Direct-to-Cell: Entel Chile erreicht 450.000 Nutzer in einem Monat
08.06.2026 - 07:39:21 | boerse-global.de
Erste kommerzielle Dienste laufen bereits, Großtests in Deutschland haben begonnen.
Chile als Vorreiter: 450.000 Nutzer in nur einem Monat
Entel Chile hat den ersten kommerziellen Direct-to-Device (D2D)-Dienst Lateinamerikas gestartet. Die Technologie nutzt das Starlink Direct to Cell-Netzwerk von SpaceX und erreichte innerhalb des ersten Monats im Juni 2026 über 450.000 Nutzer. Die Abdeckung erstreckt sich über das chilenische Festland und zwölf Seemeilen vor der Küste – ein Segen für abgelegene Regionen wie Patagonien. Rund 650 Satelliten mit Direct-to-Cell-Technologie machen dies möglich.
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Deutsche Anbieter testen unterschiedliche Wege
In Europa bleibt Deutschland ein zentraler Testmarkt. O2 begann im Juni 2026 nahe Waren mit Tests satellitengestützter Mobilfunkverbindungen. Der Clou: Anders als viele Konkurrenten nutzt O2 Standard-Mobilfunkfrequenzen, die direkt mit handelsüblichen Smartphones kommunizieren. Telekom und Vodafone setzen dagegen auf MSS-Bänder (Mobile Satellite Service). Ein spannender Wettbewerb der Technologien zeichnet sich ab.
Auf den Philippinen positioniert Globe Telecom die Starlink-Integration als Kern seiner Strategie. Ziel ist eine „Always-on"-Verbindung für LTE-Smartphones, besonders in Katastrophengebieten und auf abgelegenen Inseln.
Technik im Detail: Satelliten als fliegende Mobilfunkmasten
Die sogenannte Direct-to-Cell (DTC)-Technologie verwandelt Satelliten in orbitalen Basisstationen. In 340 bis 570 Kilometern Höhe ausgestattet mit Phased-Array-Antennen, kompensieren sie Doppler-Effekte und Signallaufzeiten – und das alles, ohne dass das Smartphone spezielle Hardware benötigt.
SpaceX bereitet bereits die nächste Generation vor: Die Starlink V3-Plattform soll ab der zweiten Jahreshälfte 2026 in 350 Kilometern Höhe operieren und Latenzen unter fünf Millisekunden erreichen. Mit über einem Terabit pro Satellit wäre das eine Verzehnfachung der Kapazität gegenüber der Vorgängergeneration.
Rückschlag für AST SpaceMobile
Nicht alle kommen reibungslos voran. AST SpaceMobile kämpft mit den Folgen eines Fehlstarts einer Partnerrakete, bei dem der Satellit BlueBird 7 verloren ging. Für Juni 2026 ist der Start von drei Ersatzsatelliten mit einer SpaceX Falcon 9 geplant. Aktuell betreibt das Unternehmen sieben Satelliten – für eine durchgängige globale Abdeckung wären 45 bis 60 nötig.
Militärische Nutzung: Satellitenbilder in 15 Minuten
Die Technologie zeigt auch in Krisengebieten ihre Schlagkraft. Im Ukraine-Konflikt beschleunigt die direkte Übertragung hochauflösender Satellitenbilder auf die Handys von Soldaten die Zielidentifikation um 90 Prozent. Ein Satellitennetzwerk erfasst jeden Punkt zwölf bis fünfzehn Mal täglich und liefert Koordinaten mit fünf Metern Genauigkeit – innerhalb von 15 Minuten, ohne zentrale Prüfinstanz.
NASA testet Netzwerkwechsel im All
Einen weiteren Meilenstein setzte die NASA im Juni 2026 mit dem erfolgreichen Testflug ihres PExT-Moduls. Die Technologie erlaubt Satelliten, nahtlos zwischen verschiedenen Anbietern zu wechseln – ähnlich dem Roaming zwischen terrestrischen Funkmasten. Die Mission im Ka-Band mit Partnern wie Viasat und SES wurde bis April 2027 verlängert.
Marktprognosen: Milliardenmarkt in Sicht
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Analysten von Oppenheimer sehen im Einstieg der Satellitenbetreiber in den Telekommunikationsmarkt ein disruptives Potenzial für den US-Markt, der auf 1,6 Billionen Euro geschätzt wird. Starlink zählt global zwölf Millionen Abonnenten, davon rund 10,3 Millionen im ersten Quartal 2026. Bis 2030 könnte Starlink allein in den USA 15 Millionen Breitbandkunden gewinnen.
München als „New Space"-Hochburg
In Europa entwickelt sich München zu einem Zentrum der „New Space"-Aktivitäten. Firmen für satellitengestützte Waldbrandüberwachung, kostengünstige Trägerraketen und Raumfrachter siedeln sich dort an. Die Kombination aus etablierten Luftfahrtkonzernen und Forschungseinrichtungen treibt die Kapitalkonzentration und technische Expertise voran. Ein Trend, der die Branche nachhaltig prägen dürfte.
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