Digitale, Therapie

Digitale Therapie: App gegen ADHS zeigt gleiche Ergebnisse wie klassische Verhaltenstherapie

16.06.2026 - 07:09:31 | boerse-global.de

Softwaregestützte Therapien ergänzen zunehmend klassische Methoden bei Angststörungen und Traumata. Klinische Studien belegen ihre Wirksamkeit.

Digitale Helfer revolutionieren die Behandlung psychischer Erkrankungen
Digitale - Ein Smartphone zeigt eine EMDR-Therapie-App mit abstrakten, beruhigenden Mustern. Im Hintergrund sind die Hände einer Person zu sehen, die das Telefon hält. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Besonders bei Angststörungen und Traumata ergänzen softwaregestützte Lösungen zunehmend klassische Methoden wie die EMDR-Therapie.

Gezielte Behandlung von Ängsten und Traumata

Die EMDR-Methode gilt in der Fachwelt als evidenzbasierte Behandlungsform für posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) und spezifische Ängste. Internationale Forschungsprojekte, unter anderem koordiniert durch die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Leiden, haben die Wirksamkeit digitaler Unterstützung bereits bei Kindern zwischen sechs und 13 Jahren untersucht.

Ein vielversprechendes Konzept kombiniert eine dreistündige Sitzung mit einer vierwöchigen Übungsphase. Dabei kommt eine personalisierte App zum Einsatz. Ziel solcher Ansätze: die frühzeitige Behandlung, um die Chronifizierung von Ängsten zu verhindern.

Das Cohen Veterans Network (CVN) weist in Informationskampagnen auf die Wirksamkeit von EMDR hin. Laut Daten des Netzwerks zeigen bis zu zwei Drittel der Militärangehörigen und Veteranen durch Therapien wie EMDR oder kognitive Verarbeitungstherapie klinisch bedeutsame Besserungen. Der Bedarf bleibt hoch: Schätzungen zufolge erleben rund sieben Prozent der US-Veteranen eine PTBS.

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Digitale Kurzprogramme als Brücke zur Therapie

Neben spezialisierten Verfahren wie EMDR entstehen zunehmend digitale Kurzprogramme. Sie sollen die Wartezeit bis zu einem stationären oder ambulanten Therapieplatz überbrücken. Die Universität Bern testet das Programm UKADO, das sich an Menschen mit Angst- und Depressionssymptomen richtet. Es umfasst eine etwa einstündige Einführung sowie Übungen über zwei Wochen.

Der Hintergrund: eine wachsende psychische Belastung in der Bevölkerung. In der Schweiz gaben laut Erhebungen des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2022 rund 18 Prozent der Befragten an, sich psychisch belastet zu fühlen. Digitale Anwendungen sollen hier erste Hilfestellung bieten und Versorgungslücken schließen. In Deutschland stiegen die Ausgaben für die stationäre Psychiatrie zwischen 2015 und 2025 jährlich um durchschnittlich 6,1 Prozent.

Klinische Validierung ebnet den Weg

Die Akzeptanz digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) hängt maßgeblich von ihrer klinischen Validierung ab. In Deutschland wird seit August 2025 eine digitale Anwendung zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen von den Krankenkassen finanziert. Eine Studie aus dem Jahr 2026 in der Fachzeitschrift Psychological Medicine mit 337 Teilnehmern belegte: Die App erzielt bei Symptomverbesserung und Lebensqualität ähnliche Ergebnisse wie eine klassische Verhaltenstherapie.

In der Schweiz steht ebenfalls ein Systemwechsel bevor. Ab Juli 2026 soll dort erstmals ein digitales Programm gegen Depressionen über die Grundversicherung vergütet werden.

Diese regulatorischen Schritte fördern neue Marktsegmente in der Präzisionspsychiatrie. Das Münchener Unternehmen HMNC Brain Health sicherte sich kürzlich eine Finanzierungsrunde über 50 Millionen US-Dollar. Ziel ist die Entwicklung psychiatrischer Medikamentenkandidaten in Verbindung mit diagnostischen Tools.

Monitoring im Alltag: Smartphones als Früherkennung

Die technologische Entwicklung erstreckt sich auch auf die Früherkennung. Smartphone-basierte Gedächtnistests können laut einer Studie im Fachjournal npj digital medicine kognitiven Abbau bei Patienten mit leichten Beeinträchtigungen innerhalb von sieben bis zwölf Monaten erfassen. Solche engmaschigen Tests bieten eine höhere Datendichte als punktuelle klinische Untersuchungen.

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Parallel integrieren große Technologieunternehmen wie Apple zunehmend Gesundheitsfunktionen in ihre Betriebssysteme. Mit der für Herbst 2026 angekündigten Version von iOS 27 kommen ein KI-gestütztes Ernährungstracking sowie spezifische Programme zur Unterstützung während der Menopause. Auch wenn diese Funktionen primär den Wellness-Bereich adressieren, verdeutlichen sie den Trend zur datengestützten Gesundheitsüberwachung – ein Trend, der auch in der therapeutischen Nachsorge und Prävention psychischer Erkrankungen an Relevanz gewinnt.

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