Digitalisierung, Deutschen

Digitalisierung: 73 Prozent der Deutschen unzufrieden mit Tempo

02.06.2026 - 08:07:08 | boerse-global.de

73 Prozent der Deutschen sehen die digitale Transformation als zu langsam an. Wirtschaft und Politik stehen unter Druck.

Digitalisierung: 73 Prozent der Deutschen unzufrieden mit Tempo - Bild: über boerse-global.de
Digitalisierung: 73 Prozent der Deutschen unzufrieden mit Tempo - Bild: über boerse-global.de

Eine aktuelle Bitkom-Studie zeigt: 73 Prozent der Befragten finden, dass die digitale Transformation zu langsam vorankommt. Das sind deutlich mehr als noch 2024, als 59 Prozent diese Einschätzung teilten. Besonders brisant: Fast jeder Zweite fürchtet, den Anschluss zu verlieren.

Anzeige

Während die Digitalisierung in Deutschland stockt, haben einige Firmen den strukturellen Wandel bereits erfolgreich für sich genutzt. Welche Unternehmen in den Bereichen Technologie und Infrastruktur jetzt besonders profitieren, erfahren Sie in diesem kostenlosen Report. 3 Transformations-Erfolgsstorys jetzt gratis lesen

Ungeduld erreicht neuen Höchststand

Die Bitkom-Umfrage, durchgeführt zwischen Mitte April und Mitte Mai 2026, befragte 1.005 Teilnehmer. 46 Prozent von ihnen bewerteten das Tempo als „viel zu langsam", weitere 27 Prozent als „eher langsam". Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sieht darin sowohl Ermutigung als auch klaren Auftrag an die Politik.

Die digitale Spaltung der Gesellschaft wird immer deutlicher. 45 Prozent der Deutschen haben Angst, von technologischen Entwicklungen abgehängt zu werden. Besonders betroffen sind ältere Menschen: 67 Prozent der über 75-Jährigen teilen diese Sorge. Bei den unter 30-Jährigen sind es nur rund 35 Prozent.

Wirtschaft warnt vor Wettbewerbsnachteilen

Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung spiegelt sich in der Wirtschaft wider. Das ifo Institut warnt in einer Analyse vom 1. Juni vor sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Präsident Clemens Fuest sieht die Ursachen in schwachem Produktivitätswachstum und der Abhängigkeit von traditionellen Industrien. Während die USA einen Produktivitätsschub erleben, kämpft Deutschland mit hohen Energiepreisen und einem fragmentierten europäischen Markt.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordert tiefgreifende Staatsreformen. BDI-Geschäftsführerin Tanja Gönner betont, dass die Industrieproduktion seit 2022 rückläufig sei. Die Kapazitätsauslastung liegt aktuell bei rund 75 Prozent. Experten schätzen: Würde Deutschland die Verwaltungsdigitalisierung auf das Niveau führender Länder wie Dänemark heben, könnte das Bruttoinlandsprodukt jährlich um 2,7 Prozent steigen. Derzeit müssen Unternehmen mit über 200 verschiedenen Behörden kommunizieren – oft noch auf analogen Wegen.

Anzeige

Der jahrelange Sanierungsstau in Deutschland wird zunehmend zur Belastung, bietet für vorausschauende Anleger aber auch neue Möglichkeiten. Dieser Gratis-Leitfaden zeigt, wie Sie von den massiven Investitionen in digitale Netze und moderne Infrastruktur profitieren können. Kostenlosen Bau-Boom-Report sofort herunterladen

Milliardenprogramm stockt

Geld ist da, die Umsetzung hapert – das zeigt ein 380-seitiger Monitoringbericht des Finanzministeriums vom 1. Juni. Er bewertet den Fortschritt eines 500-Milliarden-Euro-Programms für Infrastruktur und Klima, das bis 2036 laufen soll.

Immerhin: 74 Prozent der Bundesmittel für 2025 wurden abgerufen – vor allem für digitale Netze und Wohnungsbau. Doch andere Bereiche hinken hinterher. Bis Ende Mai waren nur 26 von 107 geplanten Meilensteinen erreicht. Energie, Forschung und Verkehr kommen nur langsam voran. Das Ministerium führt die Verzögerungen auf bürokratische Hürden und fehlende rechtliche Rahmenbedingungen nach den jüngsten Regierungswechseln zurück.

Finanzabteilungen digitalisieren sich nur schleppend

Auch die Privatwirtschaft hinkt hinterher. Eine Studie von WHU und PwC vom 31. Mai befragte 207 Finanzvorstände im DACH-Raum. Ergebnis: Die Digitalisierung in Finanzabteilungen kommt nur langsam voran.

Hauptgründe sind Budgetbeschränkungen, fehlende IT-Kenntnisse und schlechte Datenqualität. Weniger als die Hälfte der Unternehmen nutzt Künstliche Intelligenz für automatisierte Berichte. Rund 25 Prozent haben überhaupt keine Richtlinien für den KI-Einsatz. Große Konzerne sind bei ihren Digitalzielen ambitionierter als kleinere Firmen.

Milliarden für digitale Souveränität

Die Bundesregierung will unabhängiger von ausländischen Anbietern werden und vergab am 31. Mai einen 250-Millionen-Euro-Auftrag für eine nationale KI-Cloud. Den Zuschlag erhielten Konsortien unter Führung von T-Systems und SAP (70 Prozent) sowie SVA (30 Prozent).

Die Plattform soll das KIPITZ-System hosten, das Behörden digitale Werkzeuge für Dokumentenmanagement, Übersetzung und Transkription bereitstellt. Kritiker warnen jedoch vor neuen Abhängigkeiten. Allein 2025 gab der Bund rund 481 Millionen Euro für Softwarelizenzen großer internationaler Anbieter aus.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wissenschaft | 69468879 |