Digitaler Nachlass: 124 Millionen Passwörter geknackt – Sicherheit wird zur Falle
18.06.2026 - 13:40:36 | boerse-global.de
Das betrifft nicht nur Kryptowährungen, sondern auch E-Mail-Konten, Streaming-Abos und Gesundheitsdaten.
Rechtliche Grundlagen – und wo es hakt
Der Bundesgerichtshof entschied bereits 2018: Digitale Konten und Verträge sind grundsätzlich vererbbar. Erben treten automatisch in die Verträge des Verstorbenen ein. Klingt einfach? Ist es nicht.
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Das Problem: Ohne Passwörter und eine klare Dokumentation bleibt der Zugriff verwehrt. Felix Kohn vom VerbraucherService Bayern empfiehlt die Methode der drei Ws: Wo existieren Konten? Wie erfolgt der Zugang? Was soll mit den Daten passieren?
Die großen Plattformen bieten mittlerweile eigene Werkzeuge für Nachlasskontakte an – Google, Apple, Meta und Microsoft haben entsprechende Funktionen integriert. Von kommerziellen Nachlassverwaltern raten Verbraucherschützer dagegen ab.
124 Millionen Passwörter geknackt – Sicherheit wird zur Falle
Mitte Juni 2026 zeigte eine Auswertung der Datenbank "Have I Been Pwned": Rund 124 Millionen Passwörter und über 56 Millionen E-Mail-Adressen wurden durch Schadsoftware entwendet. Passwortmanager und Zwei-Faktor-Authentifizierung sind deshalb Pflicht.
Doch genau diese Sicherheitsmaßnahmen werden im Erbfall zum Problem. Ohne entsprechende Vorsorge kommen Hinterbliebene nicht an die Konten – selbst wenn sie rechtlich Anspruch darauf haben.
Kryptowährungen: Der Private Key entscheidet
Besonders knifflig wird es bei Krypto-Anlagen. Eine einfache Vollmacht reicht hier nicht. Fehlt der Private Key, sind die digitalen Währungen technisch nicht zugänglich. Praxisfälle zeigen: Erben bekommen zwar Zugriff auf Konten bei Neo-Brokern, die Kryptos selbst bleiben ohne die spezifischen Schlüssel aber verloren.
Streaming, E-Books, Gaming – rechtliche Grauzone
Was passiert mit E-Books oder Steam-Accounts? Die Rechtslage ist unklar. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler Anbieter schließen eine Übertragung der Lizenzen auf Dritte aus. Hier kollidiert das allgemeine Erbrecht mit den individuellen Lizenzvereinbarungen.
Gesundheitsdaten: 100 Jahre gespeichert
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Das Forschungsdatenzentrum (FDZ) Gesundheit speichert seit Herbst 2025 pseudonymisierte Daten von rund 74,5 Millionen gesetzlich Versicherten – teilweise bis zu 100 Jahre. Für die Wissenschaft ein Schatz, für Betroffene ein Problem: Versicherte haben keinen direkten Zugriff auf diese Datensätze.
Digitale Balance als Prävention
Bayern startete im Juni 2026 eine Agenda für mehr digitale Balance bei Kindern und Jugendlichen. Handynutzungsverbot bis zur siebten Klasse und Informationspakete für Familien sollen die Medienkompetenz stärken. Das Ziel: Früh ein Bewusstsein für die eigene digitale Präsenz schaffen – und damit langfristig auch den digitalen Nachlass einfacher regeln.
