Digitalisierung, Deutschland

Digitalisierung: Deutschland rutscht auf Platz 17 der EU ab

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesrepublik verliert im EU-Vergleich drei Ränge und belegt nun Platz 17. Vor allem die öffentliche Verwaltung bremst die Digitalisierung.

Deutschland fällt im EU-Digitalisierungsranking auf Platz 17 zurück
Moderne Stadtsilhouette mit abstrakten digitalen Datenüberlagerungen, die Deutschlands Digitalisierung und Infrastruktur repräsentieren. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesrepublik rutscht im Digitalisierungsvergleich der Europäischen Union auf Platz 17 ab – ein Warnsignal für den Wirtschaftsstandort.

Der aktuelle Bitkom-DESI-Index zeigt: Deutschland verliert im europäischen Digitalisierungswettlauf an Boden. Mit 51,1 Punkten belegt die Bundesrepublik nun Rang 17 unter den 27 EU-Mitgliedstaaten – drei Plätze schlechter als im Vorjahr. Zwar stieg der absolute Wert leicht von 50,1 auf 51,1 Punkte, doch mehrere europäische Nachbarn zogen schneller vorbei.

Stärken bei Infrastruktur, Schwächen bei der Verwaltung

Der Index bewertet die EU-Staaten in vier Kategorien: digitale Infrastruktur, Unternehmensdigitalisierung, digitale Kompetenzen und öffentliche Verwaltung. In drei Bereichen – Infrastruktur, Unternehmensdigitalisierung und Kompetenzen – erreicht Deutschland jeweils Rang 11. Besonders erfreulich: Bei den digitalen Fähigkeiten verbesserte sich die Bundesrepublik um vier Plätze.

Im Vergleich der fünf größten EU-Volkswirtschaften liegt Deutschland immerhin auf Platz zwei – hinter Spanien. Die Spitze bleibt jedoch weit entfernt: Dänemark führt das Ranking mit 76,4 Punkten souverän an.

Behördendschungel bremst Digitalisierung

Das größte Problem bleibt die öffentliche Verwaltung. Hier fiel Deutschland auf Platz 22 zurück – nach Rang 21 im Vorjahr. Nur 69,6 Prozent der Bürger nutzen digitale Verwaltungsangebote, der EU-Schnitt liegt bei 76,0 Prozent.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst übt deutliche Kritik: „Die anhaltende Überkomplexität und Bürokratie blockieren den Fortschritt." Die Geschwindigkeit der Digitalisierung im öffentlichen Sektor sei unzureichend. Er fordert schnellere Projektumsetzungen und den breiteren Einsatz künstlicher Intelligenz, um Prozesse zu verschlanken.

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Funkabdeckung stark, Festnetz hinkt hinterher

Bei der Infrastruktur zeigt sich ein geteiltes Bild. Die 5G-Versorgung erreicht beeindruckende 99,5 Prozent – der EU-Schnitt liegt bei 96,8 Prozent. Doch beim schnellen Festnetz hakt es: Nur sieben Prozent der Haushalte nutzen Anschlüsse mit mindestens einem Gigabit pro Sekunde.

Immerhin: IT-Spezialisten machen inzwischen 5,5 Prozent der Erwerbstätigen aus, leicht über dem EU-Durchschnitt von 5,0 Prozent. Das trägt zur verbesserten Platzierung bei den digitalen Kompetenzen bei. Branchenvertreter mahnen jedoch, das Tempo müsse weiter steigen, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

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Industrie fordert Reformen

Nach der Veröffentlichung des Index appelliert der Digitalverband an die Politik: Schnellere Genehmigungsverfahren und weniger bürokratische Hürden seien überlebenswichtig. „Wir brauchen mehr Schwung bei Digitalprojekten", so Wintergerst. Andernfalls drohe Deutschland in den kommenden Jahren weiter zurückzufallen – mit spürbaren Folgen für Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit.

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