Digitales Rathaus in Tangerhütte: KI-Verdacht nach Angriff noch unbestätigt
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 22:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das digitale Rathaus der Einheitsgemeinde Tangerhütte in Sachsen-Anhalt ist Ziel eines Cyberangriffs geworden. Unbekannte nutzten dabei eine zuvor unbekannte Sicherheitslücke aus und setzten nach Angaben des beteiligten Softwareherstellers mutmaßlich Künstliche Intelligenz ein.
Sollten sich die Hinweise bestätigen, handelt es sich laut dem Softwareanbieter Innocon um den ersten öffentlich bekannt gewordenen KI-gestützten Hackerangriff auf eine deutsche Kommune.
Nächtlicher Zugriff über Zero-Day-Schwachstelle
Der Vorfall ereignete sich im September 2026. Nach Angaben von Innocon drangen die Angreifer nachts über eine sogenannte Zero-Day-Lücke in das Softwaresystem des IT-Dienstleisters ein. Die Attacke wurde am darauffolgenden Morgen entdeckt, woraufhin die Verantwortlichen die betroffenen Server umgehend isolierten und vom Internet trennten.
Infolge des Angriffs fiel das digitale Rathaus für mehrere Wochen aus. Bürgerinnen und Bürger konnten grundlegende Dienstleistungen wie die Anmeldung eines Wohnsitzes, Gewerbeanmeldungen oder Anträge für Kita-Plätze nicht mehr online abwickeln.
Die kommunale Verwaltung musste auf analoge Verfahren zurückgreifen, sodass Anträge auf Papier im Rathaus eingereicht werden mussten. Der reguläre Betrieb wurde über Telefon, E-Mail und den Postweg aufrechterhalten. Vier weitere Kommunen nahmen ihre digitalen Rathäuser nach Bekanntwerden der Sicherheitslücke vorsorglich vom Netz, obwohl dort keine Angriffsspuren vorlagen.
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Hinweise auf adaptive Angriffsmethoden
Der Geschäftsführer des Anbieters Innocon, Hagen Woecht, stufte die Attacke aufgrund technischer Auffälligkeiten als KI-basiert ein. In den Serverprotokollen sei eine maschinelle Befehlsgeschwindigkeit dokumentiert worden, die von menschlichen Akteuren selbst unter Zuhilfenahme manueller Werkzeuge nicht zu erreichen sei.
Zudem habe sich der eingesetzte Angriffscode während des Zugriffs eigenständig weiterentwickelt. Laut Woecht erbeuteten die Angreifer lediglich Daten von Testkonten. Ein Abruf echter Bürgerdaten habe nach bisherigen Erkenntnissen nicht stattgefunden.
Recherchen des Mitteldeutschen Rundfunks bestätigen das enorme Tempo, mit dem der Angriff auf die IT-Infrastruktur ablief. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ermittelt derzeit wegen des Verdachts des Ausspähens von Daten, worauf Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren stehen können.
Die Ermittlungsbehörde hat den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bislang weder bestätigt noch dementiert, da eine unabhängige behördliche Verifizierung der Protokolldaten noch aussteht.
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Experten stufen Bedrohungslage als plausibel ein
IT-Sicherheitsexperten wie Dirk Labudde von der Hochschule Mittweida und Marc-Oliver Pahl halten ein KI-gestütztes Vorgehen bei dem Vorfall für plausibel.
Auch auf Bundesebene wird die Entwicklung beobachtet: Thomas Caspers, Vizepräsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, wies darauf hin, dass automatisierte Angriffe unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz hunderte bis zehntausende Systeme gleichzeitig ins Visier nehmen können.
Der Fall in Tangerhütte verdeutlicht damit die wachsenden technischen Herausforderungen, vor denen kommunale IT-Dienstleister bei der Absicherung öffentlicher Fachverfahren stehen.
Mehr zum Thema bei MDR: „Leichte Sprache: In Tangerhütte ist ein Computer-Angriff auf das Rathaus passiert“
