeugen würde nach Berechnungen, die sich an einem Berliner Träger orientieren, rund 200.000 Euro in der Anschaffung kosten.
Für den Betrieb wären zudem vier bis fünf zusätzliche Vollzeitstellen erforderlich.
- Eine stationäre Einrichtung wird finanziell deutlich aufwendiger bewertet. Hierfür müssten Mittel im hohen sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen Bereich, etwa um 1 Million Euro, eingeplant werden.
Finanzrahmen und nationale Statistik als Hintergrund
Die Gesamtkosten für die vollständige Umsetzung der Suchthilfe-Strategie werden auf eine Summe zwischen 600.000 Euro und 1,4 Millionen Euro geschätzt. Darin enthalten sind auch begleitende wissenschaftliche Maßnahmen. So ist eine Szenestudie mit Kosten von 90.000 Euro geplant, während ein kontinuierliches Abwassermonitoring jährlich 11.000 Euro erfordern würde.
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Der lokale Handlungsbedarf wird durch bundesweite Entwicklungen unterstrichen. Für das Jahr 2025 wurden in Deutschland insgesamt 2.150 Drogentote registriert. Ein signifikanter Anteil dieser Todesfälle – 23,2 Prozent beziehungsweise fast jeder vierte Betroffene – entfiel auf die Altersgruppe der unter 30-Jährigen.
Über die konkrete Umsetzung und Finanzierung der weiteren Maßnahmen muss die neue Rathauskoalition aus CDU, Grünen, FDP und Volt entscheiden. Angesichts einer angespannten Haushaltslage gilt die Finanzierung der umfangreichen Erweiterungsvorschläge derzeit als noch nicht abschließend gesichert.
