DRAM-Kartell: Samsung, SK Hynix, Micron wegen Preisabsprachen verklagt
29.06.2026 - 23:31:57 | boerse-global.de
Verbraucher und kleine Unternehmen verklagen die drei größten Speicherchip-Hersteller der Welt wegen mutmaßlicher Preisabsprachen.
Die Klage wurde am 25. Juni 2026 beim US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien eingereicht. Sie richtet sich gegen Samsung, SK Hynix und Micron – drei Konzerne, die gemeinsam zwischen 90 und 95 Prozent des globalen DRAM-Marktes kontrollieren. Die 17 Kläger, darunter 14 Privatpersonen und drei kleine PC-Unternehmen, werfen den Herstellern vor, sich koordiniert abgesprochen zu haben, um das Angebot künstlich zu verknappen.
Preisexplosion um 700 Prozent
Die Folgen sind dramatisch: Laut der Klageschrift sind die DRAM-Preise in den vergangenen vier Jahren um rund 700 Prozent gestiegen. Die Hersteller hätten die Produktion gedrosselt und damit die Knappheit bewusst herbeigeführt. „Das ist kein normaler Marktzyklus mehr, sondern systematische Marktmanipulation“, argumentieren die Kläger.
Besonders perfide: Die Unternehmen sollen den KI-Boom als Vorwand genutzt haben. Angeblich haben sie rund 25 Prozent ihrer DRAM-Wafer-Kapazität auf High Bandwidth Memory (HBM) umgestellt – jene Speicherchips, die für KI-Anwendungen unverzichtbar sind. Die Folge: Die Produktion von Standard-DDR3- und DDR4-Modulen für PCs und Unterhaltungselektronik wurde drastisch zurückgefahren.
KI als Deckmantel für Verknappung?
Die Kläger werfen den drei Herstellern vor, diese Umstellung koordiniert durchgeführt zu haben. „Die Unternehmen haben die steigende KI-Nachfrage als Vorwand genutzt, um die Produktion von Standard-Speicherchips zu drosseln und die Preise in die Höhe zu treiben“, heißt es in der Klageschrift. Besonders brisant: Laut dem Rechtsdokument haben die Firmen bereits HBM-Bestellungen bis 2030 gebucht – ein klares Zeichen, dass die Verknappung bei Standard-Speicherchips noch lange anhalten könnte.
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Die Folgen sind längst bei den Verbrauchern angekommen. Die Klage verweist auf Preiserhöhungen bei Apple und Microsoft: Macs, iPads und Software-Dienste wurden teurer – mit Verweis auf gestiegene Komponentenkosten.
Micron-Aktie bricht ein
Die Nachricht von der Klage ließ die Aktie von Micron am 29. Juni 2026 zwischenzeitlich um bis zu 9,6 Prozent einbrechen. Micron selbst wies die Vorwürfe zurück. Branchenanalysten von Jefferies rechnen jedoch mit weiteren Preissprüngen: Für das dritte Quartal 2026 prognostizieren sie einen Anstieg der DRAM-Preise um 40 bis 50 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.
Düstere Historie der Preisabsprachen
Der Fall landet vor Richterin Noel Wise – und hat historische Vorbelastung. Bereits in den 2000er Jahren verhängte das US-Justizministerium milliardenschwere Strafen wegen Preisabsprachen in der Speicherchip-Branche. Samsung zahlte 300 Millionen Dollar, SK Hynix 185 Millionen Dollar. Micron kooperierte damals mit den Ermittlern und kam glimpflicher davon. Zwischen 2016 und 2018 ermittelten zudem chinesische Behörden wegen Wettbewerbsverstößen.
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Milliarden-Schadenersatz gefordert
Die Kläger fordern nun dreifachen Schadenersatz – eine in den USA übliche Praxis bei Kartellverstößen. Zudem verlangen sie eine gerichtliche Anordnung, die mutmaßliche Produktionsverknappung zu beenden. Analysten rechnen damit, dass die Angebotsengpässe auf dem DRAM-Markt mindestens bis 2027 anhalten werden. Ob die Klage Erfolg hat, bleibt abzuwarten – die Beweislast ist hoch. Die historischen Präzedenzfälle geben den Klägern jedoch Rückenwind.
