Digitalisierung, Arbeit

Digitalisierung bei körperlicher Arbeit: Studie zeigt rund 20 Prozent mehr Fehltage

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie verknüpft smarte Technologien mit mehr Fehltagen in körperlichen Berufen; gezielte Schulungen und unterstützende Führung können den Zusammenhang abschwächen.

Digitalisierung erhöht Fehlzeiten bei körperlich Beschäftigten um 20 Prozent
Leere, minimalistische Produktionshalle mit poliertem Betonboden und geometrischen Schattenwürfen durch einfallendes Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die fortschreitende Digitalisierung am Arbeitsplatz betrifft keineswegs nur Büros und Verwaltungen, sondern hat längst auch Produktionshallen, Logistikzentren und Handwerksbetriebe erreicht.

Welche gesundheitlichen Folgen dieser Wandel für die Beschäftigten hat, zeigt eine wissenschaftliche Untersuchung des Ifo-Instituts, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Universität Konstanz.

Die Ergebnisse legen offen, dass Beschäftigte mit überwiegend körperlichen Tätigkeiten infolge der Digitalisierung im Schnitt rund 20 Prozent mehr Fehltage im Jahr aufweisen. Bei Büro- und Wissensberufen ließ sich hingegen kein nachweisbarer negativer Zusammenhang feststellen.

Vernetzte Systeme und das Phänomen Technostress

In der gemeinsamen Untersuchung definierten die Forschungsteams Digitalisierung nicht als die klassische Einführung von Computern, sondern als den Einsatz smarter Technologien. Dazu zählen intelligent-vernetzte Soft- und Hardware, Sensoren, Robotik, Big Data, Künstliche Intelligenz sowie Virtual und Augmented Reality.

Sowohl Personen in körperlichen Berufen als auch Beschäftigte in Büro- und Wissensfeldern erleben durch diese Werkzeuge ähnlich starke Veränderungen in ihren täglichen Arbeitsabläufen.

Dennoch schlagen sich diese Umbrüche gesundheitlich sehr ungleich nieder. Oliver Schlenker, stellvertretender Leiter des Ludwig Erhard Ifo-Zentrums für Soziale Marktwirtschaft in Fürth, verwies darauf, dass die Befunde eine Verstärkung bestehender gesundheitlicher Ungleichheiten durch den digitalen Wandel nahelegen.

Als eine plausible Erklärung für die gestiegenen Fehlzeiten bei körperlich Arbeitenden gilt Technostress, der durch die permanente Überwachung, Anpassungsdruck oder die veränderte Taktung der Arbeit entstehen kann.

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Breiter Untersuchungszeitraum von 2011 bis 2019

Um verlässliche Erkenntnisse zu gewinnen, stützte sich die Studie auf einen umfangreichen Datenbestand. Die Wissenschaftler analysierten repräsentative Betriebs- und Beschäftigtenbefragungen in Kombination mit Daten der Sozialversicherung aus den Jahren 2011 bis 2019. Neben den erfassten Krankheitstagen floss dabei auch die subjektive Gesundheit der Befragten ein, die anhand einer Gesundheitsskala von 0 bis 10 gemessen wurde.

Der Vergleich beider Berufsgruppen macht deutlich, dass die Anpassungsprozesse an hochkomplexe Systeme im manuellen Sektor offenbar mit höheren gesundheitlichen Hürden verbunden sind als in Berufen, in denen der Umgang mit digitaler Information ohnehin Kern der Tätigkeit ist.

Führungskultur und Weiterbildung federn Belastungen ab

Für Unternehmen und betriebliche Gesundheitsexperten liefert die Erhebung konkrete Hinweise auf wirksame Hebel zur Prävention. So gibt es in den Daten keinen Hinweis darauf, dass steigende Löhne die zusätzlichen Belastungen ausgleichen könnten. Finanzielle Anreize allein genügen demnach nicht, um den gesundheitlichen Verschleiß zu kompensieren.

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Stattdessen zeigt die Analyse, dass betriebliche Rahmenbedingungen entscheidend sind: Spezifische Digital-Trainings und eine aktive Unterstützung durch die Arbeitgeber können den negativen Zusammenhang deutlich mildern.

Zudem wirkt sich eine unterstützende Führungskultur nachweislich entlastend auf die Beschäftigten aus. Werden die Teams beim Einsatz vernetzter Maschinen systematisch geschult und von ihren Vorgesetzten begleitet, lässt sich der Anstieg von Fehltagen demnach wirksam eindämmen.

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