Download more RAM: 70% der Gaming-Module anfällig für Angriff
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 17:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Rahmen der Fachkonferenz Usenix Security 2026 haben IT-Sicherheitsexperten der Universitäten Birmingham und Durham eine neuartige Angriffsmethode auf Windows-Systeme vorgestellt.
Die unter dem Namen „Download more RAM“ bekannt gewordene Technik ermöglicht es, zentrale Sicherheitsfunktionen des Betriebssystems zu umgehen. Der Angriff setzt dabei an einer bisher unterschätzten Stelle der Hardware-Architektur an: der Manipulation des sogenannten SPD-EEPROM auf Arbeitsspeichermodulen.
Technische Manipulation am SPD-EEPROM ermöglicht Systemübernahme
Der Kern der Schwachstelle liegt in ungeschützten Serial Presence Detect (SPD) EEPROMs, die sich auf gängigen DIMM-Speichermodulen befinden. Diese Bausteine enthalten normalerweise Konfigurationsdaten für das BIOS oder UEFI, um die korrekten Betriebsparameter des Arbeitsspeichers einzustellen. Den Forschern der Universitäten Birmingham und Durham zufolge lässt sich dieser Speicherbereich ausnutzen, um Speicher-Aliase zu erzeugen.
Durch diese Manipulation gelingt es den Angreifern, die Virtualization-Based Security (VBS) von Windows sowie die Hypervisor-Protected Code Integrity (HVCI) zu unterwandern. Diese Sicherheitsmechanismen bilden in modernen Windows-Umgebungen das Rückgrat des Systemschutzes, da sie kritische Prozesse in einer isolierten, virtualisierten Umgebung ausführen.
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Ein erfolgreicher Angriff auf diese Strukturen hat weitreichende Folgen: Die Experten demonstrierten, dass hierdurch Antiviren-Software, Endpoint Detection and Response (EDR)-Systeme sowie Anti-Cheat-Programme deaktiviert werden können. Zudem sei ein unautorisierter Zugriff auf geschützte VBS-Enklaven möglich.
Die Schwachstelle wird unter der Kennung CVE-2026-23670 geführt und mit einem CVSS-Score von 5.7 bewertet. Ein wesentlicher Aspekt der Entdeckung ist, dass für die Durchführung des Angriffs kein physischer Zugriff auf das Zielsystem erforderlich ist, was das Bedrohungspotenzial für vernetzte Umgebungen erhöht.
Betroffenheit im Gaming-Sektor und aktuelle Gegenmaßnahmen
Die Analyse der Forscher deutet auf eine weite Verbreitung der Hardware-Anfälligkeit hin. Den Untersuchungen zufolge sind mehr als 50 % der im Hochleistungs-Verbrauchersegment angesiedelten Speichermodule für die Manipulation anfällig.
Besonders kritisch stellt sich die Situation im Gaming-Sektor dar, in dem laut den Studienergebnissen mehr als 70 % der eingesetzten Komponenten betroffen sind. Dies liegt häufig an der Verwendung von Modulen, die eine einfache Anpassung von Leistungsprofilen ermöglichen, dabei jedoch oft unzureichende Schreibschutzmechanismen für das SPD-EEPROM aufweisen.
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In Bezug auf Gegenmaßnahmen gibt es bereits erste Reaktionen der Softwarehersteller. Microsoft habe die Problematik erkannt und bereits mit den System-Updates im April 2026 Maßnahmen eingeleitet, um die Schwachstelle teilweise zu entschärfen.
Dennoch bleibt das Risiko bestehen, sofern die Hardware-Konfiguration keine zusätzlichen Hürden bietet. Die Forscher betonten in ihrer Präsentation, dass ein aktivierter Secure-Boot-Mechanismus den aktuell demonstrierten Exploit blockieren kann.
Für Unternehmen und private Nutzer bedeutet dies, dass die Integrität der Hardware-Lieferkette und die korrekte Konfiguration von Firmware-Sicherheitsfeatures zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Wohlwollend betrachtet, während Software-Patches einen Teil des Risikos abfangen können, bleibt die zugrunde liegende Architektur der Speichermodule ein relevanter Angriffsvektor, der laut den Experten der Universitäten Birmingham und Durham künftig stärker reglementiert werden muss.
