Digitale, Versorgung

Digitale Versorgung: 130.000 Patienten profitieren von Healthy-Hub-Lösungen

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Krankenkassenverbund Healthy Hub sucht erneut innovative Versorgungsideen. 28 Gewinner und 59 Verträge aus früheren Runden zeigen die Bedeutung des Wettbewerbs.

Healthy Hub startet 7. Runde: Innovative Versorgungslösungen gesucht
Ein Arzt berät einen Patienten in einer modernen Praxis und zeigt eine digitale Gesundheitsanwendung auf einem Tablet. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Integration digitaler und hybrider Versorgungsansätze in das deutsche Gesundheitssystem wird durch spezialisierte Wettbewerbsformate weiter vorangetrieben.

Ein zentraler Akteur in diesem Bereich, der Healthy Hub – ein Zusammenschluss der Krankenkassen BIG direkt gesund, IKK Südwest, mhplus und SBK –, hat am 12. August 2026 die siebte Runde seines Wettbewerbs für innovative Versorgungslösungen eingeleitet.

Ziel ist es, neue Modelle für die Patientenschaft zugänglich zu machen, wobei die Bewerbungsfrist für interessierte Anbieter am 14. September 2026 um 10 Uhr endet.

Fokus auf Selektivverträge und technologische Offenheit

Der Wettbewerb richtet sich gezielt auf Lösungen, die im Rahmen von Selektivverträgen nach §140a SGB V umgesetzt werden können. Dabei verzichten die beteiligten Krankenkassen bewusst auf starre Technologievorgaben, um ein breites Spektrum an Innovationen zu ermöglichen.

Die bisherige Bilanz des Healthy Hub unterstreicht die Relevanz solcher Ausschreibungen: In den vorangegangenen Wettbewerbsrunden konnten bereits 28 Gewinner ermittelt werden, was zur Schließung von 59 Versorgungsverträgen führte. Den Angaben zufolge profitierten bislang mehr als 130.000 Versicherte von den im Rahmen des Wettbewerbs implementierten Lösungen.

Akzeptanz und Nutzungsverhalten bei digitalen Gesundheitsanwendungen

Trotz der zunehmenden Anzahl an Angeboten zeigt eine Marktanalyse von Deloitte aus dem Juli 2026, dass die Nutzung digitaler Helfer im Bereich chronischer Erkrankungen noch ausbaufähig ist. In der Befragung von 2.000 Personen in Deutschland gaben lediglich 18 Prozent an, Health-Apps gezielt zur Überwachung chronischer Krankheiten einzusetzen. Nur 13 Prozent nutzten solche Anwendungen auf explizite Empfehlung eines Arztes.

Deutlich höher ist die Akzeptanz bei Anwendungen zur Lebensstilverbesserung (33 Prozent), zur Gewichtsüberwachung (25 Prozent) oder zur allgemeinen Selbstoptimierung (25 Prozent). Ein signifikanter Unterschied zeigt sich zudem bei der Hardware-Nutzung: Während 80 Prozent der 25- bis 34-Jährigen eine Smartwatch verwenden, liegt dieser Anteil bei den über 65-Jährigen lediglich bei 44 Prozent.

Ein positives Signal für die vernetzte Versorgung ist jedoch die hohe Bereitschaft zum Datenaustausch: 83 Prozent der Befragten befürworten das Teilen ihrer Gesundheitsdaten mit medizinischem Fachpersonal.

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Infrastrukturelle Rahmenbedingungen und finanzielle Anreize

Für die Einbindung digitaler Lösungen in den Praxisalltag sind technische und vertragliche Standards entscheidend. Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sind Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) seit Anfang des Jahres elektronisch verordnungsfähig, sofern die Praxisverwaltungssysteme dies technisch unterstützen.

Für Patienten ohne entsprechende App steht ein Patientenausdruck zur Verfügung, der ab dem dritten Quartal 2026 in einer überarbeiteten Version erscheinen soll, um die Einreichung bei den Krankenkassen zu erleichtern.

Parallel dazu werden finanzielle Anreize für die Digitalisierung in der Primärversorgung geschaffen. Im Rahmen des HZV-Vertrags „GWQ-Hausarzt+“, der seit dem 1. Juli 2026 gilt, wurden nicht nur die Pauschalen erhöht (P1: 66-72 Euro, P2: 42-48 Euro, P3: 20-23 Euro), sondern auch spezifische Zuschläge für die digitale Ausstattung in Höhe von 2 bis 4 Euro eingeführt. Dieser Vertrag findet jedoch in bestimmten Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt keine Anwendung.

Technischer Wandel und politische Weichenstellungen

Die technische Infrastruktur unterliegt zudem fortlaufenden Sicherheitsanpassungen. Die Gematik hat für den 14. August 2026 die Deaktivierung von Heilberufsausweisen mit veraltetem RSA-Algorithmus in der Telematikinfrastruktur angekündigt, sodass künftig nur noch der Standard HBA 2.1 mit ECC nutzbar ist.

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Auch in der Verwaltung von Disease-Management-Programmen (DMP) stehen Änderungen an: Ab dem 1. Oktober 2026 wird eine neue KIM-Adresse für die DMP-Datenstelle verbindlich.

Flankiert werden diese Entwicklungen von einer Debatte über die künftige Förderung von Innovationen. Berichten zufolge plant die Bundesregierung im Rahmen eines Gesetzes zur Stabilisierung der GKV-Beitragssätze, die Mittel für den Innovationsfonds auf 100 Millionen Euro zu kürzen.

Bisher wurden über diesen Fonds unter anderem 254 Projekte der neuen Versorgungsformen und 537 Projekte der Versorgungsforschung gefördert, von denen sich 329 bereits in der Umsetzung befinden.

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