Digitaler Nachlass: Verbraucherzentrale klärt am 9. September auf
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Regelung des digitalen Erbes gewinnt angesichts zunehmender Online-Aktivitäten an Bedeutung. Eine Informationsveranstaltung der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz am 9. September 2026 in Mainz thematisiert die rechtlichen Hürden und praktischen Vorkehrungen für Konten und Daten nach dem Todesfall.
Am 9. September 2026 lädt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz (RLP) zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in das Gemeindezentrum St. Martin in Mainz-Finthen ein. Ab 16 Uhr wird die Referentin Andrea Steinbach von der Verbraucherzentrale über die Herausforderungen des digitalen Nachlasses aufklären.
Die Veranstaltung ist Teil einer Vortragsreihe, die vom Seniorennetzwerk Mainz-Finthen organisiert wird. Ein weiterer Termin der Reihe ist für den 30. September 2026 angekündigt, bei dem der Pflegestützpunkt Mainz über das Thema Pflegebedürftigkeit informieren wird.
Rechtliche Grundlagen und technische Barrieren
Der digitale Nachlass umfasst sämtliche Online-Konten, in sozialen Netzwerken gespeicherte Dateien sowie kryptografische Vermögenswerte. Obwohl der Bundesgerichtshof bereits mit einem Urteil vom 12. Juli 2018 (Az. III ZR 183/17) festgestellt hat, dass digitale Nutzerkonten grundsätzlich vererbbar sind und Erben in die Rechtsstellung des Verstorbenen eintreten, gestaltet sich der Zugriff in der Praxis oft schwierig.
Experten weisen darauf hin, dass der Zugang zu Konten häufig durch technische Hürden wie Passwörter, die Zwei-Faktor-Authentifizierung oder fehlende Private Keys bei Kryptowährungen blockiert wird.
Ohne explizite Vorsorge können digitale Vermögenswerte oder persönliche Erinnerungen dauerhaft unzugänglich bleiben. So wird am Beispiel von Marija Milisavljevi? deutlich, wie schwierig die Gedenkaktivierung eines Facebook-Kontos ohne einen zuvor benannten „Legacy Contact“ sein kann.
Vorsorge als Herausforderung trotz Fachwissen
Dass die Sensibilisierung für das Thema allein oft nicht ausreicht, belegt eine aktuelle Untersuchung der Universität Strathclyde. Eine Studie mit 17 Teilnehmern, die über fundierte Kenntnisse im Bereich Cybersicherheit verfügen, zeigte, dass selbst Experten die Planung ihrer digitalen Kontoverwaltung nach dem Tod häufig meiden. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass reines Fachwissen nicht zwangsläufig zu proaktivem Handeln führt.
Um den Nachlass zu sichern, raten Fachleute zur Erstellung eines detaillierten Inventars und zur Benennung eines digitalen Betreuers. Plattformen wie Google bieten hierfür Funktionen wie den „Inactive Account Manager“ an. Auch der Einsatz von Passwortmanagern und die Dokumentation von Zugriffsregelungen werden empfohlen, um Hinterbliebenen die Verwaltung zu erleichtern.
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Globale Entwicklungen im Datenschutz und der Nachlassplanung
Die Relevanz des Thema zeigt sich auch in internationalen Bestrebungen. In Thailand eröffnete der Gouverneur von Phuket, Chotinrin Kerdsum, am 31. August 2026 ein erweitertes Zentrum für das dortige Datenschutzgesetz (PDPA), um die Rechte der Bürger und das Verständnis für Datensicherheit zu stärken.
In Südafrika findet zudem Mitte September 2026 die „National Wills Week“ statt, in deren Rahmen kostenlose Basis-Testamente angeboten werden, wobei auch hier die Bedeutung verlässlicher Daten für die Nachlassverwaltung betont wird.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern digitale Währungen. Berichten der Ontario Securities Commission zufolge besitzt etwa jeder vierte Kanadier Krypto-Assets. Ohne die Hinterlegung privater Schlüssel oder spezifischer Anweisungen im Testament riskieren Erben hier den vollständigen Verlust des Zugriffs auf diese Vermögenswerte.
Praktische Schritte für Angehörige
Nach einem Todesfall stehen Hinterbliebene vor komplexen Aufgaben. Neben der Benachrichtigung von Behörden und Versicherern müssen Konten geprüft und gegebenenfalls gekündigt werden.
Viele Menschen machen beim Thema Erben vermeidbare Fehler, die für die Familie im Ernstfall zu einer großen Belastung werden können. Ein kostenloser Report zeigt nun, wie Sie Ihren Nachlass ohne teuren Notar rechtssicher regeln und dabei sogar Erbschaftsteuer sparen. Kostenlosen Report zur Nachlass-Vorsorge hier herunterladen
In den USA weist das Portal mylifesite.net darauf hin, dass nach einem Todesfall auch die Social Security benachrichtigt werden muss, wobei eine einmalige Zahlung von 255 US-Dollar geleistet werden kann. Fachleute empfehlen generell, eine zentrale Datei für wichtige Dokumente anzulegen, um den administrativen Aufwand im Ernstfall zu minimieren und vor Betrugsversuchen zu schützen.
Die Veranstaltung in Mainz-Finthen soll Bürgern die notwendigen Werkzeuge an die Hand geben, um solche organisatorischen Lücken frühzeitig zu schließen. Eine Anmeldung für ähnliche Formate, wie etwa ein Webinar der UFCU am 23. September 2026 oder einen Workshop in Santa Barbara am 19. September 2026, verdeutlicht das weltweite Interesse an strukturierter Vorsorge für das digitale Zeitalter.
