Diphtherie, Haustiere

Diphtherie: Haustiere und Diabetes erhöhen Risiko um das 20-Fache

Veröffentlicht: 08.07.2026 um 12:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Studie identifiziert Haustierkontakt und Diabetes als Hauptrisiken für Diphtherie in Deutschland. Europa erlebt schwerste Epidemie seit Jahrzehnten.

Haustiere und Diabetes: Neue Risikofaktoren für Diphtherie
Diphtherie - Eine Tierärztin untersucht ein Haustier, im Hintergrund sind medizinische Symbole und ein Blutzuckermessgerät zu erkennen. 08.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Studien belegen: Der Kontakt zu Haustieren und Diabetes mellitus sind die größten Risikofaktoren für eine Diphtherie-Infektion in Deutschland.

Forscher haben 268 Fälle zwischen 2017 und 2022 analysiert. Das Ergebnis: Bei Infektionen mit dem Erreger Corynebacterium ulcerans spielen Haustiere eine Hauptrolle. Das Risiko steigt um das 20-Fache. Bei 65 Prozent der untersuchten Fälle ließ sich ein direkter Bezug zu Tieren nachweisen.

Diabetes als zweiter Risikofaktor

Auch Diabetes mellitus ist ein entscheidender Faktor. Die Erkrankung erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Diphtherie-Infektion um das 18,13-Fache. Die Studie erschien im Juli 2026 im Deutschen Ärzteblatt.

Die Daten zeigen zudem: Bei autochthonen Fällen – also im Inland erworbenen Infektionen – kommt C. ulcerans häufiger vor als das klassische C. diphtheriae.

Europa erlebt schwerste Epidemie seit Jahrzehnten

Westeuropa kämpft seit 2022 mit der schwersten Diphtherie-Epidemie seit rund 70 Jahren. Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) registrierte allein 2022 insgesamt 362 Fälle. Seit Beginn des Ausbruchs sind es 536 Fälle mit drei Todesfällen.

Auffällig: 98 Prozent der Betroffenen sind männlich, das Durchschnittsalter liegt bei 18 Jahren. Forscher stellten eine genetische Verbindung zwischen dem Stamm von 2022 und aktuellen Fällen in Deutschland aus dem Jahr 2026 fest.

Internationale Lage bleibt angespannt

Auch in Nord- und Südamerika steigen die Zahlen. Zwischen Januar und Mai 2026 gab es 163 bestätigte Fälle und fünf Todesfälle – eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen ist Haiti.

In Argentinien fielen die Impfquoten unter die kritische Marke von 80 Prozent. In Mauretanien dokumentierten Behörden zwischen Anfang 2025 und Ende März 2026 sogar 1439 Fälle mit 56 Todesopfern.

Grippeimpfung senkt Risiko für Diabetiker

Eine dänische Registerstudie mit über 240.000 Teilnehmern zeigt: Die jährliche Grippeschutzimpfung senkt die Gesamtmortalität bei Diabetikern um 17 Prozent. Auch das Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle sinkt um 15 Prozent.

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Ohne Impfschutz ist das Risiko für Lungenentzündungen um das 7,4-Fache und für ischämische Herzerkrankungen um das 8-Fache erhöht. Trotz dieser Daten liegt die Durchimpfungsrate bei chronisch Kranken in Deutschland bei nur 28 Prozent.

Lebensstil als entscheidender Faktor

Experten weisen darauf hin, dass rund die Hälfte der Typ-2-Diabetes-Fälle durch Lebensstiländerungen vermeidbar wäre. Eine Untersuchung der Biobank UK an über 330.000 Personen gewichtet den Einfluss des Lebensstils gegenüber der Genetik im Verhältnis 55 zu 45.

Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) steigert das Diabetes-Risiko um das 6,83-Fache. Zudem weisen rund 45 Prozent der Typ-2-Diabetiker Mikronährstoffmängel auf – besonders bei Vitamin D (60,5 Prozent) und Magnesium (42 Prozent). Auch Metformin hemmt die Aufnahme von Vitamin B12.

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Impfquoten bei Kindern steigen

Während Erwachsene mit chronischen Leiden oft unzureichend geschützt sind, zeigen Daten aus Bayern eine positive Entwicklung bei Kindern. Im Schuljahr 2023/2024 erreichten die Quoten für Masern, Mumps und Röteln rund 97 Prozent – verglichen mit etwa 92 Prozent im Zeitraum 2018/2019.

Die Diphtherie-Quote bei Einschulungskindern liegt aktuell bei 94,3 Prozent.

Neue Forschungsansätze gegen Infektionsketten

Wissenschaftler der University of Texas entwickeln derzeit orale Impfstoff-Pellets für Wildtiere wie Eichhörnchen und Mäuse. Ziel ist es, die Last von Borreliose-Bakterien in den Reservoirwirten zu senken und den Übertragungszyklus auf den Menschen zu unterbrechen – ähnlich wie bei der Bekämpfung der Tollwut.

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