DMA-Einstufung, AWS

DMA-Einstufung: AWS und Azure werden europäische Gatekeeper

28.06.2026 - 07:55:45 | boerse-global.de

Amazon und Microsoft drohen strenge Auflagen für ihre Cloud-Dienste. Die EU will so den Wettbewerb fördern und Abhängigkeiten verringern.

EU-Kommission stuft AWS und Azure als DMA-Gatekeeper ein
DMA-Einstufung - Stilisierte Datenzentrale mit blau leuchtenden Serverracks und dezentem EU-Flaggenmotiv als Symbol für Cloud-Regulierung. 28.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure vorläufig als Gatekeeper unter dem Digital Markets Act (DMA) eingestuft. Der Schritt folgt auf eine Marktuntersuchung des Cloud-Sektors, die seit November 2025 läuft.

Ausweitung des DMA auf die Cloud-Infrastruktur

Die vorläufige Einstufung ist eine deutliche Ausweitung des DMA. Bislang konzentrierte sich das Gesetz vor allem auf Verbraucherplattformen und Suchmaschinen. Nun rückt die Infrastruktur der digitalen Wirtschaft in den Fokus.

Nach Einschätzung der EU-Kommission kontrollieren AWS und Microsoft Azure gemeinsam rund 60 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. Die Regulierer stützten ihre Entscheidung auf qualitative Kriterien statt auf starre Umsatzschwellen. Ihre Begründung: Die Cloud-Anbieter sind das entscheidende Tor zwischen Unternehmen und deren Kunden.

Anzeige

Die strengere Regulierung von Cloud-Infrastrukturen unterstreicht, wie wichtig ein rechtssicherer Umgang mit digitalen Daten für europäische Unternehmen geworden ist. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen in 5 Schritten, wie Sie die komplexen Anforderungen der DSGVO sicher in Ihrem Betrieb umsetzen. In 5 Schritten zur rechtssicheren DSGVO-Umsetzung

Was würde der Gatekeeper-Status konkret bedeuten? Beide Konzerne müssten innerhalb von sechs Monaten nach einer endgültigen Entscheidung strenge Verhaltensregeln umsetzen. Dazu gehören:

  • Interoperabilität mit konkurrierenden Diensten
  • Datenportabilität für Kunden, die den Anbieter wechseln wollen
  • Ein Verbot der Selbstbevorzugung eigener Software auf den Cloud-Plattformen

Widerstand aus der Industrie

Die vorläufigen Ergebnisse stoßen bei den betroffenen Tech-Giganten auf Kritik. Amazon warnte, dass solche Eingriffe Investitionen in die europäische Infrastruktur bremsen könnten. Microsoft wiederum bemängelte, dass Konkurrenten wie Google Cloud von der Untersuchung ausgenommen wurden.

Die Entscheidung fällt in eine Zeit verstärkter europäischer Bemühungen um digitale Souveränität. Der EU Data Act zielt bereits darauf ab, den Cloud-Wechsel zu erleichtern. Doch der DMA geht deutlich weiter: Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Anzeige

Während neue Gesetze den Wettbewerb im Cloud-Sektor fördern sollen, bleiben die bestehenden Dokumentationspflichten für Unternehmen eine tägliche Herausforderung. Mit dieser kostenlosen Excel-Vorlage erstellen Sie Ihr notwendiges Verarbeitungsverzeichnis nach Art. 30 DSGVO zeitsparend und rechtssicher. Kostenlose Excel-Vorlage für das Verarbeitungsverzeichnis herunterladen

Europas Abhängigkeit von ausländischer Technologie

Hinter dem Vorgehen der Kommission steht eine grundsätzliche Sorge: Europa fehlt es an eigenen Spitzenreitern bei Hochleistungschips, KI-Modellen und globalen Cloud-Plattformen. Diese Abhängigkeit wurde zuletzt durch Beschränkungen für bestimmte KI-Modelle gegenüber Nicht-US-Bürgern deutlich.

Der Zeitplan für die Cloud-Einstufung ist ambitioniert. Amazon und Microsoft können nun formell auf die vorläufigen Ergebnisse reagieren. Eine endgültige Entscheidung wird bis November 2026 erwartet. Sollte die Einstufung bestätigt werden, müssten die Unternehmen bis zum Frühjahr 2027 die DMA-Vorgaben vollständig umsetzen.

Die neuen Regeln werden weit über die Cloud-Anbieter selbst hinauswirken. Auch Entwickler von DeFi- und Blockchain-Projekten, die auf zentrale Cloud-Infrastruktur angewiesen sind, dürften von den neuen Interoperabilitäts- und Portabilitätsvorgaben profitieren.

de | wissenschaft | 69644184 |