Diranersen, Verschlechterung

Diranersen: 26% langsamere kognitive Verschlechterung bei niedriger Dosis

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 17:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Trotz biologischer Erfolge verfehlen Ceperognastat und Diranersen ihre primären Studienziele. Biogen plant dennoch eine Phase-3-Studie.

Alzheimer-Forschung: Zwei Medikamente scheitern an klinischen Tests
Ein detailliertes Modell eines menschlichen Gehirns, teilweise von verschwommenen, transparenten medizinischen Daten überlagert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Forschung konzentriert sich zunehmend auf das Tau-Protein. Es gilt neben den Amyloid-Beta-Plaques als entscheidender Faktor für den kognitiven Verfall bei Alzheimer. Aktuelle Daten aus klinischen Prüfungen zeichnen jedoch ein gemischtes Bild.

Ceperognastat verfehlt klinischen Endpunkt

Das Fachmagazin JAMA veröffentlichte am 13. Juli 2026 die Auswertung der Phase-2-Studie PROSPECT-ALZ. Der OGA-Hemmer Ceperognastat wurde an 327 Patienten im Frühstadium der Erkrankung getestet.

Die Studie lief zwischen September 2021 und August 2024 an 72 Zentren weltweit. Ihr primäres Ziel: die Verlangsamung der klinischen Progression, gemessen an der iADRS-Skala nach 100 Wochen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht.

Besonders brisant: In der Gruppe mit der höheren Dosis verschlechterten sich die klinischen Werte sogar. Auf biologischer Ebene zeigte sich dagegen ein Erfolg. Die Biomarker p-tau217 und GFAP sanken, und die Abnahme des Hirnvolumens fiel geringer aus als in der Kontrollgruppe.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) warnt: Ein Eingriff in der Phase bereits erkennbarer Symptome könnte zu spät kommen. Die reine Reduktion des Tau-Proteins reiche offenbar nicht aus.

Diranersen: Teilerfolge bei niedriger Dosis

Einen Tag später, am 14. Juli 2026, präsentierte die AAIC-Konferenz Details der Phase-2-Studie CELIA. Der Wirkstoff Diranersen ist ein Antisense-Oligonukleotid (ASO). Es soll die Tau-Produktion direkt unterbinden.

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416 Teilnehmer nahmen an der Studie teil. Der primäre Endpunkt – eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung – wurde verfehlt. Doch die Einzelauswertung liefert überraschende Ergebnisse.

Patienten, die alle sechs Monate 60 mg erhielten, zeigten eine um 26 Prozent langsamere kognitive Verschlechterung (CDR-SB-Skala). Bei den Tests ADAS-Cog13 und MMSE lagen die Verlangsamungsraten sogar bei 42 beziehungsweise 50 Prozent.

Doch dann der Haken: Höhere Dosierungen (115 mg) erzielten deutlich geringere Effekte – nur 14 oder 9 Prozent.

Ein entscheidender Vorteil gegenüber Anti-Amyloid-Therapien: Unter Diranersen traten keine Fälle von ARIA auf – also keine Hirnschwellungen oder Mikroblutungen. Die Tau-Reduktion im Liquor lag stabil zwischen 50 und 65 Prozent.

Biogen plant weiter – der Markt reagiert verhalten

Trotz des verfehlten primären Endpunkts will Hersteller Biogen Diranersen in einer Phase-3-Studie weiter testen. Der Start ist für 2027 geplant, erste Ergebnisse werden um 2030 erwartet.

Die Börse reagierte am 14. Juli 2026 verhalten. Die Biogen-Aktie fiel um über acht Prozent.

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Während die Forschung an Alzheimer-Medikamenten immer präziser wird, bleibt die entscheidende Frage: Was bedeutet das für den Alltag der Betroffenen? Der Wirkstoff Diranersen senkt Tau-Proteine um bis zu 65 Prozent – doch nicht jede Dosis wirkt gleich. Unser Leitfaden hilft Angehörigen, die Ergebnisse einzuordnen und die richtigen Fragen zu stellen. Leitfaden für Angehörige sichern

Der weltweite Markt für Alzheimer-Therapien könnte laut Analysten von GlobalData bis 2033 auf rund 17 Milliarden US-Dollar wachsen. In der Fachwelt wird verstärkt über Kombinationstherapien diskutiert. Sie sollen sowohl Amyloid-Beta als auch Tau-Proteine gleichzeitig adressieren. Erste Studien mit Wirkstoffen wie Etalanetug und Lecanemab laufen bereits.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen: Die Senkung pathologischer Proteine im Gehirn gelingt technisch immer präziser. Doch der entscheidende Prüfstein bleibt die spürbare Verbesserung im Alltag der Patienten.

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