Digitalisierung, Tempo

Digitalisierung: 73% fordern schnelleres Tempo von Politik und Wirtschaft

04.06.2026 - 06:18:48 | boerse-global.de

Erstmals sinkt die wöchentliche Online-Zeit der Deutschen. Trotzdem wächst der Online-Handel und die KI-Nutzung steigt rasant.

Digitalisierung: 73% fordern schnelleres Tempo von Politik und Wirtschaft - Bild: über boerse-global.de
Digitalisierung: 73% fordern schnelleres Tempo von Politik und Wirtschaft - Bild: über boerse-global.de

Laut der Postbank Digitalstudie 2026 surften die Bundesbürger im Frühjahr durchschnittlich 67,4 Stunden pro Woche im Internet, fünf Stunden weniger als 2025. Befragt wurden dafür zwischen April und Mai 3.050 Personen.

Junge Nutzer bremsen ihr Smartphone-Verhalten

Besonders auffällig ist der Rückgang bei den unter 40-Jährigen, auch wenn ihre Gesamtnutzung mit über 80 Stunden pro Woche weiterhin hoch bleibt. Die Zeit, die sie allein mit dem Smartphone verbringen, sank jedoch um drei Stunden auf 31 Stunden pro Woche. Und der Trend könnte sich fortsetzen: 31 Prozent dieser Altersgruppe planen, ihre digitale Nutzung weiter zu reduzieren.

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Soziale Medien verlieren ebenfalls an Boden. Die Nutzungsrate fiel von 71 auf 64 Prozent. Gleichzeitig wächst aber die Akzeptanz Künstlicher Intelligenz: 38 Prozent der Deutschen greifen inzwischen auf KI-Tools wie ChatGPT zurück.

Online-Handel boomt trotz weniger Surfzeit

Weniger Zeit im Netz, aber mehr Geld im digitalen Warenkorb – dieser Widerspruch prägt den deutschen E-Commerce. Der HDE Online-Monitor 2026 prognostiziert für dieses Jahr ein nominales Umsatzplus von 4,3 Prozent im Online-Handel. Zum Vergleich: Der stationäre Einzelhandel kommt nur auf 1,6 Prozent Wachstum.

Bereits 2025 erzielte der Online-Handel 92 Milliarden Euro Umsatz – ein Plus von vier Prozent zum Vorjahr. Besonders stark legten Lebensmittel und Drogerieartikel zu, hier stiegen die Online-Umsätze um 10,4 Prozent. Im Modebereich kaufen inzwischen 65 Prozent der Verbraucher Kleidung und Schuhe überwiegend im Netz.

Die Technologie-Akzeptanz im Handel wächst: Eine Appinio-Umfrage vom April 2026 zeigt, dass 60 Prozent der Befragten KI-Assistenten mehr vertrauen als klassischen Kundenbewertungen. Ebenso viele begrüßen KI-gesteuerte Preisoptimierung. Allerdings lehnen ebenfalls 60 Prozent autonome, KI-gesteuerte Einkäufe ab.

Ungeduld mit der Digitalisierung wächst

Der Rückgang der Internetnutzung fällt in eine Zeit wachsender Unzufriedenheit mit dem Tempo der Digitalisierung. Eine Bitkom-Umfrage unter 1.005 Teilnehmern (April bis Mai 2026) ergab: 73 Prozent der Deutschen fordern von Politik und Wirtschaft ein höheres Tempo bei der Digitalisierung. 2024 waren es noch 59 Prozent.

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Die digitale Kluft wird sichtbarer: 45 Prozent der Befragten fürchten, mit der technischen Entwicklung nicht Schritt halten zu können. Bei Frauen liegt dieser Wert bei 49 Prozent, bei Männern bei 40 Prozent. Besonders betroffen sind Senioren über 75 Jahre – hier äußern 67 Prozent entsprechende Sorgen. Die Ergebnisse erscheinen kurz vor dem bundesweiten Digitaltag am 26. Juni 2026.

Glasfaser-Ausbau stockt – Anschlussquote enttäuscht

Der deutsche Glasfasermarkt steckt in der Krise. Nur 50 Prozent der Haushalte haben überhaupt Zugang zu einem Glasfaseranschluss, und lediglich jeder vierte Haushalt bucht ihn auch. 2024 lag Deutschland mit dieser Quote am unteren Ende der EU-Statistik – der EU-Schnitt betrug damals 70 Prozent.

Der Markt konsolidiert sich: Metrofibre meldete Insolvenz in Eigenverwaltung an, Deutsche Glasfaser halbierte seine Ausbauziele von sechs auf 3,2 Millionen Haushalte. Die Nachfrage nach Neuanschlüssen fiel von 40.000 (2022) auf 30.000 (2025).

Dienstleistungssektor schrumpft weiter

Auch die allgemeine Wirtschaftslage belastet die digitale Landschaft. Der HCOB Germany Services PMI lag im Mai 2026 bei 48,1 Punkten – zwar eine Verbesserung gegenüber April (46,9), aber weiter unter der Wachstumsschwelle von 50. Es ist der zweite Monat in Folge mit Schrumpfung. Dienstleister nennen hohe Energie-, Transport- und Lohnkosten sowie schwache Nachfrage als Hauptgründe. Die Beschäftigung im Sektor fällt bereits den fünften Monat in Folge.

Netzstörungen: Weltweit weniger, in Deutschland punktuell

Die globale Netzstabilität zeigte zuletzt ein gemischtes Bild. Cisco ThousandEyes zählte in der letzten Maiwoche 286 weltweite Ausfälle – neun Prozent weniger als in der Vorwoche. Allerdings stiegen die Störungen bei Internetanbietern global um 19 Prozent. In Deutschland sorgte eine 15-minütige Störung bei Cogent Communications am 25. Mai für Beeinträchtigungen, ebenso eine achtminütige Unterbrechung bei Unitas Global/PacketFabric am 27. Mai.

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