Donanemab: Alzheimer-Antikörper zeigt Langzeitwirkung über drei Jahre
10.06.2026 - 19:52:29 | boerse-global.de
Der Alzheimer-Antikörper Donanemab von Eli Lilly zeigt eine anhaltende Wirkung – selbst nach dem Ende der Behandlung.
Patienten, die das Medikament erhielten, hatten einen Vorteil von etwa sieben Monaten im Krankheitsverlauf. Und das über drei Jahre hinweg. Die Behandlung stoppte, sobald die schädlichen Amyloid-Plaques im Gehirn vollständig beseitigt waren – spätestens nach 18 Monaten.
Harald Prüß von der Charité und dem DZNE spricht von einem großen Erfolg. Die Daten könnten nun den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zu einer Neubewertung bewegen. Der hatte dem Mittel zunächst keinen Zusatznutzen bescheinigt.
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Praktische Hürden fallen derweil: Seit dem Quartalswechsel gibt es eine eigene Abrechnungsziffer für Donanemab-Infusionen im EBM. Neurologen können die Behandlung jetzt gezielt abrechnen.
Mehrere Antikörper im Rennen
Neben Donanemab steht Lecanemab (Eisai/Biogen) im Fokus. Die Studiendaten zeigen: Eine 18-monatige Behandlung verlangsamt den geistigen Abbau um 27 Prozent – allerdings nur im frühen Stadium. Das britische NICE empfahl den Einsatz im staatlichen Gesundheitssystem wegen des Kosten-Nutzen-Verhältnisses nicht.
Bleibendes Risiko der Wirkstoffklasse: Hirnschwellungen oder -blutungen (ARIA).
Pilze als Hoffnungsträger?
Einen ungewöhnlichen Fallbericht veröffentlichte das Fachmagazin „Frontiers in Neuroscience“. Eine 80-jährige Patientin zeigte vorübergehende Verbesserungen bei Kognition und Mobilität – nach der Einnahme psilocybinhaltiger Pilze.
Fachleute mahnen zur Vorsicht. Es handelt sich um eine Einzelfallbeobachtung ohne Kontrollgruppe.
Fortschritte bei Parkinson
Die PADOVA-Studie zum Parkinson-Antikörper Prasinezumab (Roche) liefert neue Daten. Die Phase-III-Studie, veröffentlicht im „The Lancet“, zeigt eine Verzögerung der motorischen Verschlechterung bei frühen Stadien.
Bei Patienten, die zusätzlich L-Dopa erhielten, betrug die Verzögerung 16 Wochen.
Herz-Pflaster vom MIT
Forscher des MIT entwickelten ein Ultraschall-Pflaster zur nichtinvasiven Herzstimulation. In Versuchen stabilisierte es instabile Herzrhythmen mit Millimeter-Präzision.
Vor einer Anwendung am Menschen wäre allerdings eine Gentherapie nötig, um die Herzzellen zu sensibilisieren.
Die EMA leitete parallel ein Bewertungsverfahren für Bayers Schlaganfall-Medikament Asundexian ein – ein Faktor-XIa-Hemmer.
Pharmastandort Deutschland unter Druck
Trotz medizinischer Fortschritte: Die wirtschaftliche Stimmung kippt.
Pfizer-Chef Albert Bourla sagte seine Teilnahme am „Invest in Germany Summit“ ab. In einem Schreiben an Kanzler Merz stellte er geplante Investitionen am Standort Freiburg infrage. Grund sind die Sparpläne der Bundesregierung im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes und höhere Herstellerrabatte.
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Ein Trend, der sich durchsetzt. Eli Lilly halbiert seine Investitionssumme in Alzey von ursprünglich 2,3 Milliarden US-Dollar. Boehringer Ingelheim stoppte ein 900-Millionen-Euro-Projekt.
Die Krankenkassen kritisieren diese Schritte. Die Industrie zeigt sich zunehmend skeptisch gegenüber den regulatorischen Rahmenbedingungen.
Trotz allem: Eli Lilly setzt seine Expansion fort. Im Juni schloss das Unternehmen einen Kooperations- und Lizenzvertrag mit AlzeCure über eine Milliarde US-Dollar – für neue Alzheimer-Therapien.
