DRAM-Boom, Speicherpreise

DRAM-Boom: Speicherpreise verdoppeln sich – 97 Mrd. Euro Q1

03.06.2026 - 13:18:21 | boerse-global.de

KI-Boom treibt DRAM-Preise massiv an. Samsung und SK hynix dominieren, während Verbraucher mit steigenden PC-Kosten rechnen müssen.

DRAM-Boom: Speicherpreise verdoppeln sich – 97 Mrd. Euro Q1 - Bild: über boerse-global.de
DRAM-Boom: Speicherpreise verdoppeln sich – 97 Mrd. Euro Q1 - Bild: über boerse-global.de

Die rasende Nachfrage nach KI-Hardware hat die Preise für DRAM und HBM in die Höhe schnellen lassen. Branchendaten von Anfang Juni 2026 zeigen das schwerste Angebotsdefizit seit Jahren – die Vertragspreise für konventionelle Speicher haben sich im ersten Quartal nahezu verdoppelt.

Rekordumsätze und rasante Preissteigerungen

Die DRAM-Industrie verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Umsatzsprung auf 97 Milliarden Euro – ein Anstieg um 81 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Haupttreiber: Die Vertragspreise für Standard-DRAM kletterten zwischen 93 und 98 Prozent nach oben.

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Die Marktforscher von TrendForce erwarten eine Fortsetzung des Trends. Für das zweite Quartal prognostizieren sie weitere Preissteigerungen von 58 bis 63 Prozent. Der Grund liegt auf der Hand: Die Konzentration auf High Bandwidth Memory (HBM) für KI-Server hat die Produktionskapazitäten für Standardkomponenten massiv verknappt.

Samsung behauptete im ersten Quartal mit 37,3 Milliarden Euro Umsatz und 38,5 Prozent Marktanteil die Spitzenposition. SK hynix folgte mit 28 Milliarden Euro (28,8 Prozent), Micron erzielte 21,8 Milliarden Euro (22,4 Prozent). Kleinere Anbieter wie Nanya, Winbond und PSMC springen in die Lücken – doch das Angebot bleibt branchenweit extrem knapp.

KI-Infrastruktur diktiert die Produktion

Die Speicherknappheit ist untrennbar mit dem KI-Boom verbunden. Am 1. Juni 2026 stellte Nvidia seine RTX-Spark-Prozessorfamilie vor – mit bis zu 128 Gigabyte Arbeitsspeicher für lokale KI-Agenten. Die für 2027 erwartete Nvidia-Rubin-Ultra-Plattform soll sogar 384 Gigabyte HBM pro Grafikprozessor benötigen.

Das schafft eine paradoxe Situation in der Fertigung. Obwohl HBM für KI entscheidend ist, waren DDR5-64GB-RDIMMs im ersten Quartal 2026 pro Wafer sogar profitabler als HBM. Das gibt den Speicherherstellern enorme Verhandlungsmacht: Sie können damit drohen, die Produktion zurück auf konventionelle DRAMs zu verlagern, falls die KI-Chiphersteller keine höheren HBM-Preise akzeptieren.

Branchenanalysten rechnen für 2027 mit einem mehrfachen Anstieg der HBM-Vertragspreise. Bis dahin soll HBM voraussichtlich 30 Prozent des gesamten DRAM-Wafer-Inputs der drei größten Anbieter ausmachen.

Langfristiger Engpass: Kapazitäten werden ausgebaut

Führende Branchenvertreter warnen: Der Engpass ist kein kurzfristiges Phänomen. SK-hynix-Chef Chey Tae-won erklärte Anfang Juni 2026, die KI-getriebene Speicherknappheit könne bis mindestens 2030 anhalten. Der Konzern kündigte an, seine Wafer-Produktionskapazität in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln. Die gesamte HBM-Produktion für 2026 ist bereits ausverkauft.

Auch Micron arbeitet an Expansion – rechnet aber frühestens 2027 oder 2028 mit neuen Kapazitäten. Der chinesische Hersteller CXMT drängt derweil auf den Markt: Mit 7,5 Milliarden Euro Umsatz im ersten Quartal 2026 plant das Unternehmen, seine monatliche Wafer-Produktion bis Jahresende zu verdreifachen.

Verbraucher spüren die Folgen: PCs werden teurer

Die Speicherkrise erreicht nun den Massenmarkt. Ein 32-Gigabyte-DDR5-Kit kostet im Frühjahr 2026 rund 375 Euro. 16-GB-Kits, die einst unter 100 Euro lagen, sind auf etwa 240 Euro gestiegen. Laut Computerherstellern macht der Speicher inzwischen rund 35 Prozent der gesamten PC-Baukosten aus – mehr als doppelt so viel wie noch vor wenigen Monaten.

Die steigenden Kosten bedrohen vor allem günstige Einstiegsgeräte. Gartner-Analysten prognostizieren, dass das PC-Segment unter 500 Euro bis 2028 verschwinden könnte. Grund: Die kombinierten Kosten für DRAM und SSD sollen bis Ende 2026 um 130 Prozent steigen.

Qualcomm reagierte mit der Vorstellung seiner Snapdragon-C-Plattform für günstige Windows-Laptops zwischen 300 und 450 Euro. Um diese Preise zu halten, unterstützt die Plattform maximal 8 Gigabyte LPDDR5 – und verzichtet auf bestimmte KI-Zertifizierungen der Oberklasse. Die IDC hat ihre Prognose für weltweite PC-Auslieferungen 2026 bereits um 11,3 Prozent nach unten korrigiert. Preisbewusste Verbraucher und Unternehmen stehen vor deutlich höheren Hardwarekosten.

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