Donanemab, Alzheimer

Donanemab bei Alzheimer: Antikörper verlangsamt den Abbau um etwa 30 Prozent

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 05:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Donanemab bremst den kognitiven Abbau, erfordert jedoch MRT-Kontrollen; begrenzte Eignung und diagnostische Hürden schränken den Einsatz ein.
Ein minimalistisch gestalteter, steriler Laborraum mit gläsernen Gefäßen in gedämpftem, natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Seit November 2025 steht der monoklonale Antikörper Donanemab für Patientinnen und Patienten in Deutschland zur Verfügung. Nach der Einführung von Lecanemab im September 2025 bildet das unter dem Handelsnamen Kisunla bekannte Präparat des Herstellers Lilly einen weiteren Baustein in der kausal orientierten Behandlung früher Alzheimer-Stadien.

Erfahrungen aus der klinischen Praxis sowie Auswertungen aktueller Studiendaten erlauben eine differenzierte Einordnung von therapeutischem Nutzen und Behandlungsrisiken.

Wirksamkeitsprofil und klinischer Nutzen

Donanemab bindet gezielt an unlösliche Amyloid-Plaques im Gehirn, um deren Abbau zu fördern. Fachleute beziffern die Verlangsamung des kognitiven Abbaus auf durchschnittlich etwa 30 Prozent. Nach Angaben des Geriaters Aquiles Salas können die Antikörper das Auftreten erster Symptome um bis zu 40 Prozent verzögern. Bei bereits deutlich ausgeprägter Symptomatik sei eine Wirksamkeit hingegen nicht belegt.

Studiendaten des Herstellers Lilly zeigen auf der kognitiven Skala iADRS eine Verlangsamung des Abbaus um 35 Prozent bei Patienten mit mittlerer Tau-Protein-Last sowie um 22 Prozent über alle Studienteilnehmer hinweg.

Auf der Demenzskala CDR-SB betrug die Verlangsamung 36 Prozent beziehungsweise 29 Prozent. Eine Post-hoc-Analyse der Phase-3-Studie TRAILBLAZER-ALZ 2 mit 876 Placebo- und 860 Donanemab-Patienten sowie einem Open-Label-Addendum von 1.053 Personen untersuchte die vollständige Beseitigung der Plaques.

Nach 52 Wochen erreichten 443 Behandelte einen Amyloid-Wert von unter 24,1 Centiloid, während dies bei 227 Patienten nicht der Fall war. Die Ausgangswerte lagen im Mittel bei 95,8 gegenüber 120,2 Centiloid, die 52-Wochen-Werte sanken auf 4,8 beziehungsweise 48,2 Centiloid.

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Als stärkster Prädiktor für den Abbau erwies sich ein niedriger Ausgangswert, gefolgt von höherem Alter, weniger APOE-?4-Allelen und geringerem Körpergewicht. Nach 76 Wochen wies ausschließlich die Gruppe mit erfolgreicher Clearance signifikant weniger Tau-Akkumulation auf als die Placebo-Vergleichsgruppe.

Nebenwirkungen und Sicherheitsüberwachung

Die Verabreichung von Donanemab erfolgt intravenös in Intervallen von 15 oder 30 Tagen. Die Therapie erfordert eine engmaschige Überwachung mittels Magnetresonanztomografie, da sogenannte amyloid-assoziierte Bildgebungsanomalien (ARIA) auftreten können. In den klinischen Daten von Lilly traten Hirnschwellungen (ARIA-E) bei 24 Prozent der Behandelten auf, wovon 6,1 Prozent symptomatisch verliefen.

Zum Vergleich lagen die Raten bei Lecanemab bei 12,6 Prozent beziehungsweise 2,8 Prozent. Mikroblutungen (ARIA-H) wurden bei 31,4 Prozent unter Donanemab dokumentiert (Placebo: 13,6 Prozent). Zudem traten bei weniger als 900 behandelten Patienten zwei ARIA-Todesfälle auf.

Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag der US-Gesundheitsorganisation Sutter Health verdeutlichen den logistischen Aufwand. Zwischen November 2023 und Dezember 2025 gingen bei einem multidisziplinären Prüfgremium 447 Überweisungen ein, woraus 214 Verschreibungen resultierten.

Die Überweisungen stiegen von 2024 auf 2025 um 148 Prozent. Sutter Health registrierte ARIA-Ereignisse bei 17 Donanemab-Patienten, wovon 1,7 Prozent symptomatisch waren, sowie bei 27 Lecanemab-Patienten mit 2,6 Prozent symptomatischen Verläufen; zwei Todesfälle wurden verzeichnet.

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Versorgungsrealität und diagnostische Hürden

Trotz der Verfügbarkeit bleibt der Kreis der behandelbaren Personen begrenzt. Wie der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Peter Berlit, hervorhob, kommt die Mehrheit der knapp zwei Millionen Demenzbetroffenen in Deutschland nicht für die Therapie infrage, da diese ausschließlich für frühe Stadien zugelassen ist. Der Gemeinsame Bundesausschuss stellte in seinen Beratungen Anfang 2026 keinen formalen Zusatznutzen für Donanemab fest.

Auf dem EANM-Kongress 2026 in Wien unterstrich Dr. Matthias Brendel von der LMU München die Bedeutung nuklearmedizinischer Verfahren: Die Amyloid-Positronen-Emissions-Tomografie (PET) diene der Patientenauswahl sowie der Entscheidung über ein Absetzen der Therapie bei erfolgreicher Plaque-Beseitigung, während die Tau-PET Prognosen zum klinischen Nutzen ermögliche. Als maßgebliche Barrieren für eine breite Anwendung in Europa nannte Brendel eine begrenzte Tracer-Verfügbarkeit und fehlende Kostenerstattungen.

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