Dokumenten-KI: ABBYY reduziert Token-Verbrauch um 80%
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 10:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Softwareanbieter ABBYY integriert die Zero-Shot-Extraktion mit Phoenix Plus in seine Vantage-Plattform. Die Erweiterung basiert auf einer modularen Multi-Modell-Architektur und soll Unternehmen dabei unterstützen, Pilotprojekte im Bereich künstlicher Intelligenz über die Testphase hinaus produktiv zu skalieren.
Kombination aus Bilderkennung und generativer KI
Die technische Architektur unterteilt sich in zwei Kernkomponenten. Die Komponente Phoenix Core übernimmt Aufgaben im Bereich Computer Vision, Bildverbesserung und Strukturerkennung.
Phoenix Plus ergänzt diese Basis um generative Fähigkeiten, Zero- und Few-Shot-Extraktion, Dokumentenklassifizierung sowie Frage-Antwort-Funktionen. Dabei werden deterministische und generative Verfahren miteinander verknüpft. Phoenix Plus soll zunächst über eine Programmierschnittstelle starten und anschließend direkt in die Vantage-Plattform eingebunden werden.
Zudem ermöglicht ein sogenannter Bring-your-own-model-Ansatz die Integration externer Basismodelle. Unterstützt werden dabei Systeme von OpenAI, Google, Mistral sowie Microsoft Foundry. Für eine verbesserte Effizienz sorgt der DocLang-Standard, den ABBYY gemeinsam mit IBM, NVIDIA, Red Hat und der Linux Foundation entwickelt hat. Nach Angaben des Unternehmens reduziert dieser Standard den Token-Verbrauch um 40 bis 80 Prozent.
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Breite Modellbasis und Praxiseinsatz
Das System greift insgesamt auf über 150 spezialisierte Modelle zurück. Nach Unternehmensangaben hat ABBYY bisher mehr als 200 Milliarden Dokumente verarbeitet und analysiert jährlich Milliarden von Seiten. Das Unternehmen bedient Kunden in über 30 Branchen, verarbeitet mehr als 200 Sprachen und zählt über 10.000 Installationen.
Wie Medien mitteilen, kommt die Technologie bereits bei einem globalen Fondsadministrationsunternehmen zum Einsatz. Dieses verarbeite jährlich rund eine Million Finanzdokumente mit komplexen Tabellenstrukturen. Nachdem ein interner Versuch zur Entwicklung einer eigenen KI-Lösung gescheitert war, gelang die Implementierung der ABBYY-Lösung in rund einem Monat bis zur Produktivreife.
Herausforderungen bei Unternehmensprojekten
Auf der Veranstaltung ABBYY Ascend 2026 in Singapur thematisierte das Management die typischen Hürden beim Einsatz von KI in Unternehmen. Neil Murphy, Chief Revenue Officer bei ABBYY, verwies auf eine Statistik von Gartner, wonach 60 Prozent der KI-Projekte abgebrochen werden, weil die zugrunde liegenden Daten nicht für den KI-Einsatz vorbereitet sind.
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Als zentrale Problemfelder nannte er Datenqualität, Modellarchitekturen und Governance-Vorgaben. Die Governance stelle dabei den zeitaufwändigsten Projektbestandteil dar, zudem lieferten generische Sprachmodelle keine vollständige Genauigkeit.
Michael Lazzari, Vertriebsleiter für den asiatisch-pazifischen Raum bei ABBYY, erklärte auf der Konferenz, dass Unternehmen vermehrt von breit angelegten KI-Initiativen zu spezialisierten, zweckgebauten Dokumenten-KI-Lösungen übergingen. Der Trend zeige eine deutliche Ausrichtung auf Plattformen, die Governance-Anforderungen erfüllen und verlässliche Genauigkeit im Regelbetrieb gewährleisten.
