Digitale, Therapiebegleitung

Digitale Therapiebegleitung: CGM hebt die Zeit im Zielbereich von 40 auf 59 Prozent

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 09:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen den Nutzen vernetzter Diabetes-Technik; Apps können Therapietreue fördern, ersetzen aber nicht den persönlichen Austausch.

Digitale Therapiebegleitung: Apps, Sensoren und ihre Grenzen
Ein minimalistischer Behandlungsraum mit einem Glas Wasser und einem schlichten Pillendosierer auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Ein beträchtlicher Teil der Patienten nimmt verordnete Arzneimittel nicht wie vorgesehen ein. Aktuelle Studien und Branchenberichte beleuchten zunehmend, wie mobile Applikationen, vernetzte Sensoren und automatisierte Systeme Betroffene dabei unterstützen können, ihre Therapien verlässlicher einzuhalten, und wo die Grenzen rein digitaler Ansätze liegen.

Hohe Kosten durch mangelnde Therapietreue

Dass Handlungsbedarf besteht, unterstreicht eine Untersuchung der Universität Basel. Demnach nehmen zwischen 30–50 % der Menschen mit regelmäßigem Medikamentenbedarf ihre Präparate nicht vorschriftsmäßig ein.

Eine solche Non-Adhärenz verringert nicht nur den Erfolg der Behandlung und zieht höhere Sterberaten nach sich, sondern verursacht erhebliche ökonomische Belastungen: Die geschätzten Mehrkosten belaufen sich auf 950 bis 44.000 US-Dollar pro Person und Jahr.

Die Basler Wissenschaftler untersuchten im Rahmen ihrer Studie fünf typische App-Funktionen: Einnahmehistorie, Diagramme, Statistiken, Belohnungen und Datenexport. Dabei stuften die Befragten die Einnahmehistorie als wichtigste Komponente ein, während Belohnungssysteme als am wenigsten relevant bewertet wurden.

Aus Fokusgruppen und einer Online-Umfrage gingen zudem drei besonders gewünschte Funktionen hervor: professionelles Feedback zum Behandlungsverlauf, weiterführende Empfehlungen sowie ein direkter Datenaustausch mit Gesundheitsfachpersonen.

Die Forscher hielten zugleich fest, dass Applikationen die Bedürfnisse der Nutzer nur zum Teil abdecken und den persönlichen Kontakt zu Ärztinnen, Ärzten und dem Apothekenpersonal nicht ersetzen können.

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Vernetzte Systeme und Sensoren im Therapiealltag

Parallel zur Softwareentwicklung schreitet die technologische Integration im Versorgungsalltag voran. So erhielt das dänische Unternehmen Hedia ApS eine MDR-Zertifizierung zur Ausweitung seines digitalen Diabetes-Assistenten auf den pädiatrischen Bereich. Damit entfällt die bisherige Altersgrenze ab 18 Jahren, sodass nun auch Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie deren Eltern und Betreuungspersonen die Anwendung nutzen können.

Die Freigabe erlaubt flexiblere Insulintherapien mit breiteren Behandlungsparametern und die Anbindung an kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM), smarte Pens sowie Smartwatches. Bereits im Juli 2026 ging Hedia zudem eine Partnerschaft mit Bluesight zur Einbindung in die Bestandsverwaltung KitCheck ein.

Dass kontinuierliche Sensordaten die Behandlung messbar stabilisieren können, belegen Erhebungen zu CGM-Systemen von Dexcom. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes unter einer Basalinsulintherapie steigerten die Geräte die Verweildauer im Zielbereich (Time in Range) von 40 % auf 59 % und senkten den HbA1c-Wert von 9,1 % auf 8,0 %.

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Angesichts von mindestens 9,3 Mio. Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland und rund 450.000 jährlichen Neuerkrankungen besitzt die technologiegestützte Begleitung erhebliche Relevanz für das Versorgungsgeschehen.

Transparenz von der Verpackung bis zur Einnahme

Auch pharmazeutische Hersteller setzen verstärkt auf sensorische Nachverfolgung entlang der Therapiekette. Pfizer integriert UHF-RFID-Technologie (RAIN-RFID) bereits während der Herstellung in die Etiketten des SmartDose-Portfolios. Das Verfahren stützt sich auf Standards wie GS1 UHF Gen2 / ISO/IEC 18000-63, serialisierte GTINs sowie Spezifikationen der Auburn University (ARC Spec S).

Die Technologie ermöglicht eine automatisierte Bestandsverwaltung und beschleunigt das Auffinden abgelaufener oder zurückgerufener Medikamente. Wie Hedia schloss auch Pfizer im Juli 2026 eine Kooperation mit Bluesight für die KitCheck-Plattform ab.

Dass digitale Werkzeuge weltweit an Bedeutung gewinnen, zeigen auch gezielte Interventionsprogramme. Die Hochschule Poltekkes Kemenkes Medan schulte am 20. Juli 2026 insgesamt 60 Teilnehmer in Indonesien zur medikamentösen Tuberkulose-Überwachung mittels der App SINOTESIS.

Neben digitalen Einnahmeerinnerungen und Kontrollterminen umfasst das Konzept weiterhin manuelle Kontrollkarten für Personen ohne Endgerät oder Internetzugang. Dies verdeutlicht, dass digitale Innovationen im Versorgungsalltag oft auf flankierende, niedrigschwellige Strukturen angewiesen bleiben.

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