Digitale, Reizüberflutung

Digitale Reizüberflutung: 81 Prozent prüfen Geräte stündlich ohne Benachrichtigung

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Umfragen zeigen häufige digitale Ablenkung und steigenden Stress; regionale Stellen informieren über Belastungen und mögliche Gegenmaßnahmen.
Ein ruhiges, minimalistisch eingerichtetes Wohnzimmer bei Sonnenuntergang mit einem bequemen Sessel und einem Buch. Illustration mit AI erstellt.

Die ständige Verfügbarkeit von Informationen und die intensive Nutzung elektronischer Geräte prägen den Lebensalltag breiter Bevölkerungsschichten. Eine repräsentative Befragung der IU Internationalen Hochschule aus dem Frühjahr 2026 verdeutlicht das Ausmaß dieser Entwicklung: Demnach schauen 81 Prozent der Befragten mindestens ein- bis zweimal pro Stunde auf ein digitales Gerät, ohne dass zuvor eine Benachrichtigung eingegangen ist. Rund 44 Prozent beschreiben ihren Kopf als dauerhaft auf Stand-by. Zugleich äußern 56 Prozent den Wunsch, im Alltag häufiger offline zu sein.

Regionale Initiativen und Handlungsansätze gegen Reizüberflutung

Auf kommunaler und regionaler Ebene wird die Zunahme von Belastungen durch digitale Medien verstärkt thematisiert. Die Universität Würzburg sowie die Stadt und der Landkreis Würzburg sensibilisieren für die Folgen dieser Entwicklung. Zur Unterstützung bündelt der regionale Hilfekompass unter www.hilfekompass.wuerzburg.de Hilfs- und Beratungsangebote bei Stress, psychischen Belastungen und problematischer Mediennutzung.

Als praktische Gegenmaßnahmen empfiehlt die Universität Würzburg, unnötige Push-Benachrichtigungen zu deaktivieren, feste Zeiten für das Lesen von Nachrichten und E-Mails festzulegen sowie bewusst smartphonefreie Phasen einzuplanen. Entscheidend sei dabei nicht allein die reine Bildschirmzeit, sondern vor allem die jeweilige Auswirkung auf das persönliche Wohlbefinden und die Erholung.

Auch bei Veranstaltungen der regionalen Wirtschaft steht das Thema im Fokus. Beim Wirtschaftsforum Andernach, das von der Kreissparkasse Mayen und der Wirtschaftsförderung der Stadt Andernach veranstaltet wurde, referierte die Bestsellerautorin Cordula Nussbaum über Reizüberflutung durch ständige Smartphone-Nutzung in Pausen und stellte Methoden zur Entlastung vor.

Reizverarbeitung und individuelle Belastungsfaktoren

Die Wahrnehmung von Reizen unterscheidet sich individuell stark. Bei hochsensiblen Menschen werden Sinneseindrücke besonders intensiv verarbeitet, was zu einer schnelleren Reizüberflutung führen kann.

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Fachleute betonen, dass es sich bei Hochsensibilität um keine Krankheit und keine medizinische Diagnose handelt, sondern um eine spezifische Art der Wahrnehmung und Reizverarbeitung. Wissenschaftliche Fragebögen und Online-Tests können erste Anhaltspunkte liefern, ersetzen jedoch keine fundierte Abklärung.

Neben äußeren Reizen tragen auch innere Faktoren zum Empfinden von Überlastung bei. Der TK-Stressreport 2025 zeigt, dass 66 Prozent der Menschen in Deutschland häufig oder manchmal gestresst sind. Dabei führen 61 Prozent die eigenen Ansprüche als maßgeblichen Stressfaktor an.

Internationale Tendenzen und betriebliche Auswirkungen

Der Anstieg von Stressbelastungen ist kein rein deutsches Phänomen. Laut einer weltweiten WIN-Umfrage fühlen sich 42 Prozent der Menschen global häufig gestresst, verglichen mit 32 Prozent im Vorjahr.

In 34 von 39 untersuchten Ländern war eine Zunahme zu verzeichnen. In der Region Américas lag der Wert bei 45 Prozent, in Chile bei 56 Prozent, in Ecuador bei 55 Prozent, in den USA bei 52 Prozent und in Argentinien bei 50 Prozent.

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In Österreich fühlen sich laut Angaben des ORF 70 Prozent der Bevölkerung häufig gestresst. Der Sender griff die Aspekte Gehirn, Schlaf, Herz und digitalen Stress im Oktober 2026 im achtteiligen Gesundheitspodcast „Unter Druck“ sowie im Radiokolleg von Ö1 auf.

In der Schweiz meldet Gesundheitsförderung Schweiz anhand des aktuellen Job-Stress-Index, dass junge Erwachsene zwischen 16 und 29 Jahren besonders stark von emotionaler Erschöpfung betroffen sind.

Vor diesem Hintergrund plant das Berner Generationenhaus für den 7. November 2026 die Premiere der Wanderausstellung „Stress. Eine Ausstellung, die Mut macht“. Die bis zum 6. Februar 2028 laufende Schau widmet sich acht Themenbereichen, darunter Zeitdruck, ständige Bewertung, Mental Load und Zukunftsangst.

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