DIW korrigiert BIP-Prognose nach oben: 1,2% statt 0,5%
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hat seine Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland spürbar nach oben korrigiert.
In einem am 1. September 2026 veröffentlichten Bericht prognostiziert das Institut für das laufende Jahr 2026 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent. In einer vorangegangenen Schätzung im Juni war das DIW noch von einem deutlich geringeren Zuwachs in Höhe von 0,5 Prozent ausgegangen.
Exportstärke und staatliche Impulse treiben die Erholung
Die Ökonomen begründen die Anhebung der Prognose primär mit einer robusten Entwicklung im Außenhandel sowie einem geringer als befürchtet ausgefallenen Energiepreisschock. Für das zweite Quartal 2026 revidierte das Institut das Wachstum gegenüber dem Vorquartal auf plus 0,3 Prozent.
Besonders die Exporte verzeichneten in diesem Zeitraum ein Plus von 2,0 Prozent. Ein wesentlicher Pfeiler der konjunkturellen Dynamik bleibt jedoch die öffentliche Hand: Laut den Daten des DIW Berlin tragen der öffentliche Konsum und staatliche Investitionen insgesamt 70 Prozent zum aktuellen Wachstum bei.
Für die kommenden Jahre rechnet das Institut mit einer Fortsetzung des positiven Trends, wenngleich die Wachstumsraten moderat bleiben dürften. Für das Jahr 2027 erwartet das DIW ein BIP-Plus von 1,0 Prozent, gefolgt von 0,7 Prozent im Jahr 2028. Im globalen Vergleich ordnet sich Deutschland damit unterhalb des erwarteten Weltwirtschaftswachstums ein, welches das Institut für 2026 mit 3,2 Prozent beziffert.
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Gemischte Signale vom Arbeitsmarkt und der Inflation
Trotz der verbesserten Wachstumsaussichten zeigen die Kennzahlen für den Arbeitsmarkt eine leichte Eintrübung. Das DIW geht für das Jahr 2026 von einer Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent aus, nach 6,3 Prozent im Vorjahr.
Die Inflationsrate wird für das Gesamtjahr mit 2,7 Prozent prognostiziert. Finanzminister Klingbeil ergänzte hierzu am 1. September 2026, dass die Kerninflation auf 2,5 Prozent gesunken sei. Er bezeichnete die weiterhin bestehende Unsicherheit jedoch als Gift für das Wirtschaftswachstum.
DIW-Präsident Marcel Fratzscher ordnete die aktuelle Lage als mögliche Trendwende ein, mahnte jedoch zur Vorsicht. Als wesentliche Risiken nannte er die schwache private Nachfrage sowie die zurückhaltenden privaten Investitionen. Zudem warnten die Experten des Instituts vor den Auswirkungen hoher Gaspreise und warnten vor politischen Risiken durch Populismus oder Bestrebungen für einen Euro-Ausstieg.
Breite Zustimmung unter Forschungsinstituten und Banken
Die optimistischere Einschätzung des DIW Berlin deckt sich mit den Analysen anderer namhafter Institutionen. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel erklärte am 1. September 2026, dass er für das Jahr 2026 nun ebenfalls ein Wachstum von etwa 1 Prozent erwarte, nachdem die Prognose im Juni noch bei 0,5 Prozent gelegen hatte. Er verwies auf solide Exporte und zufriedenstellende Auftragseingänge, die in der zweiten Jahreshälfte eine positive Entwicklung begünstigen könnten.
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Auch KfW Research erhöhte die BIP-Prognose für 2026 auf 1,1 Prozent und für 2027 auf 1,5 Prozent. Passend dazu stieg das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer im August um 4,5 auf minus 12,5 Punkte, was den vierten Anstieg in Folge markiert. Besonders im verarbeitenden Gewerbe verbesserten sich die Exporterwartungen deutlich.
Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) schloss sich der Einschätzung an und hob seine Prognose für 2026 von zuvor 0,7 Prozent auf 1,2 Prozent an. Das HWWI wies jedoch auf geopolitische Risiken hin, insbesondere auf einen möglichen Iran-Krieg und Störungen an der Straße von Hormus.
Ein starkes Signal kam zudem von der Industrie. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von S&P Global für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland stieg im August auf 54,3 Punkte. Dies ist der stärkste Produktionsanstieg seit Anfang 2022. Als treibende Kräfte wurden hierbei Verteidigungsausgaben, der Ausbau von Datenzentren sowie ein allgemeiner Lageraufbau identifiziert.
