Digitale Zivilcourage: Kostenfreier Workshop am 12. November in Betzdorf
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aggressive Töne, gezielte Desinformation und offene Anfeindungen prägen zunehmend den digitalen Raum. Vor diesem Hintergrund setzen Bildungsakteure verstärkt auf Angebote, die Bürgerinnen und Bürgern konkrete Handlungsstrategien vermitteln.
Eine solche Initiative bietet das Institut für Medien und Pädagogik medien.rlp gemeinsam mit Betzdorf digital und der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz an.
Im Rahmen der landesweiten Aktionstage „Netzpolitik und Demokratie“ veranstalten die Träger am 12. November 2026 von 18 bis 20 Uhr einen kostenfreien Workshop unter dem Titel „Digitale Zivilcourage: Argumentations- und Handlungsmöglichkeiten im Internet“ in der Stadthalle Betzdorf.
Unter der Leitung von Referent Frank Temme thematisiert das Angebot im Hellersaal sprachliche Rahmen, das Aufdecken von Desinformation sowie Unterstützungsmöglichkeiten und Anlaufstellen.
Umfragen belegen zunehmenden Druck auf den Online-Diskurs
Die Notwendigkeit solcher Bildungsangebote spiegelt sich in aktuellen Untersuchungen zur Stimmung in sozialen Netzwerken wider. Eine repräsentative Online-Befragung der Landesanstalt für Medien NRW aus dem Sommer 2026 unter 1.012 Personen verdeutlicht das Ausmaß der wahrgenommenen Verrohung: 79 Prozent der Befragten gaben an, Hassrede im Internet wahrzunehmen, 45 Prozent sogar häufig oder sehr häufig.
Mehr als die Hälfte, nämlich 59 Prozent, beobachtete Feindseligkeit gegenüber andersdenkenden politischen Lagern, was einem Zuwachs von zehn Prozentpunkten im Vergleich zur Erhebung vor zwei Jahren entspricht. Hass gegen Juden erlebte ein Viertel der Befragten, während fast ein Drittel auf Anfeindungen gegen Muslime stieß.
Bei den wahrgenommenen politischen Inhalten dominierten rechtsextreme Aussagen mit 74 Prozent, gefolgt von antisemitischen Äußerungen mit 45 Prozent, linksextremen Positionen mit 43 Prozent und islamistischen Inhalten mit 41 Prozent. Der Direktor der Landesanstalt, Tobias Schmid, mahnte in diesem Kontext, dass ein funktionierendes demokratisches Zusammenleben keine Selbstverständlichkeit sei.
Die statistischen Erfassungen der Sicherheitsbehörden unterstreichen die Dynamik. Nach Angaben des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen kletterten die registrierten Delikte von 2.411 Fällen im Jahr 2021 auf 10.732 Fälle im Jahr 2024. Das Factsheet von Bundeskriminalamt und Bundesinnenministerium verzeichnete für 2025 bundesweit 10.542 Fälle politisch motivierter Kriminalität im Netz, was einem leichten Rückgang von 1,77 Prozent gegenüber 2024 entsprach. Davon wurden 4.870 Fälle, also rund 46,2 Prozent, dem rechten Spektrum zugeordnet.
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Belastungen für Betroffene und Forderungen nach Prävention
Die Verrohung hat spürbare Konsequenzen für die Teilhabe am öffentlichen Diskurs. Eine repräsentative Erhebung des Deutschen Frauenrats unter 1.380 Frauen im Alter von 18 bis 74 Jahren ergab, dass zwei Drittel der Befragten ihr Verhalten im Internet aus Sorge vor digitaler und KI-gestützter sexualisierter Gewalt anpassen. Gleichzeitig dringt das Problem in immer frühere Altersstufen vor.
Befragungen von Schulkindern, Lehrkräften und Sozialarbeitern zeigen, dass Cybermobbing bereits an Grundschulen zunimmt. Belästigungen und Beschimpfungen finden dabei vor allem auf Plattformen wie TikTok, WhatsApp und Instagram statt. Fachleute fordern deshalb die Einführung eines durch geschultes Lehrpersonal betreuten Führerscheins zur Internetnutzung bereits in dritten Schulklassen.
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Veranstaltungen wie der Workshop in Betzdorf, für den Anmeldungen per E-Mail an betzdorf.digital@vg-bg.de möglich sind, zielen darauf ab, Nutzern Handlungssicherheit im Netz zurückzugeben.
